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Einführung in die frühneuzeitliche Ikonographie von Büttner, Nils (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 01.02.2016
  • Verlag: WBG Academic
eBook (ePUB)
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Einführung in die frühneuzeitliche Ikonographie

Das Wissen um die komplexen Inhalte frühneuzeitlicher Bilder ist heute weitgehend verlorengegangen. Diese Einführung in die frühneuzeitliche Ikonographie bringt historische Bildwerke zum Sprechen. Inhalte, Formen und Orte frühneuzeitlicher Bilder werden erläutert und unter mediengeschichtlichen Aspekten untersucht. Im Zentrum steht dabei das rhetorische Denken, denn in der Vormoderne galten Bildwerke als der sprachlichen Mitteilung ebenbürtig. Bilder vermittelten Inhalte in einer stummen, aber gleichsam universellen Sprache, die alle sprachlichen Barrieren überwinden konnte. An mehr als 40 ausgewählten Beispielen werden Hieroglyphik, Emblematik, Symbolsprache, Allegorie sowie die mit ihnen verbundenen Formen des Bildumgangs und der Bildproduktion dargestellt.

Nils Büttner ist Inhaber des Lehrstuhls für Mittlere und Neuere Kunstgeschichte an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste in Stuttgart. Schwerpunkte seiner wissenschaftlichen Arbeit sind die deutsche und niederländische Kunst- und Kulturgeschichte der Frühen Neuzeit sowie die Geschichte von Graphik und Buchillustration.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: AdobeDRM
    Seitenzahl: 160
    Erscheinungsdatum: 01.02.2016
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783534725830
    Verlag: WBG Academic
    Größe: 7633 kBytes
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Einführung in die frühneuzeitliche Ikonographie

II. Bilder sehen und verstehen

1. Jerusalem ist überall

Je genauer der einstige Kontext eines Werkes bestimmbar ist, desto besser gelingt zumeist die historisch fundierte Interpretation. Die systematische Rekonstruktion zeitgenössischer Vorstellungen und Erwartungen, wie des historischen Bildungshorizonts der Künstler und ihres Publikums, gilt deshalb heute als Voraussetzung der Deutung eines Kunstwerkes (Schütze 2005). Die sorgsame Berücksichtigung der zeitgenössischen episteme kann zugleich vor dem Irrtum bewahren, jedem aus der historischen Distanz rätselhaft anmutenden Werk zu unterstellen, dass es absichtsvoll als Rätsel verfertigt oder schon von den Zeitgenossen als solches verstanden wurde (Arnulf 2002).

offensichtliche Symbolik

Um die zahlreichen symbolischen Implikationen der so naturgetreu ins Bild gesetzten Motive in den religiösen Historienbildern Jan van Eycks zu charakterisieren, führte Erwin Panofsky in seinem Buch Early Netherlandish Painting 1953 den Begriff der "versteckten Symbolsprache" ein, des "disguised symbolism". Dieser Begriff etablierte sich in der kunstwissenschaftlichen Literatur, die sich auf den Spuren Panofskys auf die Suche nach verborgenen Symbolen machte. Die Formulierung ist unglücklich gewählt, denn sie unterstellt den Bildern fälschlich geheimnisvolle und geheime Inhalte. Dabei war das Denken in Analogien, in vergleichenden Bildern und symbolischen Bezügen eine im Mittelalter weit verbreitete Praxis. Es steht außer Frage, dass das Verständnis der symbolischen Gehalte eines Bildes gewisse Kenntnisse erforderte, doch war deren Sinnbildlichkeit keineswegs versteckt. Denn viele derartige Bilder waren an öffentlichen Orten zu sehen, in Rathäusern genauso wie in Kirchen. Es gab Bilder in unterschiedlichsten Medien, Formaten und Materialien, die in unterschiedlichsten Kontexten standen. Manche waren spezifischen Gruppen vorbehalten, andere appellierten an sehr weit gefasste Personenkreise. Manche Bilder waren in privatem Eigentum und Gebrauch, andere gehörten sozialen Gruppen oder Körperschaften. Trotz dieser Vielfalt hatte sich im Mittelalter ein überschaubares und verhältnismäßig fest umrissenes Themenspektrum etabliert. Man folgte weithin der von Horaz in seiner Ars poetica (128f.) gegebenen Empfehlung, besser ein vertrautes Thema zum wiederholten Male darzustellen, als etwas gänzlich Neues zu erzählen. Immer wieder wurden Personen und Ereignisse der Heilsgeschichte dargestellt. Hinzu kamen die aus der antiken Mythologie und dort vor allem den Metamorphosen Ovids entlehnten Themen. Außerdem wurden historische Ereignisse, Schlachten und Siege dargestellt, wobei Weltgeschichte und Heilsgeschichte als untrennbare Einheit verstanden wurden. Dieses Geschichtsbild hatte schon im Mittelalter dafür gesorgt, dass Ereignisse der profanen Geschichte problemlos darstellbar waren und oft neben und mit Ereignissen der Heilsgeschichte dargestellt wurden.

Gemäß der in der Vormoderne weit verbreiteten Idee "Jerusalem ist überall" (Ehbrecht 2001), finden sich immer wieder auf Altarretabeln im Kontext des Heilsgeschehens Abbildungen identifizierbarer Städte. Die Bürgergemeinde einer Stadt verglich sich dem Himmlischen Jerusalem, und tatsächlich war das ewige Jenseits ein fester Bestandteil der in jedem Gottesdienst beschworenen Gemeinschaft der Lebenden und der Toten. Auch darf man nicht vergessen, dass die Glaubensvorstellung die vorhandenen Reliquien mit der geistigen Gegenwart der jeweiligen Heiligen verband. Christus selbst war im Rahmen einer Messfeier nach der Transsubstantiation in Gestalt der Hostie und des Weines leibhaftig anwesend. Dem Heiligen war dadurch ein fester Platz im Diesseits zugewiesen und dem Diesseits sein Platz in der Heilsgeschichte, die nicht als etwas Vergangenes wahrgenommen wurde. Gottes Schöpfungsplan bestimmte die Gegenwart, wie auch Gott allgegenwärtig war. Der gemalte Ausschnitt der sicht

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