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Einführung in die moderne Theaterwissenschaft von Brincken, Jörg von (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 01.02.2012
  • Verlag: WBG Academic
eBook (ePUB)
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Einführung in die moderne Theaterwissenschaft

Die Theaterwissenschaft hat sich längst als eigenständiges Studienfach etabliert. Doch auch für Germanisten und andere Philologen sind Kenntnisse ihrer Inhalte und Konzepte unverzichtbar. Diese Einführung gibt einen Überblick über aktuelle Forschungsansätze und Theorien, sie informiert über die Geschichte des Fachs und stellt wichtige Arbeitsgebiete vor. Im historischen Teil werden die verschiedenen Ausprägungen, Stile, Funktionen und intermedialen Beziehungen des Theaters seit dem 18. Jahrhundert beschrieben. Ein Schwerpunkt liegt auf der Inszenierungsanalyse und ihren Methoden. Die verschiedenen Verfahrensweisen werden zunächst auf theoretischer Ebene diskutiert und dann an Beispielanalysen demonstriert. Berücksichtigung finden repräsentative Theaterarbeiten von Michael Thalheimer, Frank Castorf, George Tabori, Robert Wilson, Christoph Schlingensief, La Fura dels Baus und Luc Perceval. Der Leser lernt so auch die zeitgenössische Theaterlandschaft und ihre Erweiterungen im Bereich der Performance-Kunst kennen.

Dr. Jörg von Brincken und Dr. Andreas Englhart sind wissenschaftliche Angestellte am Institut für Theaterwissenschaft der Ludwig-Maximilians-Universität München.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: AdobeDRM
    Seitenzahl: 158
    Erscheinungsdatum: 01.02.2012
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783534703685
    Verlag: WBG Academic
    Größe: 2385 kBytes
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Einführung in die moderne Theaterwissenschaft

4. ,Werktreue' - eine obsolete Forderung?

Nicht-textbasierte Spielpraxis

Das Auseinanderdriften der ästhetischen Positionen Text und Theater markiert also den wesentlichen Paradigmenwechsel in der Theaterästhetik des 20. Jahrhunderts (vgl. Lehmann 1999, 73f.). Dabei darf jedoch nicht vergessen werden, dass eine theatrale Spielpraxis, die entweder ohne dramatische Vorlagen auskam oder aber den Text als jeweils auf die szenischen Bedingungen zugeschnittene funktionale Größe behandelte, über die gesamte Theatergeschichte hinweg das offizielle Literaturtheater begleitete und oftmals sogar vorherrschend war, etwa in Gestalt der komischen Tradition der Commedia dell'arte oder des Unterhaltungstheaters. Der Grund dafür, dass gerade diese Formen nur ungenügend als ernst zu nehmende Alternative reflektiert wurden, liegt zum einen im Umstand der Aliterarizität begründet. Die Commedia dell'arte etwa sowie die ihr verwandten Genres waren in Form geschriebener Texte nicht bzw. kaum überliefert. Oder aber geschriebene Vorlagen hatten keine über die jeweilige Bühnenrealisation hinausreichende Halbwertzeit, sondern waren Gebrauchstexte, die - und das keineswegs nur in Form von ,Zugeständnissen' - an den spezifischen Bedingungen der jeweiligen Theaterpraxis und den aktuellen Bedürfnissen eines Publikums orientiert waren. Dies zeigt auch, dass es der Gattung Theatertext selbst an einer kohärenten Gestalt und einer einheitlichen Geschichte mangelt (vgl. Graf 1992, 2).

Historizität des Werkbegriffs

Wenn nun in jüngerer Zeit - ausgehend von polemischen Diskussionen um die ästhetische und inhaltliche Adäquanz aktueller Opernregie (die sogenannte ,ZEIT-Debatte') - für das Theater generell die Forderung nach Werktreue erhoben wurde, so darf zum einen nicht übersehen werden, dass der Werk-Begriff, unter dem hier eine Rückverpflichtung von Bühne auf Text und Gehalt postuliert wird, eine exklusive, den Blick auf Theater als eigenständige Kunstform neuerlich verengende normative Perspektive verzeichnet. Ein sprechender Beleg dafür ist bereits die historische Verkürzungsstendenz: In der ZEIT-Debatte ist vom sogenannten Regietheater der 1960er und 1970er Jahre, für das die Deutung eines vorhandenen Werkes durch den Regisseur wichtiger als das Werk selbst war, als eigentlichem Stein des Anstoßes die Rede (vgl. Osthoff 1980; Dahlhaus 1984; vgl. Ely/Jaeger 1984; vgl. Mainusch 1985; Schläder 1992). Bei aller Berechtigung der Kritik an manchen aktuellen Regiekapriolen, sollte man diese doch an den Gesamtleistungen und -entwicklungen der Theaterkultur des langen 20. Jahrhunderts, die sich vom ausschließlichen Primat des geschriebenen Werkes grundlegend emanzipiert hat, bemessen. Dazu scheint jedoch neben dem ästhetischen Empfinden die historische Kompetenz zu fehlen. Ein Umstand, der zu argumentatorischen Widersprüchen führt. Denn einmal wird der Gesamthorizont, in den sich die aktuelle Diskussion einordnet, auf einen Zeitraum von ca. 40 Jahren verengt. Auf der anderen Seite wird mit dem Begriff der Werktreue ein weitaus älteres und lange veraltetes Etikett bemüht. Dieses war seiner Herkunft nach - und darauf kommt es an - selber einer Eingrenzung geschuldet, die Theater als gesellschaftliches Medium grundlegend anders bemessen hat, als es heute noch der Fall sein könnte. Denn das weite Theaterverständnis, das sich im Sinne einer dynamischen und keinesfalls reibungslosen Wechselwirkung von Literatur und Theaterpraxis seit der Renaissance immer wieder von Neuem aktualisierte, wurde erst im Zuge der programmatischen Literarisierung des Theaters im Dienste seiner Festlegung auf das gesellschaftlich und moralisch Nützliche im 18. Jahrhundert zurückgenommen (vgl. Fischer-Lichte 1985b). Im Zuge dieser im historischen Kontext plausiblen Ideologisierung, avancierte ein vom Dichter verfasster literarischer Text zur eigentlichen legitimierenden Voraussetzung der Ver

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