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Community Interpreting bei deutschen Behörden. Welche Kompetenzen brauchen SprachmittlerInnen beim Jobcenter? Eine Bedarfsanalyse von Stoelzel, Eva (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 23.02.2017
  • Verlag: Studylab
eBook (ePUB)
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Community Interpreting bei deutschen Behörden. Welche Kompetenzen brauchen SprachmittlerInnen beim Jobcenter?

'Bitte bringen Sie eine Person mit, die Deutsch spricht und versteht.' Geflüchtete, die sich beim Jobcenter anmelden möchten und noch nicht ausreichend Deutsch sprechen, werden von der Behörde häufig mit diesem Zettel abgewiesen. Die Verantwortung, sich um die Sprachmittlung zu kümmern, wird von der Behörde auf die Flüchtlinge abgewälzt. Als Lösung müssen oft Ad hoc-Dolmetscherinnen her, die die Gastsprache oft nur wenig besser beherrschen als die Kunden selbst. Die Folge sind unter anderem Gespräche ohne Verdolmetschung, Missverständnisse und Unzufriedenheit auf beiden Seiten. Daneben sind auch die ehrenamtlichen Sprachmittlerinnen oft überfordert. Gerade im Bereich der Sprachmittlung für arabische Geflüchtete wird diese Problematik und die Notwendigkeit der Sprachmittlung besonders deutlich. Für viele gilt, dass sie in den häufigsten Fällen aus keinem sicheren Herkunftsland kommen und mit großer Wahrscheinlichkeit eine Aufenthaltsgenehmigung in Deutschland erhalten werden. Folglich wird über kurz oder lang ein großer Teil dieser Menschen in den deutschen Arbeitsmarkt integriert werden müssen. Bei dieser großen Verantwortung, die die Jobcenter dabei tragen, stellt sich die Frage, was die Dolmetschwissenschaft dazu beitragen kann, die Kommunikation zwischen arabischen Geflüchteten und Mitarbeiterinnen des Jobcenters zu verbessern und zu helfen, ihre individuellen und institutionellen Ziele zu realisieren. Aus dem Inhalt: -Community Interpreting; -Kommunikative Situation; -Sprachmittlerkompetenzen; -Gesprächsanalysen; -Sprachmittlung

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: AdobeDRM
    Seitenzahl: 88
    Erscheinungsdatum: 23.02.2017
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783668402331
    Verlag: Studylab
    Größe: 614 kBytes
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Community Interpreting bei deutschen Behörden. Welche Kompetenzen brauchen SprachmittlerInnen beim Jobcenter?

3 Community Interpretin g

3.1 Charakteristika

Bei der Beschreibung des Feldes Community Interpreting und der Herausarbeitung seiner Eigenarten, wird nicht selten auf den direkten Vergleich mit dem Konferenzdolmetschen, der wohl bekanntesten Form des Dolmetschens, zurückgegriffen. Für das Konferenzdolmetschen wird ein gehobener Grad an Professionalisierung erwartet sowie eine hohe Honorierung geboten, während das Community Interpreting durch Laiendolmetscherinnen und kostenlose Dienste gekennzeichnet ist. [32] Es fällt auf, dass alle Definitionen, die den Begriff des CI umschreiben, sich auf den großen Machtunterschied zwischen den zwei Gesprächsparteien konzentrieren. So schreibt Pöllabauer über die zwei Gesprächsparteien, zwischen denen gedolmetscht wird, diese seien häufig "Personen, die am unteren Ende der institutionellen und sozialen Machtpyramide stehen" [33] und ein geringes Ansehen haben; die andere Gesprächspartei seien Vertreterinnen von Behörden, Institutionen, Einrichtungen des Gastlandes. [34] Hier scheint das Hauptcharakteristikum für das Community Interpreting zu liegen und es von anderen Formen des Dolmetschens zu unterscheiden.

Community Interpreter dolmetschen häufig Sprachen, die von Minderheiten gesprochen werden, sowie Sprachen, die weniger angesehen sind als die Weltsprachen, welche beim Konferenzdolmetschen dominieren. Regionale Dialekte und Umgangssprache kommen beim CI mehr zur Anwendung als beim Konferenzdolmetschen und auch mit wechselnden Stilebenen und Sprachregistern wird man beim CI häufiger konfrontiert. Der Dolmetschmodus ist dabei meistens konsekutiv und bilateral, das heißt, die Texte sind direkt aufeinander bezogen und werden gegenseitig voneinander beeinflusst. Demzufolge handelt es sich oft um spontane, meist kurze Redebeiträge, in denen auch elliptische und abgebrochene Sätze vorkommen, Gedanken können dabei neu formuliert, nachgetragen oder zur Absicherung wiederholt werden. [35] Auch stehen Dolmetscherinnen bei bilateralen, konsekutiven Gesprächen nicht so unter Zeitdruck wie es beim Simultandolmetschen der Fall ist. Sie müssen nicht unbedingt Notizen anfertigen, da Rückfragen möglich und die Beiträge rhetorisch wenig anspruchsvoll sind. Bei solchen Gesprächen spielen nonverbale Informationen hingegen eine große Rolle, da sich die Gesprächspartnerinnen und die Dolmetscherinnen im sogenannten face-to-face Modus direkt anschauen und viele Informationen nonverbal ausdrücken. [36]

Letztendlich unterscheidet sich das Arbeitsangebot von Community Interpretern ebenfalls von dem des Konferenzdolmetschens, denn es ist extrem abhängig von politischen Veränderungen im Land und auf der Welt und wurde seit jeher von Flüchtlingsbewegungen, Einwanderungswellen und politischen Entscheidungen geprägt. [37]

3.2 Entwicklung von Community Interpreting in Deutschland

Deutschland, so Ashley Marc Slapp 2004, ist zu einem "Einwanderungsland wider Willen" [38] geworden. Durch Wanderbewegungen, Arbeitsmigration und Flucht sind in Europa im 20. Jahrhundert multiethnische und multikulturelle Gesellschaften entstanden. [39] Seit 1957 lässt die Bundesrepublik Deutschland die Zuwanderung von ausländischen Arbeitnehmerinnen zu, fördert sie sogar, und ist daher seit jener Zeit aus demographischen, ökonomischen und humanitären Gründen zu einem Einwanderungsland geworden. Doch wie der Begriff "Gastarbeiter" schon andeutet, so Slapp, sollten jene angeworbenen Arbeitskräfte nur vorübergehend bleiben, und daher sah sich die Regierung auch nicht gezwungen, sprachlich auf die Einwanderinnen zuzugehen. [40] Als Migrantinnen innerhalb der Gesellschaft begannen, anderen Migranti

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