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Gespräch unter zwei Augen Dialog eines Lebens von Schneyder, Werner (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 16.11.2016
  • Verlag: Amalthea Signum Verlag GmbH
eBook (ePUB)
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Gespräch unter zwei Augen

Soll man einer Depression glauben? Was bleibt von einer Erziehung? Welche Irrwege wollte man einmal gehen? Oder waren es keine? Hat man Freunde? Und wie weiß man, ob es welche sind? Welche künstlerischen Meinungen waren existenzgefährdend? Welche politischen Meinungen sind nicht verhandelbar? Ist man Trinker oder Säufer? Diese und viele andere Fragen zu beantworten, versucht man am besten im Gespräch. Werner Schneyder führt es. Der Genauigkeit halber mit sich selbst. Ein ungewöhnliches, spannendes Lesevergnügen. Werner Schneyder wurde am 25. Januar 1937 in Graz geboren. Er wuchs in Klagenfurt auf, studierte in Wien Publizistik und Kunstgeschichte, promovierte und begann seine berufliche Laufbahn als Journalist und Werbetexter. Danach wechselte er als Dramaturg und Autor zum Theater und schrieb Fernsehdrehbücher. Ab 1974 hatte er als politisch-literarischer Kabarettist große Erfolge, zuerst im Duo mit Dieter Hildebrandt, seit 1982 mit Soloprogrammen und Chansons. Zu seinen vielen Berufen zählten auch der des Sportkommentators, Regisseurs und Schauspielers. Daneben schrieb er Lyrik, Erzählungen, zuletzt die "Die Socken des Kritikers" (2009) und "Partner, Paare, Paarungen" (2012). Zurzeit spielt er unter dem Titel "Das war's von mir" ein Best-of-Programm aus Kabarett und Chanson. Er lebt in Wien und Kärnten.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 272
    Erscheinungsdatum: 16.11.2016
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783903083400
    Verlag: Amalthea Signum Verlag GmbH
    Größe: 531 kBytes
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Gespräch unter zwei Augen

Gespräch über Depression

Ich habe eine Depression.

Weißt du, was das ist?

Nein. Aber ich habe eine.

Das äußert sich wie?

Es war alles scheiße, Talmi, Illusion.

Du wirst Mühe haben, das durchgehend zu beweisen.

Ich unterziehe mich der Mühe.

Bitte. Du hast eine abgeschlossene Schulbildung, in Österreich Matura genannt.

Das ist ja schon der erste Skandal. Wie kann einer ein Realgymnasium, also kein humanistisches, abschließen, der nicht weiß, nicht gewusst hat, warum am anderen Ende des Telefons eine Stimme herauskommt, was ein Generator ist, der nie begreifen wird, warum Motorräder in der Kurve nicht umfallen, der genau besehen nicht dividieren kann, jedenfalls nicht mehrstellig, oder einen Computer nicht anzutasten wagt, aus Angst, er könnte sich elektrisieren?

Das war eine Frage. Die Antwort lautet: Du hast geschwindelt, geblufft und auch Sympathie und Mitleid erregt. Das sind Qualitäten.

Ich finde es unlauter, sich so zu trösten.

Damit stellst du das gesamte Menschengeschlecht infrage. Aber das ist wahrscheinlich Kern jeder Depression. Du hast neben der Schule schon als Journalist gearbeitet.

Damals konnten die jeden brauchen, der einen ganzen Satz bilden konnte. Heute würde ich die Zeitung allenfalls austragen.

Die "Heute würde ich"-Sätze sind Unsinn, das weißt du. So groß kann keine Depression sein, dass man das vergessen kann. Und dann sage ich dir eines: Wenn du heute die Zeitung austragen würdest, dann weil du einen ganzen Satz bilden kannst.

Billiger Scherz. Um den warst du nie verlegen.

Du hast studiert, warst mit 22 Jahren Doktor der Philosophie.

Diese Tatsache hält doch keiner ernsthaften Analyse stand. Das Studium der Publizistik hieß damals noch Zeitungswissenschaft und war eine Farce. Ein Professor Sowieso hat vier Jahre lang die identische Vorlesung über "öffentliche Meinung" gehalten, was niemandem auffallen konnte, da der Mann das Institut nie betreten hat. Ich weiß nicht einmal, wie der ausgesehen hätte, wäre er je erschienen. Seine Vorlesung hat eine Frau Professor gehalten, und die hat über "öffentliche Meinung" kein Wort verloren, sondern nur über kindische Zeitungsgeschichte. Andere Fächer waren mit Gescheiterten aus der dritten Garnitur besetzt.

Das ist ein Grund für Amüsement, nicht für Depression.

Na und das "Doktorat". Da war ein Rigorosum zu bestehen. Die Frau Professor war der Meinung, ich hätte nicht die Qualifikation, mich dafür anzumelden, da sie wusste, ich könnte nicht genau sagen, welcher Mensch die erste in Wien erschienene Tageszeitung in welchem Jahr welchem seiner Söhne übergeben hätte. Jetzt wollte es der Zufall, dass der nie erschienene Institutsvorstand in Pension gegangen oder verschieden war und ein kommissarischer Professor, ein pensionierter Historiker, an seine Stelle trat. Nun konnte die Frau Professor mich nicht selbst prüfen und durchfallen lassen, sie musste vor der Türe bleiben, als ich zur Prüfung antrat.

Du warst annähernd vorbereitet.

Also ich hatte mich über den Umfang meines Nichtwissens informiert, habe mich also in der Lage gesehen, zu sagen, dass damals irgendetwas gedruckt wurde. Aber es geschah etwas Unerwartetes. Ein freundlicher alter Herr bat mich Platz zu nehmen und fragte, durchaus interessiert: "Was halten Sie von Theaterkritik?"

Da warst du ja firm.

Zunächst ein wenig geplättet, weil das war nun eine total unerwartete Frage. Aber meine Reaktionszeit war kurz. Ich begann dem Mann zu erzählen, was ich von der Theaterkritik fordere, wünsche, was ich an ihr nicht mag, ich hatte meinen Jacobsohn, meinen Jhering, meinen Polgar, meinen Weigel gelesen. Ich redete, bis er aufstand, zur Tür ging und der draußen wartenden Frau Professor sagte: "Ich wünsche mi

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