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Macht und Scham in der Pflege von Bohn, Caroline (eBook)

  • Erschienen: 01.03.2015
  • Verlag: Ernst Reinhardt Verlag
eBook (PDF)
19,90 €
inkl. gesetzl. MwSt.
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Macht und Scham in der Pflege

Professionelle Pfl ege ist ein hochemotionales Arbeitsfeld. Kaum eine Berufsgruppe ist stärker gefordert, täglich mit Intimität und Verletzlichkeit feinfühlig umzugehen. Heimbewohner und Patienten werden oft unabsichtlich durch alltägliche Pflegemaßnahmen beschämt, aber auch durch gezielte Machtdemonstration. Pflegende können ebenso von verschiedenen Personen in ihrem Berufsalltag beschämt werden. Das Buch schildert anschaulich, wie Macht und Beschämung in der Pflege wirken. Es sensibilisiert für den Umgang mit Schamgrenzen und dem eigenen Machtpotential. Fragen zur Selbstreflexion regen dazu an, über das eigene Schamempfinden nachzudenken und das alltägliche Pflegehandeln zu überprüfen. Ein praxisorientierter Leitfaden für einen kompetenten Umgang mit Schamsituationen und eine wertschätzende Pflege.

Dr. Caroline Bohn, Witten, Erziehungswissenschaftlerin und Soziologin, ist als Ethikberaterin, systemische Coachin und Dozentin im Gesundheitswesen tätig.

Produktinformationen

    Größe: 1105kBytes
    Herausgeber: Ernst Reinhardt Verlag
    Untertitel: Beschämende Situationen erkennen und sensibel damit umgehen
    Sprache: Deutsch
    Seitenanzahl: 112
    Format: PDF
    Kopierschutz: AdobeDRM
    ISBN: 9783497601998
    Erschienen: 01.03.2015
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Macht und Scham in der Pflege

2 Beschämung von Heimbewohnern und Patienten

Ich möchte nun konkreter werden und von Beispielen aus dem Pflegealltag berichten, anhand derer deutlich wird, welche Handlungen zu einer Beschämung von Bewohnerinnen und Patienten führen.

Ein achtzigjähriger Bewohner liegt in seinem Bett. Zwei Pflegekräfte wollen ihn umdrehen, um zu vermeiden, dass er Druckgeschwüre entwickelt. Sie fassen kräftig zu, da der Mann über 100 Kilo wiegt. Der Mann wimmert und versucht etwas zu sagen, aber sie verstehen ihn nicht. Als er schreit halten die Pflegekräfte kurz inne und reagieren genervt. Obwohl der Bewohner Widerstand leistet, setzen sie sich durch, denn sie sind in Eile und in dem nächsten Zimmer warten bereits weitere Bewohner. Also drehen sie ihn mit einem heftigen Ruck um. Der Mann schreit erneut, doch die Pflegenden müssen schnell weiter.

Ein hochbetagter Mann, der an Demenz erkrankt ist, bekommt seinen Trainingsanzug angezogen, obwohl darauf schon einige Flecken sind. Es ist allerdings leichter, ihm den Trainingsanzug anzuziehen als die Oberbekleidung, weil in wenigen Stunden sowieso wieder die Einlage gewechselt werden muss.

Einige Stunden nach dem Mittagessen kommen zwei Pflegekräfte zu einem Bewohner. Sie öffnen die Tür ohne anzuklopfen und sind miteinander in ein Gespräch vertieft. Während sie reden, wird der Bewohner gewaschen. Dabei werfen die Pflegenden die Bettdecke zur Seite und reißen die Windelhose auf. Der Bewohner versucht reflexhaft, seine Blöße zu bedecken, doch die Kontrakturen seiner Arme lassen dies nur bedingt zu. Eine der Pflegerinnen hält die Arme zurück, die andere spreizt seine Beine, die er übereinander halten will und reinigt seine Genitalien. In dem Moment tritt eine Kollegin ein und beruft eine kurzfristige Dienstbesprechung ein. Der Mann wird schnell wieder zugedeckt, die Pflegekräfte verlassen das Zimmer und die Tür bleibt angelehnt.

Fünf hochbetagte Menschen werden in Rollstühlen zu Sitzgarnituren gebracht und dort mit Musik beschallt, die alte Menschen angeblich gerne hören. Es läuft Volks- und Heimatmusik. Die Tatsache, dass darunter ein Mann ist, der immer gerne klassische Musik gehört hat und eine Frau mit apallischem Syndrom, welche die Beatles mag, wird nicht bedacht.

Bei diesen Beispielen handelt es sich um Aufzeichnungen aus dem Jahr 2001 ( Fuchs / Mussmann 2001 ). In meinen Seminaren höre ich jedoch auch gegenwärtig zahlreiche Berichte von Pflegenden, die kaum von den oben genannten Beispielen abweichen. Dazu gehören folgende:

Ein Bewohner möchte ein Stück Schokolade, das für ihn vom Bett aus unerreichbar auf dem Tisch liegt. Die Schwester weigert sich ihm die Schokolade zu geben, weil bald Mittagszeit ist und er dann etwas "Richtiges" zu essen bekommt.

Zwei Pflegekräfte lachen über eine dementiell erkrankte Bewohnerin, weil sie die Worte so lustig verdreht und ausspricht.

Die Schwester raunt einer weinenden Bewohnerin zu, die stark eingekotet hat: "Das ist doch kein Grund zum Heulen."

Eine inkontinente Bewohnerin, die ihre nasse Wäsche im Schrank versteckt hat, wird von der Pflegkraft mit dem Satz konfrontiert: "Was soll denn das nasse Zeug hier im Schrank?"

Eine hochbetagte Patientin wird von der Schwester geduzt. Außerdem nennt sie die Patientin "Schätzchen".

Eine Ärztin spricht auf dem Flur mit einem Angehörigen über seine dementiell erkrankte Frau. Die Patientin steht dabei, ohne dass die Ärztin sie ein einziges Mal ansieht oder ein Wort an sie richtet.

Eine Schwester sagt zu einer Bewohnerin, die starken Stuhldrang hat, sie solle doch einfach in die Windelhose machen, da sie im Moment keine Zeit hätte. Sie würde dann später kommen und einfach die Einlage wechseln.

Die Liste an täglichen Beschämungen könnte ich mit weiteren Beispielen leicht fortse

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