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Bewältigung von Inkontinenz im Alter. Subjektives Belastungserleben, Krankheitsverarbeitung und subjektives Wohlbefinden bei alten Menschen mit Harn- und Analinkontinenz von Ahnis, Anne (eBook)

  • Verlag: Verlag Hans Huber
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Bewältigung von Inkontinenz im Alter.

Die vorliegende Studie hat das Ziel zu ermitteln, wie es inkontinenten alten Frauen und Männern auf psychischer Ebene möglich ist, krankheitsbedingte Belastungen erträglicher werden zu lassen und das subjektive Wohlbefinden zu erhalten. Es stellen sich in diesem Zusammenhang eine Reihe von Fragen: Wie sind die mit Harn- und Analinkontinenz im (hohen) Alter verbundenen Belastungen charakterisiert? Warum fühlen sich einige Personen trotz ihrer Erkrankung subjektiv wohler als andere? Zeigen sich Alters- und Geschlechtereffekte bei den Betroffenen hinsichtlich der Krankheitsverarbeitung? Die Beantwortung dieser Fragen mittels qualitativer und quantitativer Methoden führt zu konkreten Implikationen für die psychosoziale Versorgung von alten inkontinenten Menschen im medizinischen und pflegerischen Setting. Die Ergebnisse und Schlussfolgerungen aus der Untersuchung können dem Medizinalsystem Hilfestellungen für das Verständnis emotionaler Reaktionen und möglicher Probleme im Bereich der Compliance des Patienten geben. Außerdem können adaptive Verarbeitungsformen identifiziert werden, die in Zukunft belasteten alten inkontinenten Personen gezielt zu vermitteln sind.

Produktinformationen

    Format: PDF
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 244
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783456947099
    Verlag: Verlag Hans Huber
    Größe: 1343 kBytes
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Bewältigung von Inkontinenz im Alter.

5 Empirische Befunde zur Verarbeitung von Inkontinenz im Alter (S. 65-66)

Subjektives Belastungserleben
Inkontinent zu sein, stellt für die Betroffenen neben dem medizinischen, pflegerischen und sozioökonomischen Problem (Jünemann, 2002) eine große psycho-soziale Belastung dar. Die Erfüllung sozialer Rollen (z. B. intime Partnerschaft, Übersicht in Donovan et al., 2002) und Aktivitäten ist gefährdet. Um sicher zu stellen, dass immer eine Toilette in der Nähe ist, auf der prophylaktisch Wasser gelassen werden kann, Vorlagen auf Zustand/Geruch hin überprüft sowie die Intimpflege vorgenommen werden können, grenzen sich Betroffene in ihrem Umgebungsradius in erheblichem Maße ein (Ashworth &, Hagan, 1993).

Sie verzichten auf lange Wege, Einkäufe, Ausflüge oder Reisen. Einigen droht Vereinsamung und völlige Isolation (Grimby et al., 1993). Andere leiden an Durst und auch Hunger, weil sie die Aufnahme von Flüssigkeit und Nahrung reduzieren. Der Kauf von Inkontinenzhilfsmitteln kann einen finanziellen Einschnitt darstellen (McClish et al., 1999). Krankheitsbedingte Belastungen lassen sich quantifizieren, indem man Betroffene den erlebten Grad der Beeinträchtigung(en) durch ihre Erkrankung einschätzen lässt.

Harkins und Kollegen (2006) erhoben bei 131 harninkontinenten Frauen im Alter zwischen 55 und 90 Jahren (M = 66,6 Jahre, SD = 8,4) den Schweregrad der Inkontinenz (Frequenz der Inkontinenzepisoden, Menge des Urinverlustes [Pad- Test] und nächtliches Wasserlassen) sowie mittels visueller Analogskalen das subjektive Belastungserleben und das subjektive Wohlbefinden (Angst, Depression, Wut, Frustration) der Betroffenen. Es zeigte sich, dass alle drei Schweregradindizes mit der wahrgenommenen Beeinträchtigung durch die Inkontinenz assoziiert waren und dass die wahrgenommene Beeinträchtigung als Mediator zwischen dem Schweregrad und dem subjektiven Wohlbefinden fungierte.

Krankheitsverarbeitung
Bislang gibt es keine Untersuchungen, die Verarbeitungsformen und ihre funktionale Adaptivität bei inkontinenten Personen, die älter als 60 Jahre sind, systematisch betrachten. Wie harn- und analinkontinente Patienten, die im Durchschnitt jünger als 60 Jahre sind, stressreiche Situationen verarbeiten, wurde im deutschsprachigen Raum von Stockreiter und Egger (1996) und Stojsic und Kollegen (2002) untersucht. Stockreiter und Egger (1996) analysierten die Stressverarbeitungsstrategien von 49 harninkontinenten (M = 57 Jahre, keine Altersspanne angegeben) und 19 kontinenten Frauen (M = 55 Jahre, keine Altersspanne angegeben).

Von den inkontinenten Frauen litten 32 an einer Belastungsinkontinenz und 17 an einer Dranginkontinenz. Unter Verwendung eines Stressverarbeitungsbogens (Janke et al., 1985) zeigte sich, dass die inkontinenten Patientinnen auf Stresssituationen häufiger mit "Herunterspielen durch Vergleich", indem sie glauben, nicht so empfindlich zu sein wie andere, "Flucht und Selbstmitleid", was nach Janke und Kollegen als emotionale Betroffenheit und Rückzug verstanden werden kann, reagierten. Die Kontrollgruppe dagegen zeigte vermehrt Verarbeitungsstrategien der "Situationskontrolle und positiver Selbstinstruktion", das heißt, dass kontinente Personen im verstärktem Maße versuchten, in Stresssituationen ihr weiteres Verhalten zu überlegen, zu kontrollieren und nicht aufzugeben. Belastungsinkontinente reagierten im Gegensatz zu gesunden Personen eher passiv erduldend und leidend.

Dranginkontinente Frauen neigten im Vergleich mit belastungsinkontinenten Frauen eher dazu, emotionale Belastungssituationen zu "bagatellisieren" (Abschwächung der wahrgenommenen Bedrohung) und zu "vermeiden" bzw. nach "Selbstbestätigung zu suchen", was darauf deutet, dass Stresssituationen von den Dranginkontinenten nicht aktiv bewältigt, sondern umgangen werden, indem sie Anerkennung auf anderen Gebieten suchen.

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