text.skipToContent text.skipToNavigation
background-image

Des Möglichen gewärtig Ein Essay zum Werk von Klaus Merz von Bundi, Markus (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 31.08.2015
  • Verlag: Haymon
eBook (ePUB)
9,99 €
inkl. gesetzl. MwSt.
Sofort per Download lieferbar

Online verfügbar

Des Möglichen gewärtig

WENN UNSICHTBARES SICHTBAR WIRD: AUF DEN POETISCHEN SPUREN VON KLAUS MERZ Seit seinen literarischen Anfängen ist der Schweizer Autor Klaus Merz ein Meister der Reduktion und sprachlichen Kunstfertigkeit: Mit zwei drei Worten vollbringe er ein literarisches Wunder, so Peter von Matt. Nicht umsonst wurde Klaus Merz mehrfach sowohl für sein lyrisches als auch für sein erzählerisches Werk ausgezeichnet, zuletzt mit dem Friedrich-Hölderlin-Preis und dem Basler Lyrikpreis. Markus Bundi, Herausgeber der Werkausgabe Klaus Merz, kennt das Merz'sche Schaffen wie kaum ein anderer. In seinem Essay 'Des Möglichen gewärtig' geht er der Poetik von Klaus Merz auf den Grund und versucht, Antworten auf jene Fragen zu finden, die der Autor in seinen Gedichten und Prosaminiaturen aufwirft: Warum sprechen einige Hydranten, andere wiederum nicht? Sind die Alpen tatsächlich nur aufwändige Tarnung für das Schweizer Waffenarsenal? Und inwiefern ist der Tango Anfang und Ende von allem? Ein profunder Begleiter zur Lektüre der Texte von Klaus Merz, der neue Perspektiven auf seine vielschichtige Poesie öffnet.

Markus Bundi, geboren 1969, lebt in Neuenhof/Schweiz und unterrichtet an der Alten Kantonsschule Aarau. Veröffentlicht Gedichte und Prosa, Theaterstücke und Essays. Zuletzt bei Haymon: 'Vom Verschwinden des Erzählers. Ein Essay zum Werk von Alois Hotschnig' (2015). Markus Bundi ist Herausgeber der Werkausgabe Klaus Merz.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 112
    Erscheinungsdatum: 31.08.2015
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783709936689
    Verlag: Haymon
    Größe: 2139 kBytes
Weiterlesen weniger lesen

Des Möglichen gewärtig

Vorbemerkung

Kann man zur Literatur desselben Autors einen zweiten Essay schreiben? - Diese Frage beschäftigte mich einige Zeit, ohne dass ich zu einer gültigen Antwort gekommen wäre. Nachdem ich vor zehn Jahren Die Schwerkraft im Gleichgewicht (2005), meinen Essay zum Werk von Klaus Merz, veröffentlicht hatte, dachte ich wohl, die "Sache" sei damit erledigt. Wenngleich ich damals selbstredend davon ausging, der Schriftsteller Merz würde seinem uvre noch den einen oder anderen Titel hinzufügen, so war ich mir doch sicher, der Essay bliebe davon unbeschadet. Dem ist auch so; auch die nach 2005 erschienenen Texte, darunter die Novelle Der Argentinier (2009) sowie die Gedichtbände Aus dem Staub (2010) und Unerwarteter Verlauf (2013), leisten der Schwerkraft Widerstand, lassen sich den Vertikalen und Horizontalen entlanglesen und fügen sich nahtlos ins Gesamtwerk von Klaus Merz ein.

Allerdings, und dies dürfte die Hauptursache für diesen zweiten Essay sein, meine Lesart hat sich in den letzten Jahren verändert. Fraglos ist eine Lektüre ohne besondere Aufmerksamkeit auf die Leitmotive nur schwerlich vorstellbar, doch richtet sich mein Augenmerk je länger, desto schärfer auf die Erzähltechnik eines Autors: Wie arrangiert ein Schriftsteller seinen Text? Welche Erzählperspektiven - Erzählstimmen - kommen zum Tragen? In welcher Weise greifen Komposition und Stilistik ineinander?

Ich glaube, das sind Fragen, die sich nur anhand literarischer Texte, die diesen Namen auch verdienen, überhaupt erst eröffnen.

Dass Literatur das zur Darstellung bringe, was möglich sei (oder: wie es sein könnte), gehört zu den gängigen Definitionen, wenn es darum geht, in knappen Worten zum Ausdruck zu bringen, was diese Sparte der Kunst vermag. Das "Mögliche" freilich lässt sich nicht klar begrenzen; es setzt sich aus dem Vorstellungs- und Erkenntnisvermögen des Menschen zusammen, wie es sich in jedem Einzelnen von uns entfaltet. Die Ränder sind, wie uns die Philosophie lehrt, unscharf. Wir fügen zwar leichthin das Unendliche als Symbol in mathematische Formeln ein, können damit auch rechnen , doch versuchen wir nur die Reihe der natürlichen Zahlen zu Ende zu denken, kommen wir zu keinem Schluss. Wir verwenden Begriffe wie "Leben" oder "Energie" selbstverständlich, verdecken damit die Rätsel dahinter aber mehr, als wir diesen auf den Grund zu gehen trachten.

Die Möglichkeitsräume, die Klaus Merz in seinen Gedichten und Prosatexten eröffnet, sind "Komposita" sowohl im Hinblick auf die Orte als auch auf die Zeiten. Zum Beispiel kann Empedokles im Paris der Gegenwart auftreten, oder das Ei des Kolumbus wird kurz nach dem Zweiten Weltkrieg auf einer Überfahrt nach Argentinien herbeizitiert. Verschiebungen von topografischen Gegebenheiten wie Verrückungen der Zeit fügen sich zu einer Komposition, die gleichwohl nicht der surrealen Literatur geschuldet ist. 1 Denn Merz' Figuren verlieren den Boden unter ihren Füßen nicht, vielmehr ist das Gegebene im Alltag - die Bedingungen und Sachzwänge des Realen - jener Widerstand, der zugleich das Fundament bildet, um des Möglichen gewärtig zu werden. In einer Prosaminiatur mit dem Titel Der Ruf der Wörter , die erstmals im Jahr 2000 in der Neuen Zürcher Zeitung abgedruckt wurde, gibt Merz über sein Schreiben (wenngleich in der dritten Person) selbst Auskunft:

Seine kurzen Prosastücke und Gedichte möchten, wenn alles gut gehe, schmale, schräg aufragende Sprungbretter sein für Seele und Kopf, lüpfige Fragmente:

Kurz federn und aus der Schwerkraft ausklinken für eine Weile. Oder einbrechen durch die Folie, la folie des Alltäglichen. In Rätselhaft versetzt werden. (WA 4, 514)

Sowohl das Ausklinken als auch das Einbrechen bedürfen einer Referenz; im ersten Fall nennt Merz die Schwerkraft, im zweiten die Folie. Der

Weiterlesen weniger lesen

Kundenbewertungen