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"Schau mir in die Augen, Kleines" Die Kunst der Dialoggestaltung von Schütte, Oliver (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 17.03.2016
  • Verlag: UVK
eBook (ePUB)
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"Schau mir in die Augen, Kleines"

Gute Dialoge zu schreiben ist für jeden Drehbuchautor eine Herausforderung und muss ständig aufs Neue trainiert werden: Der Dialog ist neben den visuellen Ausdrucksformen das ultimative Mittel, um Figuren Leben einzuhauchen und Szenen packend, rührend oder witzig zu gestalten. Der erfahrene Autor und Dramaturg Oliver Schütte zeigt, wie Sie wirkungsvolle und spannende Dialoge schreiben - und wie Produzenten, Redakteure und Script Consultants effektiv mit Autoren an Dialogen arbeiten können. Ob 10-minütige Webserie oder 50-stündiges TV-Format: Jedes Werk bringt neue Figuren mit neuen Herausforderungen an die Art und Weise, wie die Dialoge gestaltet werden. Dieses Buch gibt für alle Projekte Hinweise, wie Sie sich den Dialogen nähern können. Oliver Schütte arbeitet als Autor und lehrt an zahlreichen in- und ausländischen Filmschulen und -akademien. Für sein erstes Drehbuch 'Koan" erhielt er 1988 den Deutschen Drehbuchpreis. Von 1995 bis 2008 leitete er die Master School Drehbuch und war Initiator und künstlerischer Direktor des 'Scriptforum', der deutschen Drehbuch- und Stoffentwicklungskonferenz. Seit 2008 erscheint regelmäßig sein Podcast 'Stichwort Drehbuch'. Als Dramaturg berät er Autoren, Produzenten und Produktionsfirmen. Er ist Gründungsmitglied der Deutschen Filmakademie.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: AdobeDRM
    Seitenzahl: 280
    Erscheinungsdatum: 17.03.2016
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783739800387
    Verlag: UVK
    Größe: 1621 kBytes
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"Schau mir in die Augen, Kleines"

A4 AUFGABEN DES DIALOGS

Informationen
Emotionen
Diktion
Jeder Dialog, jede Szene ist Teil eines ganzen Werkes, das aus einem erzählerischen Bogen besteht. Darum ist der Dialog nie als etwas Eigenständiges zu betrachten: Er unterliegt der Aufgabe, die ihm dieser erzählerische Bogen stellt.

Die Aufgabe unterscheidet sich von Szene zu Szene, und selbst innerhalb einer Szene erfüllt der Dialog sehr verschiedene Anforderungen. Es macht z.B. einen großen Unterschied, ob ein Dialogsatz am Anfang einer Szene steht oder am Schluss. Grundsätzlich erfüllt jeder Dialogsatz mindestens eine der drei folgenden Funktionen; gelungene Dialoge an der richtigen Stelle erfüllen sicherlich alle drei Kriterien.

" Dialog gibt Informationen.

" Dialog offenbart die Emotionen der Figur.

" Die Form (Diktion) sagt etwas über den Sprechenden aus.
Informationen

Dialog kommuniziert Fakten an den Zuschauer. Dabei kann der Dialog sehr viele verschiedene Informationen vermitteln. Eine der wichtigsten Aufgaben ist es, Figuren, Handlungen und Orte zu exponieren.
Exposition der Figuren

Für das Publikum sind die Figuren eines Films anfangs Fremde. Die ersten Szenen und Dialoge einer Figur sind die Wichtigsten für ihre Exposition . Die amerikanische Lebensweisheit "You never have a second chance to make a first impression" 9 trifft dies sehr genau. Darum ist es für einen Drehbuchautor besonders wichtig, sich die ersten Dialoge seiner Hauptfiguren genauestens anzuschauen. Im Dialog werden meist wichtige Informationen über die Figur gegeben:

" Was erfahren die Zuschauer aus den ersten Sätzen einer Figur?

" Was offenbart sich über deren psychische und soziale Dimensionen?

" Was für einen Beruf übt sie aus?

" Hat sie eine Vorgeschichte?

Dabei geht es darum, diese Informationen möglichst "unauffällig" zu vermitteln und den expositorischen Charakter zu verstecken. Dies kann auf sehr unterschiedliche Art und Weise geschehen. Eine Möglichkeit besteht darin, die Figur innerhalb eines Konflikts quasi zu zwingen, diese Information auszusprechen. Eine weitere Technik besteht darin, sie als Teil einer anderen Information "einzuschmuggeln". Wie in folgendem fiktiven Beispiel:

THOMAS

Solange ich keine Rolle angeboten bekomme, werde ich mir keine neue Wohnung leisten können.

Die Information über den Beruf der Figur versteckt sich hinter einer vollkommen anderen Aussage und zwar über die neue Wohnung. Für die Hauptfiguren, aber auch für die wichtigsten Nebenfiguren (insbesondere für die Antagonisten) ist es unbedingt notwendig, eine Szene zu schaffen, in der sie definiert werden. In diesen Charakterszenen offenbaren die Figuren dem Zuschauer, wer sie wirklich sind. Hier kann z.B. die Vorgeschichte der Figur eine Rolle spielen. Meist wird der Dialog wie erwähnt durch einen Konflikt geprägt, der aber noch nicht unbedingt etwas mit dem eigentlichen Hauptkonflikt zu tun hat.

Diese Szenen der "Figurendefinition" sind in der Regel nicht die ersten Szenen, in denen die Figur zu sehen ist. Dies wäre noch zu früh, weil die Zuschauer die Figur erst einmal kennen lernen müssen. Nach der Charakterszene sollten die Zuschauer die Figuren verstanden haben. Erst jetzt wird die eigentliche Geschichte beginnen, darum liegt die definierende Charakterszene meist vor dem Anstoß .

In Milk von Dustin Lance Black lernen die Zuschauer die Hauptfigur Harvey Milk in einer Rückblende kennen, die innerhalb einer Rahmenhandlung erzählt wird.

INT. NEW YORK SUBWAY PLATFORM NIGHT

TITLE: "New York City. 1970."

HARVEY, 40, is HE

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