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Jasper und sein Knecht von Bakker, Gerbrand (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 11.09.2016
  • Verlag: Suhrkamp
eBook (ePUB)
11,99 €
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Jasper und sein Knecht

Entschleunigend und weise, ohne zu belehren: Gerbrand Bakker schreibt über ein Jahr in der Eifel, über ein Jahr im Leben eines Mannes, der in Romanen wie Oben ist es still die Seelen der Menschen auslotet und sich nun einen Blick ins eigene innere Erleben erlaubt - mit packender Ehrlichkeit und unschlagbar trockenem Humor. Ein altes Haus in der Eifel, ein eigenwilliger Hund, Nachbarn mit Charakter: Das ist der Alltag des Romanautors Gerbrand Bakker. Unterbrochen wird er von Reisen und Preisverleihungen, einem Lunch bei der niederländischen Königin - und immer wieder der Frage, wie es sich lebt als Mensch, der nur mit einer komplexen Bedienungsanleitung zu verstehen ist. Warum einen das alles so in den Bann zieht, dass man nicht mehr aufhören möchte zu lesen? Weil Gerbrand Bakker seine Aufzeichnungen subtil verknüpft mit den Erinnerungen an früher, an Opa Bakker und den Bauernhof der Eltern, berufliche Wege und Irrwege. Und weil er ein Meister im Einfangen von Stimmungsnuancen ist. Gerbrand Bakker, 1962 in Wieringerwaard geboren, ist Autor und Gärtner, hin und wieder auch Eisschnelllauftrainer. Für seine Romane, die in bisher mehr als 20 Sprachen übersetzt wurden, hat er zahlreiche Preise erhalten. Bakker lebt in Amsterdam und der Eifel.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 446
    Erscheinungsdatum: 11.09.2016
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783518747889
    Verlag: Suhrkamp
    Originaltitel: Jasper en zijn knecht
    Größe: 5502 kBytes
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Jasper und sein Knecht

10. Februar [Schwarzbach]

Gestern Morgen hatte ich mich dick eingepackt, Jasper sein Geschirr angelegt und mir die Bergschuhe angezogen. Die Rollleine hatte ich in der Hand. Ich öffnete die Haustür, und Jasper lief ganz gemächlich fort. Erst da merkte ich, dass ich die Leine nicht an seinem Geschirr eingehakt hatte. Er blieb viereinhalb Stunden weg. Hin und wieder sah ich ihn, einmal holte ich ihn aus dem Garten von Frau Trappen, die Geburtstag hatte, was mir aber erst mittags einfiel. Ich trug ihn zum Haus und setzte ihn vor der Tür auf den Boden, weil ich dachte: Jetzt bleibt er, er muss doch Hunger haben. Wieder weg. Unterwegs verlor er irgendwo sein Geschirr, es wird wohl an einem Ast hängen geblieben sein. Sehr schade, ich hatte dieses Geschirr, das etwas zu weit war, meinem Geschmack und seinen Maßen entsprechend umgearbeitet und an schnell verschleißenden Stellen Stofflappen angenäht. Pauline Slot, eine Kollegin, die ebenfalls hier in der Gegend ein Haus besitzt, meinte, das Geschirr sei wunderschön " customized ". Schon das zweite, das verlorengeht, er ist ein teurer Hund. Obwohl: Jetzt trägt er das Geschirr von Paulines verstorbener Hündin Molly, über die sie ihr Buch De hond als medemens ("Der Hund als Mitmensch") geschrieben hat. Das hat mich nichts gekostet. Ja, Blut an den Fingern, weil auch dieses Geschirr " customized " werden musste und ich die Nadel kaum durch die Kunststoffriemen bekam. Jasper hat schwierige Maße, Geschirre sind ihm entweder zu klein oder zu groß, Molly hatte einen viel tieferen Brustkorb als er. Aber besser ein verlorenes Geschirr als ein Hund, der irgendwo im Wald, wo ich ihn nicht finden kann, an einem dicken Ast festhängt. Unsere Abendessenrunde dauerte genau drei Minuten, und um elf Uhr hatte er immer noch wenig Lust. Heute Morgen sind wir die Morgenrunde mit der Leine zwischen uns gegangen, und später überwand er die paar Meter zwischen Haustür und Anbau ohne Fluchtversuch. Komisches Tier. Jetzt träumt er. Er klopft mit dem Schwanz und schmatzt und seufzt tief.

Dick einzupacken braucht man sich nicht mehr, der Winter scheint vorbei zu sein, auch wenn man das hier in der Eifel nie wissen kann. Gestern und in der vergangenen Nacht ist fast aller Schnee weggeschmolzen, und heute haben wir bis zu fünf Grad. Wind: neun Stundenkilometer. Das ist nichts. Ich mag das sehr, wenig bis kein Wind, einer der größten Vorteile, wenn man hier lebt und nicht in Holland.

Um halb sechs habe ich kurz Frau Trappen gratuliert. Ich hatte kein Geschenk und brachte ihr nur ein Glas selbstgemachte Marmelade mit. Das Geburtstagskind war nicht sehr empfänglich für Glückwünsche, gar nicht eigentlich. "Ach, hört doch auf", sagte sie, "wenn man fünfundneunzig wird, was hat man denn dann noch zu feiern?" An der auch anwesenden Monika ließ sie ihren Ärger darüber aus, dass man sie am vergangenen Wochenende im Stich gelassen habe, dass niemand sich um sie kümmere, dass sie im Krankenhaus habe liegen müssen. "Nein", entgegnete Monika, "du warst im Pflegeheim, weil Sigrun krank war, sie konnte nicht kommen." "Ja", sagte ich, "ein schöner kurzer Urlaub zwischendurch!" "Pfui", sagte sie und stiefelte aus der Küche ("Immer dieser Schwindel!"), um im überheizten Wohnzimmer auf ihren riesigen Fernseher zu starren. Wahrscheinlich war es Zeit für die Lindenstraße . Sie ließ sich nicht mehr blicken.

Neben der Grundschule, an sie angebaut sogar, stand die Feuerwache. Wer sich das ausgedacht hat, hatte bestimmt keine Kinder. Eine sehr deutliche Erinnerung. Einer der Keysper-Jungen, nicht Piet, der ältere, der andere, dessen Vornamen ich vergessen habe, wurde eines Tages in der Pause beim Ausrücken der Feuerwehr angefahren. Der Schulhof bestand aus Gehwegplatten, die Feuerwachenausfahrt aus scharfem Kies, dazwischen kein Zaun, man konnte ei

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