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Die vielen Leben der Paula Fox von Conrad, Bernadette (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 11.04.2011
  • Verlag: Verlag C.H.Beck
eBook (ePUB)
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Die vielen Leben der Paula Fox

Alles begann mit einem eher erfolglosen Künstlerpaar, das sein Kind kurz nach der Geburt weggab: Für Paula Fox war 1923 ein Findelhaus in Manhattan die erste Station einer dramatischen Lebensreise, die sie in den folgenden zwanzig Jahren zu wechselnden Orten und Ersatzeltern einmal quer durch Amerika führen sollte. Viel später entstand aus dem verstörenden Abenteuer dieser Jahre ein schriftstellerisches Werk, dem niemand Geringerer zur Wiederentdeckung und zum internationalen Durchbruch verhalf als Jonathan Franzen. Bernadette Conrad, Autorin und Literaturkritikerin, die sich mit Paula Fox und ihrem Werk intensiv beschäftigt hat, geht mit Jonathan Franzen auf Cape Cod spazieren, sie trifft Paula Fox' Tochter in Oregon und sucht in New Orleans nach Schauplätzen des Romans "Der Gott der Alpträume". In San Francisco besucht sie das Krankenhaus, in dem Paula Fox zwanzigjährig ihr erstes Kind bekam - und zur Adoption freigab. Vor allem aber sitzt sie immer wieder mit Paula Fox am Tisch ihres Brooklyner Hauses und forscht einem Leben nach, das selbst wie ein Roman ist. Einmal quer durch Amerika und bis nach Europa hat sich die Autorin auf die Spur eines Lebens und Werks begeben, das auf unvergleichliche Weise nicht nur von einer persönlichen Geschichte Zeugnis ablegt, sondern vom Leben in Amerika im 20. Jahrhundert. Bernadette Conrad, 1963 geboren, studierte Literaturwissenschaft und Sozialpädagogik. Seit fünfzehn Jahren als Literaturkritikerin und freie Journalistin tätig, schreibt sie, vor allem aus dem englischsprachigen Raum, literarische Porträts und Reportagen für DIE ZEIT, Die Neue Zürcher Zeitung und Die Welt. Eine Sammlung dieser Reportagen ist 2006 unter dem Titel "Nomaden im Herzen" erschienen. Sie lebt mit ihrer Tochter in Konstanz.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 344
    Erscheinungsdatum: 11.04.2011
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783406612602
    Verlag: Verlag C.H.Beck
    Größe: 2100 kBytes
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Die vielen Leben der Paula Fox

Das ganze fließende Leben

Sie stand an der Spüle und füllte die zweite Vase mit Wasser. Ich fragte: "Wie geht es Ihnen?" Und sie sagte: "Well - there are more endings than beginnings now." Mehr Dinge, die zu Ende gehen als Dinge, die anfangen.

Ich hatte angerufen, ob ich zum Tee vorbeikommen könne. Wir kannten einander seit drei Jahren, schrieben uns ab und zu. Jetzt saß ich wieder in der Brooklyner Küche, die Katze Lucy sprang auf den Stuhl, Paula Fox hatte die Blumen in eine Vase gestellt, nur um ein paar Minuten später wieder aufzuspringen, eine doppelt so große Vase zu holen und die Blumen umzuräumen: "So, jetzt kriege ich besser Luft!" Ein breites Lachen: "Wie schön, dass Sie da sind!"

More endings than beginnings. Das wurde dann der Anfang dieses Buches. Wann, wenn nicht jetzt, dachte ich: anfangen mit Einsammeln. Momente einfangen. Sätze notieren. Von einem Menschen, in dessen literarisches Werk eine unerhörte Lebensgeschichte eingenäht ist. Das war 2008. Paula Fox war 85 Jahre alt.

Wo fängt eine Geschichte an? Welches Bild gehört zuerst erzählt? Wohin greift man, wenn man "Anfang" sagt?

Wirklich angefangen hatte meine Geschichte mit Paula Fox sieben Jahre vorher. "Wissen Sie, es gibt im Leben nicht viel zu tun, wenn man einmal durch die Oberfläche der Dinge gestürzt ist." (Pech für George, S. 59)

Dorthin ziehen Paula Fox' Geschichten: an Orte unter die Oberfläche der Dinge. Vielleicht passierte etwas Ähnliches mit mir, wie es mit Helen passierte, der jungen Heldin in Paula Fox' letztem Roman "Der Gott der Alpträume", als sie im Haus eines jungen Schriftstellerpaares zur Untermiete wohnte: "Die Geschichten, die ich in dem Haus in der St. Philip Street gehört hatte, hatten mich satt gemacht wie eine von Geralds Mahlzeiten, mit Zufriedenheit, mit einem Gefühl für die Verschiedenartigkeit von Menschen, mit dem Gefühl, mich selbst an einem sicheren Ort zu befinden. Aber es gab Geschichten, die einen zittern ließen vor Furcht, weil man ein Bewusstsein von der Zerbrechlichkeit des eigenen Lebens bekam - Geschichten, die einen aus dem Leben herausschnitten." (Der Gott der Alpträume, S. 165)

Helen, die kurz zuvor erstmalig ihre Mutter und ihr Zuhause im Norden verlassen hat, sieht sich in New Orleans eingeführt in Räume, innerhalb derer für sie erstmalig etwas wie "eigenes Leben" spürbar wird. Oder wie es das Wort "Initiation" sagt: Alles Mögliche passiert "zum ersten Mal".

"Während der Monate, die ich in New Orleans lebte, liebte ich mehr Menschen, als ich je zuvor in meinem Leben geliebt hatte. Ich ertrank in Gewässern von Liebe. Mein Herz schlug stark vor Freude, sie zu sehen. Nie wurde ich ihre Gesichter, ihre Stimmen leid." (GA, S. 152)

Helen wird die, die sie liebt, verlieren, auf die eine oder andere Weise. Durch Tod, Trennung, Verrat - Begriffe, die in dem Moment, als sie sich für sie erst zu bilden scheinen, doch schon älteres Erfahrungsmaterial mit sich führen; Tod, Trennung, Verrat und Liebe - , die sie schon erlebt hatte, bevor sie nach New Orleans gekommen war. Es passiert eben nicht alles zum ersten Mal - auch wenn Helen das gern hätte: dass ihr Leben überhaupt erst in New Orleans beginnt; dass der gerade entdeckte neue Ton radikalen Liebenkönnens der Grundton ihres Lebens sein und bleiben wird. "... du verlangst zu viel in dem Sinn, dass niemand sich irgendeiner Sache sicher sein kann. Es gibt Hoffnung, das ist alles." (GA, S. 190) Das sagt Nina, Helens Freundin

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