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Das große Schlachten. Der Schlachthof als literarischer Schauplatz und Resonanzraum tierethischer Reflexionen von Bauerkämper, Alexander (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 04.02.2016
  • Verlag: GRIN Verlag
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Das große Schlachten. Der Schlachthof als literarischer Schauplatz und Resonanzraum tierethischer Reflexionen

Masterarbeit aus dem Jahr 2015 im Fachbereich Literaturwissenschaft - Vergleichende Literaturwissenschaft, Note: 1,0, Freie Universität Berlin (Peter Szondi-Institut), Sprache: Deutsch, Abstract: Diese Arbeit zeigt, dass der Schlachthof vielfach als Schauplatz in der Literatur auftaucht, insbesondere als allegorische Versinnbildlichung einer Kritik an den sozialen und politischen Verhältnissen. Das Paradebeispiel hierfür ist 'Der Dschungel' (1906) von Upton Sinclair. Der Roman erzählt den Leidensweg von Jurgis Rudkus und seiner Familie, mit der er als litauischer Einwanderer und Arbeitssuchender in den berühmten Union Stockyards von Chicago landet. Sinclair schildert die katastrophalen Zustände unter denen die Menschen in den Yards hausen, im Akkord das Vieh abstechen und es auf den hochmodernen disassembly lines zerlegen müssen. 'Der Dschungel' gibt Einblicke in die Arbeitsweise der damaligen Schlachthöfe und die Grausamkeit ihrer monopolistischen, rein gewinnorientierten Verwertungslogik. Tausende Tiere werden dort stündlich geschlachtet, Krankheit und giftige Stoffe liegen in der Luft und die absolute Armut und Abhängigkeit der Arbeiter ist für uns heute kaum vorstellbar - der Schlachthof als Symbol unserer Zeit. Neben 'Der Dschungel' gibt es noch weitere Texte, welche im Schlachthof spielen oder Episoden im Schlachthof erzählen. Die in literaturwissenschaftlicher Hinsicht besonders spannenden Werke - insbesondere der außergewöhnliche Roman 'Blösch' (1983) von Beat Sterchi - sollen in dieser Arbeit untersucht werden, um Gemeinsamkeiten und Unterschiede vergleichend herauszuarbeiten. Was dabei entsteht ist eine Art 'Kanon der Schlachthofliteratur'. Der zweite Spannungspol dieser Arbeit, der das Thema punktuell spezifiziert, ist das Tier im Schlachthof. Dabei soll auf die Art der Darstellung, die Rolle und die ethische Position der Tiere innerhalb dieser 'Schlachthofliteratur' eingegangen werden. Was erzählen die Autoren über das Dasein der Tiere an diesem Ort, den wir niemals betreten werden, und der ihr Schicksal besiegelt - der ihr Schicksal ist?

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: AdobeDRM
    Seitenzahl: 119
    Erscheinungsdatum: 04.02.2016
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783668140554
    Verlag: GRIN Verlag
    Serie: Akademische Schriftenreihe Bd.V315166
    Größe: 461kBytes
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Das große Schlachten. Der Schlachthof als literarischer Schauplatz und Resonanzraum tierethischer Reflexionen

1.Einleitung

Denke ich an Deutschland in der Nacht, dann ist dort ein Schlachthof hinter meiner Stirn - und friedlich liegt er da zwischen grünen Hügeln und Wäldern, über denen die Sterne prangen, satt und zufrieden. Aber hinter den Mauern des Schlachthofs kreischen die Knochensägen durch die Wirbel der Wirbeltiere und das Blut zehn-tausender Körper fließt Stunde um Stunde die Abgüsse hinunter, sammelt sich in den Edelstahltanks, die unter unserer Kulturlandschaft begraben liegen. Denke ich an Deutschland in der Nacht, dann ist dort ein Schlachthof hinter meiner Stirn - denn jede Gesellschaft erzeugt ihre ganz spezifischen Symbole und eines der schaurigsten, beklemmendsten Bilder für das, was Deutschland und unsere moder-nen Industrienationen beschreibt, das ist der Schlachthof und seine Geschichte.

Moderne Schlachtfabriken sind ein wichtiger Bestandteil verschiedener glo-baler Märkte [1] . Sie erzeugen große Mengen eines konsumierbaren Produkts, indem sie 'Rohstoffe' umwandeln. Damit folgen sie den selben Prinzipien wie beispiels-weise die Automobil- oder die Unterhaltungsindustrie: Auf der einen Seite kommt etwas hinein und auf der anderen kommt es, in eine neue, konsumgerechte Form gebracht, wieder heraus. Dabei muss dieses Produkt, um nicht gegen die Gesetze des Marktes zu verstoßen, derjenigen Form entsprechen, welche den größt-möglichen Profit abwirft. Ein Unterschied aber besteht zwischen einem Schlachthof und jedem anderen Warenproduzenten: Im Schlachthof werden Lebewesen - empfindsame, leidensfähige, intelligente Lebewesen - getötet und zu Nahrungsmitteln oder Gebrauchsgegenständen verwertet.

Denken wir an die Bekleidungsindustrie, den Anbau von Kaffee, Bananen, Kakao oder den Abbau von Rohdiamanten, um nur die typischen Beispiele zu nen-nen, dann wissen wir, dass bei der Herstellung dieser Waren eine überwältigende Zahl von Menschen ausgebeutet wird und viel zu oft unter Arbeitsbedingungen schuften muss, die zu seelischen und körperlichen Schäden oder, durch Unfälle und Vergiftung, sogar zum Tod führen (vgl. Hein 2014). Natürlich kann es hier nicht darum gehen, das Leiden der Tiere mit dem dieser Menschen zu vergleichen. Wichtig ist aber, deutlich zu benennen, dass der Schlachthof der einzige wirtschaftliche Standort ist, der - gesetzlich und gesellschaftlich weitgehend legitimiert - massenhaft Lebewesen tötet, um Profit zu generieren. Hierin liegt die enorme Symbolkraft des Schlachthofs.

Das Leiden der Tiere steht dabei einerseits für sich selbst: "Die institutionalisierte strukturelle Gewalt gegenüber Tieren in unseren Schlachthöfen [...] ist integraler Bestandteil unserer Zivilisation" ( Linnemann 2006: 8). Andererseits ist es auch eng mit dem Leiden derjenigen Menschen verknüpft, die von den konsumstärkeren Gesellschaftsschichten ausgebeutet werden - im übertragenen Sinne oder, wenn es um die Arbeiter [2] vor Ort im Schlachthof geht, sogar ganz konkret (vgl. Kabisch 2013).

Wir Konsumenten sind in der Regel nicht selbst betroffen, also fühlen wir uns nicht genötigt, entgegen unseren Gewohnheiten zu handeln [3] . Manchmal freilich dringen Informationen an die Öffentlichkeit, die so empörend sind, Bilder, die so abscheulich sind, dass wir einen Hersteller vorrübergehend boykottieren. Ökonomische Prinzipien wie das Outsourcing ganzer Standorte in andere Länder oder die Übertragung einzelner Arbeitsschritte an Sub- und Subsubunternehmen sowie Zeit- und Leiharbeit machen es den Konsumenten aber fast unmöglich, einen umfassenden Einblick in Produktionsverhältnisse zu erhalten. So befinden sich die modernen Schlachthöfe auch nicht mehr in den Stadtzentren wie noch im frühen 20. Jahrhundert, als sie öffentlich zugänglich waren und manchmal sogar als attraktive Sonntagsausflugsziele galten [4]

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