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Der souveräne Mensch Die Anthropologie Heinrich von Kleists von Müller, Tim (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 16.06.2011
  • Verlag: Vandenhoeck & Ruprecht
eBook (PDF)
41,20 €
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Der souveräne Mensch

Der Mensch in seinen Grenzen und Möglichkeiten ist ein zentrales Thema in den Schriften Heinrich von Kleists. Es ist immer wieder die Spannung zwischen Individuum und Norm, die bei Kleist im Mittelpunkt steht. Dieses Buch verfolgt die These, dass die abendländische Konzeption von Souveränität ein möglicher Schlüssel für die dichterische Anthropologie Kleists ist. Kleist wendet die traditionelle Idee von Souveränität und entwickelt ein alternatives Menschenbild: Gerade über die eigenen Mängel, über seine Nicht-Souveränität erfährt der Mensch sich bei ihm als Eigenes jenseits der Norm. Die besondere Qualität des Menschen liegt für Kleist im Potenzial, aus den eigenen Neigungen, Trieben und Stimmungen schöpfen zu können. Dieser Individualismus verankert die Macht zur Veränderung wieder im Menschen. Mit einem Seitenblick auf zeitgenössische Souveränitätsmodelle wird dieser neue Zugang zu Kleists Werk an Fallbeispielen exemplarisch und in seiner Aktualität aufgezeigt.

Produktinformationen

    Format: PDF
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 240
    Erscheinungsdatum: 16.06.2011
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783862348763
    Verlag: Vandenhoeck & Ruprecht
    Serie: Zäsuren Bd.1
    Größe: 1410 kBytes
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Der souveräne Mensch

" 14 Die Krönung des Einzelnen – Souveränitätsbestätigung und Außenseitertum Kleists (S. 221-222)

Mit einem eingehenden Blick auf Fallbeispiele aus KleistsWerk hat sich ergeben, daß Kleist als literarischer Anthropologe den Menschen dort verortet, wo er nicht mehr funktionierender Teil seiner Gemeinschaft sein kann oder sein will. Gerade im illegitimen Handeln können seine Figuren erst das Potential entwickeln, sich selbst jenseits der Vorgaben und Existenzrahmen zu erkennen, aus denen sie hervorgehen, deren Geschöpfe sie sind.

Doch damit verlieren sie die Anerkennung ihrer Lebensumgebung; wie bei Käthchen erscheint ihr Handeln den anderen als "krank", als falsch; wie bei Penthesilea ist ihnen ab einem gewissen Punkt die Rückkehr in die Heimat, in ihre Welt, verwehrt. Abschließend soll mit einem kurzen Blick auf die Biographie Kleists gefragt werden, wie der Schöpfer eines Menschenbilds, das eine Harmonisierung zwischen Individuum und Gemeinschaft, zwischen dem Mensch und der Möglichkeit seiner kategorialen Erfassung überhaupt (die ja eine Voraussetzung des Miteinanders ist) nicht geben kann, wie der Autor eines radikal anderen Menschen sich selbst als Teil der Gemeinschaft verortet bzw. herbeisehnt.

Problematischer Bezugspunkt für Kleist ist neben seiner Familie das Preußen der Napoleonischen Kriege, das er als seine Heimat zu restituieren versucht. In seinen nationalistischen Aspirationen ist Kleist, zusammen mit einigen wenigen anderen Intellektuellen, in seiner Zeit Außenseiter. In der Dedikation seines letzten Dramas "Prinz Friedrich vonHomburg", das er Prinzessin Amalia von Preußen als Geschenk vermacht, bringt Kleist dieses Bewusstsein deutlich zum Ausdruck:

Gen Himmel schauend greift, im Volksgedränge, / Der Barde fromm in seine Saiten ein. / Jetzt trösten, jetzt verletzen seine Klänge, / Und solcher Antwort kann er sich nicht freun. / Doch eine denkt er in dem Kreis derMenge, / Der die Gefühle seiner Brust sich weihn: / Sie hält den Preis in Händen, der ihm falle, / Und krönt ihn die, so krönen sie ihn alle. (II/629)

Doch die von Kleist erhoffte "Krönung" setzt nicht ein, im Gegenteil – das Drama erfährt am Hof Prinz Wilhelms Ablehnung, Aufführung und Druck werden auf Veranlassung Amalias verhindert, ja die Handschrift droht in Vergessenheit zu geraten und wird erst 1814 durch Ludwig Tieck, den späteren Herausgeber der Werke Kleists, aus dem Besitz Wilhelms gelöst, wo es "gering geschätzt wurde"418. Kurze Zeit später, am 18. September 1811, erfährt Kleist eine weitere Demütigung, die Abweisung durch die Familie, die er in einem Brief an seine Vertraute Marie von Kleist eindringlich schildert."

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