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Ach, sie haben ihre Sprache verloren Filmautoren im Exil

  • Verlag: edition text + kritik
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Ach, sie haben ihre Sprache verloren

Nach 1933 flüchteten zahlreiche Menschen aus Deutschland vor den Nationalsozialisten in europäische Nachbarländer oder nach Übersee, darunter viele Filmschaffende. Der vorliegende Band konzentriert sich auf Drehbuchautoren und Schriftsteller, die ins Exil getrieben wurden. Für sie war es besonders schwer, in einer fremdsprachigen Umgebung ihre gewohnte Arbeit fortzusetzen. In den Beiträgen dieses Buches beleuchten Filmhistoriker und -wissenschaftler die Werdegänge und Schicksale verschiedener Autoren, stellen deren Werke in einen zeitgenössischen Zusammenhang und veranschaulichen dabei auch die Besonderheiten einzelner Exilländer wie Frankreich, den Niederlanden, Großbritannien sowie den USA. Hans-Michael Bock, geb. 1947 in Wilhelmshaven. Autor und / oder Herausgeber zahlreicher Publikationen zur deutschen und internationalen Filmgeschichte. Aus der Arbeit an der Loseblatt-Enzyklopädie 'CineGraph - Lexikon zum deutschsprachigen Film' entstand das Institut CineGraph - Hamburgisches Centrum für Filmforschung e.V., dessen Vorstand Bock angehört.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 190
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783869166377
    Verlag: edition text + kritik
    Größe: 10184 kBytes
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Ach, sie haben ihre Sprache verloren

Réka Gulyás

THE HUMAN TOUCH
Autoren des Films TALES OF MANHATTAN und ihre Beiträge

Wer sich mit ungarischer Filmgeschichte beschäftigt, stößt irgendwann auf den Satz: "It is not enough to be Hungarian, you need talent, too!" Diese Devise soll in Hollywood über dem Eingang der Metro-Goldwyn-Mayer Studios (M-G-M) und - laut anderen Quellen - auch auf dem Schreibtisch von Adolph Zukor (Paramount Studios) gestanden haben. László Görög - einer der Autoren des Films TALES OF MANHATTAN ( SECHS SCHICKSALE , 1942, Julien Duvivier) - behauptete, dass diese Aussage sogar im Radio formuliert wurde und erst später in den Studios auf Schildern gedruckt erschien. 1

Der legendäre Satz verweist darauf, dass im "Goldenen Zeitalter" Hollywoods zahlreiche ungarische Exilanten ihr Glück in der amerikanischen Filmindustrie versuchten. Obwohl in der "Neuen Welt" viele von ihnen eine erfolgreiche Karriere machten, sind bis heute nur die Lebensläufe derjenigen ungarischen Filmkünstler erforscht, die als internationale Größen in die Filmgeschichte eingingen, wie Adolph Zukor (Produzent), George Cukor (Regisseur), Michael Curtiz (Regisseur, Autor), Alexander Korda und Joe Pasternak (Produzenten, Regisseure). Weitaus weniger bekannt sind die Lebens- und Arbeitsumstände von Drehbuchautoren, die meist im Schatten von Produzenten, Regisseuren und Schauspielern standen. Der Episodenfilm TALES OF MANHATTAN ist ein Paradebeispiel für die Zusammenarbeit emigrierter und einheimischer Drehbuchautoren in den USA, denn an seiner Entstehung waren insgesamt 17 Autoren, davon neun Exileuropäer, unter ihnen fünf Ungarn, beteiligt. 2
Emigrationswellen aus Ungarn

Der eingangs zitierte Satz impliziert zunächst die massive Präsenz ungarischer Filmkünstler in Hollywood. In ihrem Buch "De Budapest à Hollywood" unterscheidet die Kulturwissenschaftlerin Katalin Pór drei große Auswanderungswellen aus Ungarn nach Amerika. 3 Die erste Welle datiert sie auf den Zeitraum 1871-1918 als Folge der 1848er Revolution bzw. des sogenannten Ausgleichs im Jahre 1867, der Ungarn innerhalb der k.u.k. Monarchie eine Teilautonomie sicherte. Da die vollständige Unabhängigkeit Ungarns nicht erreicht wurde und zunächst keine wirtschaftliche Besserung eintrat, brachen in diesem Zeitraum ca. 1,5 Millionen Ungarn nach Amerika auf. 4 Unter diesen Emigranten befanden sich auch die Familien der späteren Mitbegründer Hollywoods, William Fox, George Cukor und Adolph Zukor.

Die zweite Welle war Folge des verlorenen Ersten Weltkriegs und der Niederschlagung der Räterepublik. Das Horthy-Regime verfolgte linke Intellektuelle, vor allem solche, die in den 133 Tagen der Räterepublik wichtige Posten bekleidet hatten, wie Alexander Korda, Béla Balázs und Edmund Pauker. 5 Diese Emigranten machten auf ihrer Flucht Zwischenstation in Wien und/oder Berlin. Andere wanderten 1919 direkt nach Amerika aus. So auch der Abenteurer Joseph Hermann Pasternak, der als Jugendlicher emigrierte, allerdings 1928-36 als Produktionsleiter der Deutschen Universal nach Europa zurückkehrte. 6

Diese Auswanderungswelle dauerte ungefähr bis zum "Black Thursday" am 24.10.1929, da durch den Börsenkrach und die darauffolgende "Great Depression" die USA als Einwanderungsland vorübergehend an Attraktivität verloren. Während in der ersten Hälfte der 1930er Jahre Ungarns primäres politisches Ziel noch die Konsolidierung innerhalb Europas war, wurde ab der zweiten Hälfte die Orientierung an der nationalsozialistischen Politik Deutschlands immer offensichtlicher. Ereignisse wie der "Anschluss" Österreichs an das Deutsche Reich (12.3.1938), der Erlass der drei Judengesetze in Ungarn (1938, 1939, 1941) und schließlich Ungarns Eintritt an der Seite des Deutschen Reichs in den Zweiten Weltkrieg (27.6.1941) fö

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