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'Gesunde Lebensführung' - kritische Analyse eines populären Konzepts

  • Erscheinungsdatum: 01.01.2011
  • Verlag: Verlag Hans Huber
eBook (PDF)
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'Gesunde Lebensführung' - kritische Analyse eines populären Konzepts

Die Zusammenhänge zwischen gesunder Lebensführung – körperlicher Bewegung, gesundem Essen und Ähnlichem – und dem Auftreten von Übergewicht, Diabetes und Herz-Kreislauf- Erkrankungen erscheinen wissenschaftlich eindeutig. Dennoch folgt nur der kleinere Teil der Bevölkerung entsprechenden Ratschlägen, obwohl fast alle Menschen ein möglichst langes, beschwerdefreies Leben führen wollen.
In diesem Buch wird untersucht, worauf diese Diskrepanz zurückzuführen ist. Es sind nicht allein materielle Bedingungen oder bestimmte Persönlichkeitsmerkmale, welche eine gesunde Lebensführung einschränken. Vielmehr erweisen sich viele Ratschläge und Programme als zu disziplinierend oder lustfeindlich und blenden die Fragen nach Lebenssinn und persönlichen Lebenszielen aus. Dies zeigt die Notwendigkeit, künftige Interventionen besser aufeinander abzustimmen und dabei von einem umfassenderen Gesundheitsverständnis als bisher auszugehen.

Produktinformationen

    Format: PDF
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 313
    Erscheinungsdatum: 01.01.2011
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783456949963
    Verlag: Verlag Hans Huber
    Größe: 3159 kBytes
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'Gesunde Lebensführung' - kritische Analyse eines populären Konzepts

Diätetik und gesunde Lebensführung in der Antike
Florian Steger

Einleitung

Essen und Trinken, kurzum die Ernährung, stecken ein weites Feld kulturgeschichtlicher Forschung ab. Schon in der Antike wurde der Ernährung große Aufmerksamkeit entgegengebracht. Im Laufe der Jahrhunderte bildet sich ein antikes medizinisches Verständnis aus, das einen hohen Anspruch an Gesundheit stellt. Sportliche Wettkämpfe hatten große Bedeutung, und dementsprechend bestand ein starker Wunsch nach körperlicher Schönheit und Kraft. Bei der Verwirklichung dieses Anspruchs spielt die antike Diätetik eine wesentliche Rolle. Der griechische Begriff der diaitetike, der zunächst nur eine reine Ernährungslehre meint, erfährt im Laufe der Zeit eine Bedeutungserweiterung und bezeichnet schließlich ein umfassendes Konzept gesunder Lebensführung. Das antike Diätetikverständnis unterscheidet sich also substantiell vom heutigen Verständnis der Diätetik als angewandter Ernährungswissenschaft (vgl. dazu auch Steger 2004).

1. Ganzheitliche und individuelle Medizin.

Der antike Wunsch nach einem umfassenden Gesundheitsverständnis findet bis heute seine Entsprechung in den Gesundheitsbedürfnissen von Patienten und rückt in Zeiten einer modernen Apparatemedizin mehr und mehr ins Zentrum der Überlegungen. Patienten verlangen nach einer "sprechenden" Medizin, in der mehr Zeit für den Einzelnen aufgewandt wird. Auch wollen Patienten nicht nur, dass ein kuratives Angebot zur Verfügung steht. Vielmehr werden präventive, salutopädagogische sowie salutogenetische Angebote vermehrt nachgefragt. An diesem Bedürfnis setzen komplementärmedizinische Angebote - wie Anthroposophische Medizin, Homöopathie, Neuraltherapie, Phytotherapie, Traditionelle Chinesische Medizin (TCM) und viele andere mehr - an. Im Grunde stehen diese therapeutischen Ansätze damit ganz in antiker Tradition, in welcher Diätetik einen Lebensstil der grundsätzlichen Ausgeglichenheit meinte. Im Jahr 1947 definierte die World Health Organization (WHO) Gesundheit als einen Zustand vollständigen physischen, geistigen und sozialen Wohlbefindens. Damit wird Gesundheit nicht ex negativo durch die Abwesenheit von Krankheit oder Schwäche definiert, sondern positiv formuliert. Bemerkenswert ist, dass auch schon der antike medizinische Diskurs einer solch umfassenden und vielschichtigen Definition von Gesundheit nahe steht: richtet die primäre Referenz an eine Gesundheitslehre und nicht an eine Krankheitslehre, ihn prägen von Anfang an kosmologische und anthropologische Überlegungen. Vor diesem Hintergrund wird auch die Lehre des griechischen Arztes Galen im kaiserzeitlichen Imperium Romanum verständlich. Denn sie ist von eben dieser umfassenden Perspektive geprägt, deren logische therapeutische Konsequenz letztlich die Prävention ist. Diese ganzheitliche medizinische Theorie kann die Bedeutung der Ernährung in ihrem Wechsel-verhältnis zu Philosophie und Medizin illustrieren (v. Engelhardt 1993, Schipperges 1993). Ludwig Edelstein schreibt hierzu im Jahr 1931, ohne dabei den Unterschied zwischen Ernährung und Lebensweise zu definieren: "Erkennt man aber, daß der Kranke durch eine richtig geordnete Lebensweise gesund werden kann, so muß man schließen, daß der Gesunde durch eine falsche Lebensweise krank werden kann, weil ja offenbar die Lebensweise den Zustand des Körpers zu bestimmen vermag. Wer gesund bleiben will, muß also richtig zu leben wissen. Diese Erkenntnis gilt, nachdem sie einmal gewonnen war, für alle Jahrhunderte des Altertums unbestritten als richtig." (Edelstein 1931, S. 162).

2. Die Ursprünge der Diätetik

Die rational-wissenschaftliche, also die auf Naturbeobachtung und vernunftgemäßem Naturverständnis basierende Medizin der Antike unterscheidet drei mögliche Formen der Therapie: (1) Die Applikation von Pharmaka, (2) das Handanlegen durch einen chirurgischen Eingriff und (3) die Diätetik, deren Ziel die Erziehung des Menschen zu

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