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Das Tanztheater Pina Bausch: Spiegel der Gesellschaft von Schulze-Reuber, Rika (eBook)

  • Verlag: R.G. Fischer Verlag
eBook (ePUB)
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Das Tanztheater Pina Bausch: Spiegel der Gesellschaft

Pina Bausch hat mit ihrem Tanztheater Wuppertal den Bühnentanz revolutioniert. Einst als Provokateurin heftig kritisiert, wird die Schöpferin des Genres Tanztheater auch über ihren Tod hinaus weltweit gefeiert. Wo liegen die Gründe für diesen beispiellosen Erfolg? Was macht die Bausch-Stücke so einzigartig, obwohl sie viele Fragen aufwerfen? Wie es Pina Bausch gelang, ein spannendes und mitreißendes Tanztheater zu machen, entschlüsselt Rika Schulze-Reuber in ihrem fundierten Buch. Sie zeichnet die Entwicklung des Bühnentanzes bis zu den heutigen Akteuren nach und setzt den Schwerpunkt auf das einzigartige Werk von Pina Bausch. Anhand zahlreicher ausgewählter Stücke weist sie dem Leser Wege zur Annäherung an das schwierige und eigenwillige Schaffen einer ungewöhnlichen Frau, die über alle kulturellen Grenzen hinweg die Menschen in ihren Bann zieht. Die Wuppertaler Autorin Rika Schulze-Reuber hat das Tanztheater Pina Bausch mehr als vier Jahrzehnte lang aus der Nähe beobachtet. Ihr Blick hinter die Kulissen zeichnet sich daher durch einen hohen Grad an Authentizität aus. Der Fotograf Jochen Viehoff ergänzt den lesenswerten Text durch eine Fülle ausdrucksstarker Fotos.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 248
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783830116899
    Verlag: R.G. Fischer Verlag
    Größe: 10481 kBytes
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Das Tanztheater Pina Bausch: Spiegel der Gesellschaft

2.3Die deutsche Ausdruckstanzbewegung

"Wenn ich mit Worten sagen könnte, was meine Tänze meinen, gäbe es keinen Grund, sie zu tanzen."
Mary Wigman 14

W as schon für den Modern Dance in den USA galt, setzt sich auf deutschem Boden fort; auch hier entwickelt sich auf allen Gebieten der Kunst, so auch auf dem Tanzsektor, eine Tanzrichtung als Gegenbewegung zu den Stilmitteln des klassischen Tanzes als Ausdruck der inneren Widersprüche der Zeit: die deutsche Ausdruckstanzbewegung. Es ist wohl die in Europa im Zusammenhang mit einer auf allen Gebieten der Kunst sich auswirkende Reaktionsbewegung gegen die Ausdrucksmittel der künstlerischen Tradition des 19. Jahrhunderts, dass sich eine choreographische Gegenreaktion zu den Stilmitteln des klassischen Tanzes als Ausdruck der inneren Widersprüche der Zeit - wie schon im "Modern Dance" - ebenso im "Ausdruckstanz" widerzuspiegeln beginnt (Stüber, 69).

Die zu Beginn des 20. Jahrhunderts sich abzeichnenden tiefen gesellschaftlichen und weltanschaulichen Widersprüche beanspruchen eine neue künstlerische Ausdrucksform. Stüber charakterisiert diese Zeit recht treffend: Die Konfrontierung mit der Macht materieller sachlicher Verhältnisse in der Gesellschaft und die Unterdrückung und Manipulation des Individuums vermittelten vielfach das Bild von einer undurchschaubaren Wirklichkeit, die ein Gefühl der Ohnmacht hinterlasse. In dem Maße, wie die Überzeugung von der totalen Entfremdung und die antagonistische Widersprüchlichkeit zwischen Gesellschaft und Individuum wüchsen, nehme auch die Bereitschaft zu, dem Dasein schlechthin jedweden Sinn abzusprechen (Stüber, 162). Dieser Absurdität will man auf der Bühne den Spiegel vorhalten. Nach Schlicher ist es das Bestreben der Ausdruckstänzer gewesen, dem Gefühl der Entfremdung im Zeitalter der Industrialisierung und Massengesellschaft ihre Vorstellung von Mensch und Gesellschaft entgegenzustellen (Schlicher, 100 f.). Das geschah in vielfältiger Weise und führte zu unterschiedlichen Bezeichnungen. Die in der Tanzliteratur hierfür angewandten Begriffe "moderner Tanz", "freier Tanz", "plastischer Tanz", "abstrakter Tanz", "absoluter Tanz", "German dance" und "grotesker Tanz" lassen sich letztendlich unter der Bezeichnung "Ausdruckstanz" zusammenfassen. Der Ausdruckstanz ist eine in Anlehnung an den deutschen Expressionismus in Malerei und Dichtung geschaffene Bezeichnung für den in Deutschland etwa zwischen 1910 und 1933 entstandenen ballettfeindlichen freien Tanz, der versucht, zum natürlichen Ausdruck zurückzufinden. Auch er zeichnet sich wie der "Modern Dance" durch seine deutliche Abgrenzung zur "Danse d'ecole", dem klassischen Bewegungskodex, aus. Zu den Pionieren des modernen Ausdruckstanzes ist der Schweizer Musikpädagoge Émile Jaques-Dalcroze (1865-1950) - Schüler von Bruckner und Delibes - zu zählen. Während der Jahre als Professor für Harmonielehre in Genf (ab 1892) begann er, sein System der sogenannten rhythmischen Bewegungslehre, die auch als rhythmische Gymnastik bezeichnet wird, zu entwickeln. 1911 gründete er die "Bildungsanstalt für Musik und Rhythmus" in Hellerau bei Dresden. Jaques-Dalcroze wollte den Tanz wieder seiner ursprünglichen Aufgabe zuführen, nämlich der Umsetzung rhythmischer Klänge in räumliche Erscheinungen mittels körperlicher Bewegung, und beeinflusste auf diese Weise vor allem den modernen Ausdruckstanz.

Der Ausdruckstanz wurde unter Zugrundelegung der rhythmischen Erziehung nach Jaques-Dalcroze zuerst von Rudolf von Laban (1879-1958), dem ungarischen Tänzer, Choreographen und Tanztheoretiker, entwickelt. Von Laban erfand eine umfassende Bewegungslehre als System gegen das klassische Ballett, das er als eine künstlerische Äußerung des geistigen und moralischen Zwanges jener Zeit ansah. Er wollte die moralischen Zwänge der bürgerlichen Gesellschaftsordnung zu sprengen versuchen. Breite Kreise des Bürgert

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