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Einführung in die deutsche Literatur des Mittelalters von Schumacher, Meinolf (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 01.04.2012
  • Verlag: WBG Academic
eBook (ePUB)
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Einführung in die deutsche Literatur des Mittelalters

Diese Einführung versammelt in kompakter Form das aktuelle Basiswissen zur deutschen Literatur des Mittelalters von den Anfängen um 750 bis etwa 1500. Sie eröffnet damit einen raschen Zugang zur ersten Phase der deutschen Literaturgeschichte, deren Kenntnis für die Beschäftigung mit allen späteren Epochen grundlegend ist. Der Band macht zunächst mit der älteren europäisch-lateinischen Bildungstradition bekannt und stellt dann die alt- und mittelhochdeutschen Dichtungen mit ihren Entstehungsbedingungen und Rezeptionsformen vor. Analysen und Bildbeispiele aus den Handschriften geben Anreize zu weiterer Auseinandersetzung mit mittelalterlichen Texten. Die Einführung ist als Arbeitsbuch für Grundkurse in den neuen BA-Studiengängen geeignet, kann aber genauso jedem Interessierten als Wegweiser zu den großen Werken des deutschen Mittelalters dienen. Meinolf Schumacher, geb. 1954, ist Professor für Germanistische Mediävistik an der Universität Bielefeld.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: AdobeDRM
    Seitenzahl: 160
    Erscheinungsdatum: 01.04.2012
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783534706112
    Verlag: WBG Academic
    Größe: 612 kBytes
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Einführung in die deutsche Literatur des Mittelalters

I. Epochenbegriff

1. "Mittelalter" - ein problematischer Begriff

Ambivalenz des Mittelalters

Vom "Mittelalter" wird selten emotionslos gesprochen. Wo immer sich jemand über Dummheit und Aberglauben, über undemokratische Zustände oder gar über Menschenrechtsverletzungen entrüstet, da stellt dieses Wort wie von selbst sich ein. "Das ist ja finsterstes Mittelalter!" oder "Wir leben doch nicht mehr im Mittelalter!" - solche und ähnliche Ausrufe drücken einen kaum zu überbietenden Abscheu aus vor allem, was als schlimm angesehen wird und zugleich als etwas, das längst nicht mehr vorkommen sollte. Die Antike, obwohl erst recht schon lange vergangen und von der Gesellschaftsform her zumindest für Frauen und Sklaven wenig attraktiv, hat offenbar nie eine entsprechende Abwertungsfunktion ausüben müssen. Das Mittelalter hingegen scheint ein negativer Gegenentwurf zur Gegenwart zu sein. Zugleich aber übt das Mittelalter auch gegenwärtig eine große Faszination aus. In Kinofilmen, Rollen- und Computerspielen, auf Mittelaltermärkten und in historischen Romanen sowie in der erstaunlich erfolgreichen Gattung des Mittelalterkrimis wird eine Epoche medial inszeniert, die offenbar ein Lebensgefühl vermittelt, das die Moderne nicht (mehr) bieten kann. "Mittelalter" ist dabei "die Imagination einer Erinnerung an glückliche Zeiten von Einheit, Gemeinschaft und Ganzheit" (Otto Gerhard Oexle). Diese aktuelle Mittelalter-Begeisterung beschränkt sich freilich weitgehend auf den Freizeit- und Unterhaltungsbereich, der die Möglichkeit bietet, zeitlich begrenzt in erwünschte Identitäten zu schlüpfen, ohne die (möglicherweise negativen) Konsequenzen für das Alltagsleben daraus übernehmen zu müssen. "Mittelalter" benennt damit jedenfalls zugleich einen positiven Gegenentwurf zur Gegenwart. Trotz ihrer gegensätzlichen Tendenz ist beiden Haltungen gemein, dass sie mit der Wirklichkeit des Lebens im Mittelalter vermutlich wenig zu tun haben und dass sie keinen nüchtern-distanzierten Blick ermöglichen, der für die wissenschaftliche Beschäftigung mit einer Epoche und ihrer Literatur unerlässlich ist.

Sah man sich im Mittelalter im "Mittelalter"?

Die Menschen, die in dem Jahrtausend von ca. 500 bis 1500 nach Christus lebten, sind gewiss nicht verantwortlich für die Ambivalenz dieses Begriffs, da er in ihrem historischen Selbstverständnis keine Rolle spielte. Sie sahen sich nicht in einer Phase zwischen dem Altertum und einer später eintretenden Neuzeit. Wenn sie sich in einer Zwischenzeit begriffen haben, dann war diese durch das Erscheinen Christi bei seiner Geburt und seiner Wiederkehr am jüngsten Tag markiert. Dies entspricht einem verbreiteten dreistufigen Modell von Periodisierung der Heilsgeschichte, das die Zeit von der Erschaffung der Welt bis zum Empfang der Zehn Gebote durch Moses (ante legem), von Moses bis Christus (sub lege), sowie von Christus bis zum Jüngsten Gericht (sub gratia) unterscheidet: Die mittelalterlichen Menschen sahen sich in dieser letzten auf das Weltende zusteuernden Gnadenzeit, der aetas christiana, an die unsere Jahreszählung "nach Christi Geburt" noch heute erinnert. Ähnliches gilt für andere Weltaltermodelle, die sich etwa an den Lebensaltern des Einzelmenschen oder an den Schöpfungstagen orientierten (LexMA s.v. Weltende, Weltzeitalter). Nicht einmal mit dem Schema einer Aufeinanderfolge von Weltreichen grenzte man sich von der Antike ab. Im Anschluss an den Traum von König Nebukadnezar aus dem biblischen Buch Daniel war nach dem babylonischen, persischen und dem griechischen das vierte und letzte Weltreich das römische. Man sah sich demnach noch im römischen Reich, das über historische Konstruktionen wie die translatio imperii als fortbestehend gedacht wurde (LexMA s.v. Translatio imperii). "Die Herrscher der Karolinger-, Ottonen-, Salier- und Stauferzeit wurden in der Reihe der römischen Kaiser fortgezählt wie die Päpste seit Petrus" (Herber

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