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"Aus euch wird nie was" Erinnerungen. Aufgezeichnet von Norbert Mayer von Orth, Elisabeth (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 31.08.2015
  • Verlag: Amalthea Signum Verlag GmbH
eBook (ePUB)
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"Aus euch wird nie was"

"Ich weiß um die Vergänglichkeit jedes Abends - aber sie erfüllt mich mit Stolz." Vor 50 Jahren hatte Elisabeth Orth ihr Debüt am Burgtheater in Wien. Sie spielte damals, nach Stationen in Ulm und München, die Luise in Schillers 'Kabale und Liebe'. Seither hat sie an diesem Haus viele Dutzend klassische wie moderne Rollen gestaltet, ist Ehrenmitglied und seine Doyenne. Das Burgtheater ohne Orth? Kaum vorstellbar. Dabei hat es sich die Tochter der großen Bühnenstars Paula Wessely und Attila Hörbiger nicht leicht gemacht mit ihrer Berufswahl. Wie die Katze schlich sie um den heißen Brei, ehe sie den skeptischen Eltern erklärte, dass sie sich am Max Reinhardt Seminar beworben habe und auch genommen worden sei. In ihren Erinnerungen erzählt Elisabeth Orth über ihre Familie, ihre Kindheit im Krieg, ihre Jugend in der Nachkriegszeit, über die Jahre in Deutschland und die zweimalige Rückkehr nach Wien. Ganz nah kommt der Leser ihr in diesen Erzählungen. Elisabeth Orth, geboren 1936 in Wien, absolvierte das Max Reinhardt Seminar. Nach ersten Engagements am Volkstheater und am Theater der Courage ging sie nach Ulm und ans Residenztheater in München. Am Burgtheater debütierte sie 1965, 1968 wurde sie dort Ensemblemitglied, unterbrochen durch ihr Engagement an der Schaubühne am Lehniner Platz in Berlin 1955 bis 1999. Sie ist Trägerin der Kainz-Medaille, des Grillparzer-Rings und des Österreichischen Ehrenkreuzes sowie Ehrenmitglied des Burgtheaters. Norbert Mayer, geboren 1958 in Fürstenfeld, war in Graz, Brüssel, Berlin und Wien als Journalist tätig, unter anderem bei "Der Standard", "Berliner Zeitung" und "Kurier". Seit 2003 Leitender Redakteur der "Presse".

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: none
    Seitenzahl: 256
    Erscheinungsdatum: 31.08.2015
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783902998828
    Verlag: Amalthea Signum Verlag GmbH
    Größe: 73107 kBytes
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"Aus euch wird nie was"

"Jedermann", 1990. Salzburger Festspiele (Glaube)



"Jedermann, hörst mich nit?"
HUGO VON HOFMANNSTHAL
VORSPIEL IN SALZBURG

Am 20. Juli 2013, einem herrlichen Sommertag - früher hätte man wohl Kaiserwetter dazu gesagt -, bin ich am Salzburger Dom vorbeigegangen und habe mit meinem verstorbenen Vater zu reden begonnen. Ich unterhalte mich recht oft in Gedanken mit ihm, und auch mit meinem Mann, Hanns Obonya, der inzwischen schon Jahrzehnte tot ist, und erzähle ihnen Neuigkeiten. Diesmal aber musste ich unbedingt meinem Vater etwas sagen. Ich spürte einen tieferen Grund für dieses Gespräch. So viele Erinnerungen stürzten auf mich ein, dass ich einfach etwas loswerden musste, bei einem Menschen, der mir besonders nah gestanden ist.

In Salzburg habe ich damals mit meinem Vater Attila Hörbiger geredet, am Domplatz, wissend, dass mein Sohn Cornelius Obonya am Abend dort oben auf der Bühne vor dem Portal stehen wird, um Hugo von Hofmannsthals Protagonisten des "Jedermann" zu geben, im Spiel vom Sterben eines reichen Mannes, wie schon zwei Generationen zuvor mein Vater. Bekannt ist der Spruch des Regisseurs Max Reinhardt: "Der Alexander Moissi ist der Besondermann, der Attila Hörbiger ist der Jedermann."

Meine Mutter, mein Vater, mein Mann, meine Schwester und ich - wir alle haben im "Jedermann" in Salzburg gespielt. Und da sollen einem nicht die Erinnerungen aufsteigen beim Überqueren des Domplatzes?

Die Premiere von Cornelius war umjubelt. Ich konnte mich wirklich von Herzen für meinen Sohn freuen. Er hatte sich ja auf das Wagnis einer Neuinszenierung durch die Regisseure Brian Mertes und Julian Crouch eingelassen. Sie betonten wieder das Mittelalterliche an diesem Mysterienspiel, nachdem in den Jahren zuvor eine Art Volksstück daraus geworden war. Mein Vater aber hatte bei den Salzburger Festspielen noch in der ursprünglichen Inszenierung von Max Reinhardt gespielt, erst von 1935 bis 1937, dann wieder von 1947 bis 1951.

An eine dieser späten Aufführungen erinnere ich mich noch genau. Mein Vater, bereits in Kostüm und Maske, hatte das Privileg, seine beiden Töchter, die in weiße Faltenröcke und Jäckchen gesteckt worden waren, zur fürsterzbischöflichen Residenz zu führen, wo wir von oben dem "Jedermann" zuschauen durften. Die Fensterbretter für Erzbischöfe waren viel zu hoch für uns Kinder und deshalb sehr intensiv fürs Kinn. Mein Vater verschwand, tauchte unten am Domplatz wieder auf. Wir sahen, wie er, nachdem er ein Kreuz geschlagen hatte, mit fünf Schritten oben war auf der Pawlatschen. Wir waren immer aufgeregt für den Vater. Ich habe bis heute noch Lampenfieber. Aber dann war er ganz der Jedermann.

Und nun sehe ich mehr als sechs Jahrzehnte später meinen Sohn in dieser Rolle, sehe nicht nur ihn, sondern in manchen Gesten und Mienen meinen Vater wie auch meinen Mann in dem Kind. Mich erkenne ich hingegen kaum, am ehesten noch in der Stimme. Bei Cornelius sehe ich in jedem Auftritt eine unbeschreibliche Mischung zwischen Attila Hörbiger und Hanns Obonya, das geht bis in die Stirnfalten, bis in die Bewegung beim Atemholen, wenn schwierige, lang dauernde klassische Sätze folgen. Die Kopfbewegungen und Haltungen erinnern mich an seinen Vater und Großvater.

Das Wichtigste bei beiden war der Brustkorb, der musste immer total aufgerichtet sein, darauf legten sie größten Wert. Cornelius hat das in der Natur übernommen, er muss es gar nicht üben, er hat es einfach. Mein Gott, denke ich, wie viele Möglichkeiten des Ausdrucks besitzt dieser Knabe, wie sehr erinnert mich seine Stimme an meine Liebsten.

Großvater und Enkel - Cornelius Obonya und Attila Hörbiger

Die Kritikerin der "Salzburger Nachrichten" schrieb am nächsten Tag über Cornelius: "Seine Stimme ist so füllig und kräftig, dass er mit ihr auch ohne Verstärker den Domplatz füllen könnte. In den folg

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