text.skipToContent text.skipToNavigation
background-image

Einführung in die Ikonographie Wege zur Deutung von Bildinhalten von Büttner, Frank (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 20.02.2017
  • Verlag: Verlag C.H.Beck
eBook (ePUB)
15,99 €
inkl. gesetzl. MwSt.
Sofort per Download lieferbar

Online verfügbar

Einführung in die Ikonographie

Welche Quellen berichten von der Kindheit Marias? Wieso wird die Venus oft von einem Taubenpaar begleitet? -Ohne die Kenntnis des klassischen Bildungskanons lassen sich viele Kunstwerke nicht verstehen. Der vorliegende Band zur Ikonographie schafft Abhilfe, indem er eine umfassende Einführung in das weite Feld der verschiedenen Bildthemen, ihrer literarischen Quellen und der Bildfunktionen bietet. Die vorliegende Einführung, als Handbuch konzipiert, erschließt Wege zur Deutung von christlichen und profanen Bildinhalten vom frühen Christentum bis ins 20. Jahrhundert. Sie macht mit den literarischen Quellen wie der Bibel und der Überlieferung der antiken Mythologie vertraut und führt in den Forschungsstand wichtiger Themenfelder wie Typologie und Symbolik ein. Dabei informieren historische Überblicke über die Entwicklung christlicher und profaner Bildthemen und -funktionen. Die Anwendung der ikonographischen Methode wird an ausgewählten Beispielen vorgeführt, die zeigen, daß verschiedene literarische Quellen, Darstellungstraditionen, der Bestimmungsort und die Funktion des Bildes in einem komplexen Geflecht zusammenwirken. Eine Einführung in die Geschichte der ikonographischen Methode und Terminologie sowie ein kommentiertes Literaturverzeichnis vervollständigen das Studienbuch.

Frank Büttner ist emeritierter Professor für Kunstgeschichte an der Ludwig-Maximilians-Universität München. Andrea Gottdang ist Professorin für Kunstgeschichte an der Universität Salzburg.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 304
    Erscheinungsdatum: 20.02.2017
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783406660467
    Verlag: Verlag C.H.Beck
    Größe: 12409kBytes
Weiterlesen weniger lesen

Einführung in die Ikonographie

II. CHRISTLICHE IKONOGRAPHIE

1. Historischer Überblick

Frühes Christentum

Bilderverbot

Das zweite der zehn Gebote, die Moses auf dem Berg Sinai empfing (Exodus 20,4), mahnte das Volk Israel, sich kein Bild von den Dingen des Himmels, des Wassers und der Erde zu formen oder gießen und anzubeten. Deuteronomium 27,15 präzisiert noch einmal, dass jeder verflucht ist, der dieser Vorschrift zuwiderhandelt. Da das Neue Testament dieses Bilderverbot nicht explizit aufhob, respektierte das Christentum es weiterhin, obwohl es durch das Heilsereignis der Inkarnation in Frage gestellt worden war. Ein Standbild von Gottvater oder Christus anzufertigen war für die Urchristen undenkbar. Gegenüber dem Bilderkult und der Vielgötterei der Heiden ließ sich die Lehre vom allmächtigen, einzigen und unsichtbaren Gott nicht glaubhaft vertreten, wenn man wie sie Idole aufstellte und verehrte. Zu groß war die Gefahr der Verwechslung des Abbildes mit dem Abgebildeten. Während sich das Misstrauen gegenüber Skulpturen lange im Christentum hielt, gingen die Meinungen über zweidimensionale Bilder auseinander. Unklar bleibt, ob die frühen Christen als Auftraggeber von Kunstwerken nicht spezifisch christlicher Thematik in Frage kommen.

Katakomben - Altes Testament

Die christliche Ikonographie entstand vermutlich in Mausoleen und Hauskirchen, von denen sich jedoch nichts erhalten hat. Die Überlieferung der Bildzeugnisse beschränkt sich auf Katakomben und Sarkophage, bei deren Ausschmückung die Künstler die Symbolsprache ihrer Umwelt, also der heidnischen Kunst, aufgriffen und umdeuteten. Aus dem einfachen Schafträger einer bukolischen Szene entwickelte sich so die Darstellung des Guten Hirten als Symbol für Christus. Solche Themen hatten den Vorteil, auch den Heiden verständlich zu sein - wenn auch auf etwas andere Weise. Manchmal ist nur anhand des Kontextes zu entscheiden, ob eine Szene profan oder christlich zu deuten ist. Solche Übernahmen aus der römisch-antiken Ikonographie darf man sich nicht als eine Art Mimikry einer Glaubensgemeinschaft erklären, die kein Aufsehen erregen wollte. In der Geschichte der Kunst ist das Aufgreifen vorgeprägter Schemata nicht selten. Es kommt auch der umgekehrte Fall vor, bei dem die christliche Ikonographie Vorbilder für die profane liefert. Einflüsse und Wechselwirkungen gab es auch noch von anderer Seite: Zugleich mit den Christen bildeten die Juden im frühen 3. Jh. ihre religiöse Kunst aus. Ihre ikonographischen Gemeinsamkeiten betrafen Szenen aus dem Alten Testament. Tatsächlich überwiegen in den frühen Katakomben und auf Sarkophagen Darstellungen aus dem Alten Testament gegenüber Szenen aus dem Neuen, wobei der Themenkreis überschaubar blieb. Oft fiel die Wahl auf Rettungsszenen, wie die verhinderte Opferung Isaaks (Genesis 22) oder die Befreiung Jonas' aus dem Bauch des Wals (Jona 2). Sie sind Ausdruck der Hoffnung, Gott möge die Seelen der Verstorbenen aus dem Tod erretten, wie er es im Fall von Isaak, Jonas und anderen getan hatte. Die Geschichten wurden also nicht um ihrer selbst willen erzählt, sondern sie kleideten bestimmte Ideen ein. Deshalb wurden sie auch kurz und übersichtlich, fast zeichenhaft gehalten; auf narrative Details zur Ausschmückung der Geschichten wurde verzichtet.

Synode von Elvira - christologische Themen

Der Wunsch vieler Christen, in Bildern betrachten zu können, woran sie glaubten, war groß, aber noch legitimierte die Kirche die Bildpraxis nicht; im Gegenteil. Als Konstantia, die Tochter Kaiser Konstantins, den Bischof Eusebios von Caesarea bat, ihr ein Christusbild zu besorgen, wies er sie mit der Belehrung ab, die göttliche Herrlichkeit Christi sei nicht darstellbar. Kurz zuvor, um 306, hatte die Synode von Elvira das Bilderverbot wiederholt und bekräftigt, dass nicht an Wände gemalt werden darf, was man verehrt und anbetet. Zugleich verbesserten sich aber die Vora

Weiterlesen weniger lesen

Kundenbewertungen