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Ethik im Gesundheitssystem Steuerungsmechanismus für die Medizin der Zukunft

  • Erscheinungsdatum: 29.05.2013
  • Verlag: Kohlhammer Verlag
eBook (PDF)
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Ethik im Gesundheitssystem

Der Alltag der Medizin sowie gesundheitspolitische Lösungsstrategien legen nahe, dass unser Gesundheitssystem maßgeblich vom biomedizinisch-technischen Fortschritt und der Finanzierbarkeit geprägt ist. In diesem Band kommen Mediziner, Juristen und Gesundheitswissenschaftler zu Wort, die der Überzeugung sind, dass die entscheidenden Fragen zur Zukunft unseres Gesundheitssystems ethischer Natur sind. Sei es auf der Systemebene der Gesundheitspolitik, der Ebene der Versorgung, sei es in Interaktionszusammenhängen oder seien es rechtliche Gratwanderungen beim Umgang mit Fehlern oder der Patientenverfügung & es geht um die Fragen: Was kann, darf, soll die Medizin, welche Menschenbilder und Visionen des Zusammenlebens liegen ihr zugrunde? Wie viel Zeit bleibt, darüber nachzudenken, Optionen zu entwerfen? & Neben führenden Fachvertretern kommen Patienten und Angehörige zu Wort. Ihre Erfahrungen fließen ein in ein mosaikartiges Gesamtbild, das uns hilft, die Medizin der Zukunft im Sinne einer Kontextsteuerung mitzugestalten.

Prof. Dr. phil. Dr. rer. medic. Silvia Hedenigg, Studiengangsleiterin ''Sozial- und Gesundheitsmanagement'' (M.A.) an der Theologischen Hochschule Friedensau. Prof. (em.) Dr. med. Dr. h.c. Günter Henze, bis 2011 Direktor der Klinik für Pädiatrische Onkologie und Hämatologie an der Charité.

Produktinformationen

    Format: PDF
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 180
    Erscheinungsdatum: 29.05.2013
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783170240131
    Verlag: Kohlhammer Verlag
    Größe: 1519 kBytes
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Ethik im Gesundheitssystem

Vorwort

Dieser Band hat eine Geschichte. Seit mehreren Jahren beobachten wir die Entwicklung im Gesundheitssystem mit Besorgnis, steigendem Unmut - und zunehmendem Gefühl der Ohnmacht. Mit diesem Eindruck sind wir nicht allein, wie wir in vielfältigen beruflichen und privaten Gesprächen festgestellt haben. Im Jahre 2009 wollten wir unseren Wahrnehmungen konzentrierter, systematischer und mit mehr Ruhe nachgehen. Unter dem Titel "In Sorge um das Gesundheitssystem" haben wir in einer interdisziplinären Fachtagung in Kooperation mit dem Krankenhaus Waldfriede an der Theologischen Hochschule Friedensau Aspekte der Ökonomisierung, der zunehmenden Technologisierung der Medizin und denkbarer Implikationen im gesellschaftlichen Wandel der soziodemographischen Veränderungen diskutiert. Neben einer für alle Beteiligten überraschend dichten, persönlichen und unprätentiösen Atmosphäre eines anregenden, fachübergreifenden Austauschs kamen wir bei nahezu allen Vorträgen an den Punkt, zu sagen: "Das ist eigentlich eine ethische Fragstellung", "das müsste man noch einmal unter ethischen Gesichtspunkten diskutieren", und es kristallisierte sich bei den Referenten und Teilnehmern der Wunsch heraus, eine Ethiktagung zu veranstalten. Zusammen mit denselben Referenten der ersten Runde - bis auf eine - konnten wir dann auch in der gleichen Besetzung das Thema Ethik in der Medizin vertiefen. Bereichert wurde die Tagung insbesondere durch Klaus Dörner als neuen Referenten dieser 2. Friedensauer Fachtagung am Masterstudiengang "Sozial- und Gesundheitsmanagement".

"Wie viel Ethik gestattet sich die Medizin?" - der Titel war provokant, und das sollte er auch sein. Er spiegelt unser Empfinden einem Gesundheitssystem gegenüber wider, das fast ausschließlich von einem Mechanismus "gesteuert" erscheint, den wir als systemfremd betrachten, nämlich dem der Finanzierbarkeit. Was auch immer das Regulativ der Finanzierbarkeit steuert, Ethik in der Medizin wird damit zumindest in wesentlichen Teilaspekten konterkariert. Exemplarisch seien nachfolgend einige der Auswirkungen dieser Entwicklung dargestellt:

Eine der grundlegenden Voraussetzungen für eine patientenorientierte Medizin, die es erlaubt, sich um den Patienten angemessen zu kümmern und ihm zuzuwenden, ist das ausreichende Vorhandensein von Zeit. Der gegenwärtige Trend ist aber gerade die Verdichtung von Arbeit durch Personalkürzungen - eine Maßnahme, die stets mit Mangel an Ressourcen begründet wird. Gleichzeitig erfolgt zunehmend eine Belastung des Personals mit Aufgaben, für die es weder gedacht noch ausgebildet ist: Die Zunahme von Bürokratie, ganz besonders der Dokumentation, hat sowohl für das Pflegepersonal als auch für Ärzte 1 ausufernde Dimensionen angenommen.

Gegenwärtig könnte man den Eindruck gewinnen, dass der Mangel an Zeit durch Aktionismus kompensiert werden soll. Dieser drückt sich neben einer zunehmenden juristischen Absicherung anhand einer Flut von Einwilligungserklärungen und überbordende Dokumentation aus oder aber darin, in großer Zahl z. T. unnötige apparative oder Laboruntersuchungen zu veranlassen. Vertrauensbildend ist dieses Vorgehen nicht, insbesondere dann, wenn der Patient das Empfinden hat, dass solche Maßnahmen unter Zeitdruck und -not erfolgen.

Von Aktionismus geprägt sind zunehmend aber auch Verhaltensweisen bei Patienten, die sich in besonders kritischen Situationen befinden. Häufig werden in nach menschlichem Ermessen aussichtslosen Situationen noch aufwendige und teure Verfahren angewendet, die erwartungsgemäß den Tod des Patienten nicht verhindern, sein Leiden aber möglicherweise verlängern. Patientenverfügungen sollen hier Klarheit schaffen. Aber sind sie tatsächlich immer wirksam und führen zum beabsichtigten Ergebnis?

Aktuell findet eine Diskussion über die auffällige Zunahme von - i

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