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Die Wucht der Diagnose Aus dem Alltag der Patientenstelle von Ziltener, Erika (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 28.10.2015
  • Verlag: edition 8
eBook (ePUB)
13,99 €
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Die Wucht der Diagnose

Die 36 Jahre ihres Bestehens sind eine Erfolgsgeschichte. 1979, als in Zürich die erste Patientenstelle gegründet wurde, standen kranke Menschen den sogenannten 'Göttern in Weiss' ziemlich hilflos gegenüber. Heute ist hingegen unbestritten, dass Patientinnen und Patienten als Partner ernst zu nehmen sind. Trotzdem geht der Patientenstelle die Arbeit nicht aus. Einerseits sind neue Herausforderungen hinzugekommen, etwa die Spitalinfektionen. Immer häufiger werden Patientinnen gerade im Spital mit einem Krankheitserreger angesteckt. Andererseits sind 'klassische' Themen, mit denen sich die Patientenstelle schon vor über 30 Jahren befasst hat, nach wie vor aktuell. Etwa ungenügende Aufklärung über medizinische Behandlungen und deren Risiken. Weitere Kapitel befassen sich mit Genforschung, dem Humanforschungsgesetz, der Aufklärung der Patientinnen einschliesslich dem Recht auf Nichtwissen, der Durchsetzung von Schaden- ersatzansprüchen und der Qualität der Gesundheitsversorgung. Ebenso behandelt werden Themen wie die Frage 'Kunde oder Patient', Patientinnen in den Mühlen der Forschung, das Impfobligatorium, die Antibiotikaresistenz, die Betreuung im Pflege- fall, die Tätigkeit der KESB, Organtransplantationen und die Entwicklung der Patientenrechte auf politischer Ebene. Die AutorInnen erläutern diese Themen anschaulich anhand zahlreicher Fallbeispiele. Sie richten sich damit an Patientinnen und Patienten wie auch an deren Angehörige, aber auch an Fachleute des Gesundheitswesens und politisch Tätige. Erika Ziltener, Historikerin (lic. phil.) und dipl. Pflegefachfrau, leitet seit 2001 die Patientenstelle Zürich und ist seit 2001 Präsidentin des Dachverbands Schweizerischer Patientenstellen. Sie gehörte von 1998 bis 2015 dem Zürcher Kantonsrat an und unterrichtet an verschiedenen Gesundheits- und Krankenpflegeschulen. Ruedi Spöndlin, Journalist und Jurist (lic. iur.), war von 1985 bis 2011 Redaktor der Zeitschrift 'Soziale Medizin'. Daneben Unterrichtstätigkeit im Gesundheitswesen, Mitarbeit in Gremien und gesundheitspolitische Publikationen.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 176
    Erscheinungsdatum: 28.10.2015
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783859902640
    Verlag: edition 8
    Größe: 533kBytes
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Die Wucht der Diagnose

Mit einer rechtsgültigen Aufklärung zum mündigen Entscheid

Fragwürdige Polypenabtragung

Der 80jährige Herr K. wird wegen einer Verschlechterung seines Allgemeinzustandes ins Spital eingewiesen. Davor ist es ihm seit Wochen gesundheitlich immer schlechter gegangen. Er hat unter Appetitlosigkeit, unter wiederkehrender Magen-Darm-Grippe und Gewichtsabnahme gelitten. Im Spital muss er verschiedene Untersuchungen über sich ergehen lassen und erleidet dabei schwere Komplikationen, unter anderem eine starke Blutung. Eigentlich hätte Herr K. nach kurzer Spitalbehandlung wieder nach Hause entlassen werden sollen. Doch weit gefehlt, er muss wochenlang im Spital bleiben. Denn nebst einer Medikamentenüberdosierung entwickelt er eine Depression, den sogenannten 'Spitalkoller'. Schliesslich wird er nach langer Zeit in reduziertem Gesundheitszustand nach Hause entlassen.

Herr K. lebt allein. Ein guter Bekannter, der sich um ihn sorgt, kann sich weder die Komplikationen noch die Länge des Heilungsprozesses erklären. Er hat deshalb die Patientenstelle beauftragt, der Sache auf den Grund zu gehen.

Sachverhalt

Herr K. wurde im Spital zur Abklärung der Ursache als einer der ersten Massnahmen einer Darmspiegelung mit Polypenabtragung unterzogen. In der Folge erlitt er eine starke Blutung und musste aufgrund von Pflege- und Behandlungsmängeln schliesslich monatelang ihm Spital bleiben.

Kommentar der Patientenstelle

Die Polypenabtragung bei Herrn K. erfolgte insbesondere zur Abklärung einer möglichen Krebserkrankung. Für diesen Eingriff muss der Patient mit einer sogenannten Eingriffsaufklärung aufgeklärt werden. Herr K. hätte folglich über die Diagnose, die Therapie mit Alternativbehandlung, die Risiken des Eingriffs, den Verlauf der Krankheit und die Prognose der Behandlung vollumfänglich aufgeklärt werden müssen, was jedoch nicht erfolgte. Erst mit seiner Einwilligung wäre der Eingriff rechtmässig gewesen. Wir machten deshalb eine Aufklärungspflichtverletzung geltend und forderten von der Haftpflichtversicherung des Spitals Schadenersatz und Genugtuung.

Verletzung der Aufklärungspflicht

Eine medizinische Heilbehandlung ist sowohl nach zivilrechtlichen als auch strafrechtlichen Gesichtspunkten zu beurteilen. Sie gilt so lange als Körperverletzung, als hierfür kein Rechtfertigungsgrund vorliegt. Dieser ergibt sich in der Regel durch die Einwilligung des über den Eingriff informierten Patienten, durch einen Notstand bzw. durch die mutmassliche Einwilligung des Patienten oder allenfalls durch eine Amtspflicht, beispielsweise wenn die Behandlung eines Kindes zu dessen Wohl gegen den Willen der Eltern angeordnet wird.

Liegt keine (in Ausnahmefällen auch keine mutmassliche) Einwilligung vor, so erfüllt eine medizinische Behandlung den Straftatbestand der Körperverletzung. Dies trifft selbst dann zu, wenn der Arzt nach den geltenden Regeln der medizinischen Wissenschaft handelte. Aber auch gemäss Zivilrecht kann ein Arzt bei fehlender Patientenaufklärung für die unerwünschten Folgen einer medizinischen Behandlung haftbar gemacht werden. Weil der Eingriff ohne Einwilligung des Patienten erfolgte, ist er rechtswidrig. Der Arzt ist somit selbst dann für jeden Schaden verantwortlich, wenn ihm keine Sorgfaltspflichtverletzung vorgeworfen werden kann, sondern wenn 'nur' nicht vermeidbare therapieimmanente Komplikationen oder Nebenwirkungen eingetreten sind.

Im Zivilrecht liegt die Beweislast für einen Fehler und den dadurch verursachten Gesundheitsschaden beim Patienten. Weil ein Laie diesen Beweis gegenüber Fachpersonen nur sehr schwer erbringen kann, wird aus prozesstaktischen Überlegungen oft die unzureichende Eingriffsaufklärung geltend gemacht. Diese ist vom Patienten einfacher nachzuweisen als die Tatsache, dass die kritisierte medizinische Massnahme nicht nach verbindlich geltenden Regeln der medizinischen Wissenschaft durchgeführt wu

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