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Heinrich Heine Biographie von Brod, Max (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 30.03.2015
  • Verlag: Wallstein Verlag
eBook (PDF)
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Heinrich Heine

Diese sorgfältige und elegant geschriebene Biographie handelt nicht nur von Heine, sondern auch von Brod und vom Schicksal der deutschen Juden; als Brod den Text 1934 veröffentlichte, waren die Nazis schon ein Jahr an der Macht, das Publikum in Deutschland nicht mehr erreichbar. Das Buch kam im Exil-Verlag Allert de Lange in Amsterdam heraus und erlebte bereits 1935 eine zweite verbesserte Auflage. Dann gingen die schrecklichsten Ereignisse darüber hinweg. In einem kurzen Vorwort zur neuen Auflage 1956, die dieser Ausgabe zugrunde liegt, macht Brod darauf aufmerksam: Er musste einiges ändern nach der Vernichtung des deutschen Judentums.

Max Brod (1884-1968) war vor und nach dem Ersten Weltkrieg einer der bekanntesten Vertreter der Prager deutschsprachigen Literatur, heute ist er vor allem als Herausgeber der Werke Franz Kafkas berühmt.

Produktinformationen

    Format: PDF
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 496
    Erscheinungsdatum: 30.03.2015
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783835327047
    Verlag: Wallstein Verlag
    Größe: 2443 kBytes
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Heinrich Heine

Vorwort

Jedes Buch bringt beim Leser ein Bild des Autors hervor. Jede Biographie enthält eine Autobiographie; ein unbeabsichtigtes, nebenbei entstandenes Selbstporträt. Als Leser einer Biographie bekommt man es folglich mit zwei Menschen und ihren Besonderheiten zu tun, und mit dem oft schwierigen, zwischen Identifizierung und Distanzierung schwankenden Verhältnis des einen zum anderen.

Kaum ein Dichter zählt so viele Biographen wie Heinrich Heine. Allein zwischen den Jahren 1931 und 1934 sind drei Heine-Biographien entstanden. Antonina Vallentin veröffentlichte die ihre 1931 in französischer Sprache bei Gallimard; Ludwig Marcuses Heine-Buch erschien 1932 bei Rowohlt. Max Brods Heine-Biographie konnte 1934 schon nicht mehr in Deutschland publiziert werden, sie wurde von einem holländischen Verlag gedruckt.

Es kann kein Zufall sein, dass alle drei dieser Anfang der 30er Jahre entstandenen Biographien von jüdischen Autoren stammen. Angesichts eines immer offener und hemmungsloser judenfeindlichen Deutschlands muss der wegen seines Judentums verspottete und geschmähte Heine für sie eine wichtige Identifikationsfigur gewesen sein. Zwar wird die aktuelle politische Lage in den Erstausgaben dieser Bücher nicht berührt; sie ist aber aus dem Blick, den die Autoren auf Heine richten, herauszulesen. Nach dem Krieg hat Max Brod seine Heine-Biographie überarbeitet. Unter anderem sind alle Hinweise auf das Anfang der 30er Jahre noch bestehende osteuropäische Judentum, auf jüdische Bibliotheken und Kulturgüter, auf furchtbare Weise hinfällig geworden. Im Grunde haben ihn jedoch die "Ereignisse", deren Ausmaße er nicht vorausahnen konnte, in seinem Zionismus, in der Ablehnung jeder Assimilation bestärkt. An den Prinzipien, auf denen sein Buch beruht, habe es, so schreibt er, nichts Wesentliches zu ändern gegeben.

Wer heute, mit dem Wissen um den Fortgang der Geschichte und - für den nicht-jüdischen deutschen Leser - mit der Bürde dieser Geschichte Max Brods Heine-Biographie liest, staunt über diese Kontinuität und über das Fehlen jeder Spur einer Empörung oder Wut. Er wundert sich über Brods Ruhe und Besonnenheit, über das Maßvolle seiner Beschreibung etwa der antisemitischen Atmosphäre in den Göttinger Studentenkreisen der 1820er Jahre, in der sich doch die späteren Judenverfolgungen schon ankündigten: "Im Bierkeller zu Göttingen mußte ich einst bewundern, mit welcher Gründlichkeit meine altdeutschen Freunde die Proskriptionslisten anfertigten für den Tag, wo sie zur Herrschaft gelangen würden. Wer nur im siebenten Grad von einem Franzosen, Juden oder Slawen abstammte, ward zum Exil verurteilt." (Heinrich Heine, "Die Romantik")

Brods gelassenes Zur-Kenntnis-Nehmen, fast schon Hinnehmen einer gegebenen politischen Situation ist es wohl, was sein Buch letztlich als ein der Nazi-Zeit vorausgehendes kennzeichnet. Doch diese scheinbare Gelassenheit hat noch eine andere Seite: das entschlossene Hinarbeiten auf eine außerhalb Deutschlands und Europas liegende Zukunft für das jüdische Volk. Um von einer solchen Zukunft zu träumen, war es für Heine noch zu früh; Theodor Herzl wird erst kurz nach seinem Tod geboren. Die Zukunft des jüdischen Volkes lag zu Heines Zeit noch innerhalb Europas, innerhalb seiner "Wirtsländer", wie Brod, der in den Juden allerorts bloß gelittene Gäste sieht, sie nennt. Die Frage: Sollen wir uns von dem "Wirt" auffressen lassen, sollen wir in ihm untertauchen und schließlich ganz verschwinden oder sollen wir uns zu unserer jüdischen Herkunft und Tradition bekennen? hat er für sich längst beantwortet, und er sieht in Heine einen, wenn nicht gar den einzigen jüdischen Schriftsteller und Dichter seiner Zeit, der sie in seinem Sinne beantwortet und sein Judentum nie verleugnet hat.

Während Ludwig Marcuses Sicht auf Heines Werk und Leben vornehmlich eine politische ist und bei der

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