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Einführung in die Novelle von Füllmann, Rolf (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 01.02.2012
  • Verlag: WBG Academic
eBook (ePUB)
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Einführung in die Novelle

Als Begründer der deutschsprachigen Novelle gilt bis heute Goethe. In einem Gespräch mit Eckermann formulierte er 1827 die ?unerhörte Begebenheit? als typisches Merkmal der Gattung. Die vorliegende Einführung entwirft ein Gesamtbild der deutschen Novellistik über drei Jahrhunderte hinweg. Sie klärt den Gattungsbegriff, gibt einen Überblick über die Geschichte der Novelle und ihrer Poetik und stellt die Klassiker der Novellentheorie vor. Wichtige Themen, Bauformen, Motive und Strukturen werden herausgearbeitet, aktuelle Forschungsansätze und Methoden der Interpretation erläutert. Mustergültige Analysen repräsentativer Novellen von Goethe, Kleist, Keller, Hauptmann, Thomas Mann und Günter Grass beschließen den Band.

Rolf Füllmann, Dr., geb. 1964, ist Lehrbeauftragter für Neuere deutsche Literaturwissenschaft an der Universität Köln. Er ist wissenschaftlicher Assistent am Zentrum für Moderneforschung der Universität zu Köln und hat langjährige internationale Lehrerfahrung im Universitäts- und Schulbereich.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: AdobeDRM
    Seitenzahl: 160
    Erscheinungsdatum: 01.02.2012
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783534710997
    Verlag: WBG Academic
    Größe: 988 kBytes
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Einführung in die Novelle

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II. Überblick über die Forschungsliteratur

Die Nachkriegsdiskussion

Vom ersten Weimarer Klassiker Christoph Martin Wieland (1733 - 1813) bis zu Robert Musils (1880 - 1942) Aufsatz über das Novelleterlchen sind in der deutschen Novellendiskussion die bedeutendsten Novellentheoretiker in erster Linie die Novellisten selbst. Vor allem seit 1945 hat sich eine eigenständige philologische Diskussion etabliert, in der zunächst zwei Parteien aufeinander trafen: Man könnte sie als Novellenmetaphysiker und Novellenagnostiker bezeichnen. Die einen gingen davon aus, dass es so etwas wie eine platonische Idee der Gattung gäbe. Für die anderen war die Novelle nur eine Erzählung mittlerer Länge. Erst der Strukturalismus, der vor allem in Frankreich beispielsweise mit Tzvetan Todorovs Grammaire du Décaméron (1969) einen neuen Zugang zur Novellenstruktur im Besonderen wie zur Erzähltheorie (Narratologie) im Allgemeinen fand, und die Postmoderne haben diese Diskussion modifizieren können. Zunächst konzentrierte sich jedoch die Forschungsgeschichte auf jene zwei Felder. Entweder man benannte historische Einzelerscheinungen der Novellengeschichte oder man suchte nach einem einheitlichen, gleichsam überzeitlichen Modell. Die erste Methode führte zu einer unübersichtlichen Fülle an literaturgeschichtlichem Material, die einen einheitlichen Gattungsbegriff unmöglich macht, der zweite Weg zu einem Novellen-Dogmatismus, der viele relevante Texte als von vornherein unpassend aussortiert (vgl. Aust 2006, 39). So kann es nicht verwundern, wenn der Grazer Germanist (und Kabarettist) Hellmuth Himmel 1963 folgende Voraussetzungen zur Gattungsentwicklung der Novelle in Deutschland umreißt:

"Die wichtigste Vorbedingung für das Entstehen der Gattung war aber wohl nicht so sehr das Heranreifen der künstlerischen Prosa und die publizistische Situation, sondern die Entwicklung der deutschen Philosophie, die in den von der Französischen Revolution aufgeregten Zeiten, als alte Autorität zweifelhaft und eine neue nur als Fremdherrschaft sichtbar wurde, den einzelnen auf das Gesetz in der eigenen Brust verwies und ihm die Last sittlicher Entscheidung auferlegte." (Himmel 1963, 28)

Die deutsche Novelle erscheint somit weniger als literaturgeschichtlich denn als philosophiegeschichtlich bedingte Gattung - eine Eigenschaft, die nicht einmal dem hohen Heldenepos zugeschrieben wird. Es ist mithin kein Zufall, dass einer der größten Novellen-Metaphysiker, Hermann Pongs, den Begriff der Schicksalsnovelle entwickelt:

"Während Wieland mit seiner ironisch spielenden Behandlung von Motiven aus spanischer, griechischer, moderner Quelle nur zeigt, wie die Boccaccionovelle als unverpflichtendes gesellschaftliches Unterhaltungsgebilde des Rokoko im tändelnden Spiel des Verstandes und der Phantasie stecken bleibt und entartet, bricht Kleist einer neuen Schicksalsnovelle Bahn. Selten zeigt die Entwicklung einer Gattungsform solchen plötzlichen Aufschwung zur Vollendung unter dem Einfluss des Genies. In Kleist tritt neben Boccaccio und Cervantes der erste ebenbürtige Deutsche, der die Form der Novelle innerlich ergreift und sie dem metaphysischen Bedürfnis der deutschen Seele öffnet." (Pongs 1969, 150)

Der nur scheinbar revolutionäre und provokante Ausweg aus dieser spekulativen und im Fall von Pongs auch ideologischen Überfrachtung einer Gattungsdiskussion scheint folgerichtig darin zu liegen, die Geschichte und die Definition der Novelle im Sinne eines spezifischen Gattungsmodells aufzugeben und stattdessen allgemeiner die Geschichte, aber auch die Formkriterien der Erzählung zu erforschen, wie es z. B. in Karl Konrad Polheims Handbuch der deutschen Erzählung (1981) geschieht (vgl. Aust 2006, 39). Hierbei wird ein wichtiges Faktum ve

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