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Gewaltfreie Pflege Praxishandbuch zum Umgang mit aggressiven und potenziell gewalttätigen Patienten von Nau, Johannes (eBook)

  • Verlag: Hogrefe Verlag Bern (ehemals Hans Huber)
eBook (ePUB)
19,99 €
inkl. gesetzl. MwSt.
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Gewaltfreie Pflege

Pflege-, Sozial- und Gesundheitsberufe sehen sich zunehmend an vielen Stellen des Gesundheitswesens mit aggressiven und potenziell gewalttätigen Patienten konfrontiert. Sie müssen daher nach Möglichkeiten suchen, um Aggressionen vorzubeugen, aggressive Ausbrüche zu verhindern und im Fall von Gewalttätigkeit Schaden von sich und anderen abwenden. Dazu liefert das Praxishandbuch wissenschaftlich fundierte Grundlagen sowie kurz gefasste und leicht lesbare Assessments, Tools und Techniken. Aus dem InhaltEinführungBegriffserklärungenOrte der Gewalterfahrung und ihre HäufigkeitGewalterlebnisse von PflegendenGewalterlebnisse von Angehörigen und PflegebedürftigenTheorien und Modelle der AggressionsentstehungEskalationsprävention und DeeskalationsstrategienHilfen für BetroffeneZusammenfassung

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 100
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783456758664
    Verlag: Hogrefe Verlag Bern (ehemals Hans Huber)
    Größe: 1529 kBytes
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Gewaltfreie Pflege

4
Gewalterlebnisse von Pflegenden

4.1
Arten von Aggressionsereignissen

Bisher ist nur angeklungen, welcher Art die Aggressionsereignisse sind. Hier soll nun ein Ordnungsschema angeboten werden.

Aggressionsereignisse lassen sich anhand ihrer Wirkung und der direkten oder indirekten Ausübung in psychische oder physische Ereignisse kategorisieren ( Tab. 4-1 ).

Die linke Spalte zeigt die physischen Übergriffe. An diese wird häufig zuerst gedacht, wenn man auf das Thema "Aggression und Gewalt" zu sprechen kommt: im Besonderen also Schlagen, Zwicken, Beißen, Stoßen. Dass Missachtung persönlicher Zonen auch dazu gehört, wird häufig erst beim zweiten Blick erkannt. Zum Beispiel mag es jemanden geben, der einen ständig am Oberarm anfasst, obgleich klargestellt ist, dass man diese Berührung nicht möchte. Sowie er diesen Wunsch nicht respektiert, agiert er übergriffig. Es spielt keine Rolle, dass diese Körperregion keiner Intimzone zugerechnet wird.

Die mittlere Spalte macht auf die psychischen Übergriffe aufmerksam. Das Beispiel "Dauerndes Schreien oder Rufen" macht darauf aufmerksam, dass es nicht nur darauf ankommt, wie etwas gemeint ist, sondern auch darauf, wie es erlebt wird (s.a. Kap. 2). So kann ein ständiges Hallo-Rufen eventuell vom Sender in keiner Weise als aggressive Handlung gemeint sein. Vielleicht könnte es für den Rufer die letzte noch existierende Verbindung in die Welt der Nichtdementen sein, dennoch können Pflegende in ein Erleben kommen, bei dem sie merken, dass die Nerven zu vibrieren beginnen und sie das Verhalten als aggressiv bezeichnen würden.

Besonders erwähnenswert ist die leise Aggression, da sie leicht übersehen werden kann. Beispiele werden in der rechten Spalte von Tabelle 4-1 angeführt. Sie wird von vielen Menschen als besonders schlimm erlebt, da sie das Selbstwertgefühl empfindlich nach unten ziehen. Eine giftige Wirkung entsteht, wenn zum Beispiel nicht mehr mit einem gesprochen wird, man wie Luft behandelt wird oder laufend signalisiert bekommt, dass man alles falsch macht, zu nichts taugt und wertlos ist. Das letzte Beispiel ist eher bei überforderten Angehörigen anzutreffen, die ohne hinreichende Anleitung in die Begleitung einer pflegebedürftigen Person geraten sind. Vielleicht mag ein Grund sein, dass immer noch die Maßstäbe einer gesunden Person angelegt werden. Dann sind gegen einen Menschen mit Parkinson-Krankheit Sätze zu hören, wie zum Beispiel: "Vater, schämst Du Dich nicht! Schau, wie es an Deinem Platz aussieht." Aber auch Unterlassungen können zur aggressiven Handlung werden, wenn dadurch Schaden ausgelöst wird, wie zum Beispiel beim Unterlassen von Umlagerungen oder fehlendem Wechseln von Inkontinenzhilfen.
4.2
Depressionsphase, akute und posttraumatische Belastungsstörungen

Unabhängig davon, ob es zu einer körperlichen Verletzung kam oder nicht, kann ein Aggressionsereignis beim Betroffenen psychische Nachwirkungen haben. Die Nachwirkungen sind ggf. nicht deutlich sichtbar, wirken aber nachhaltig zerstörender als das Verletzungsereignis an sich.

Buijssen (1997) hat verdeutlicht, dass Menschen sich grundsätzlich in unterschiedlichen Gemütszuständen befinden können: sehr glücklich sein, sich wohl fühlen, in normalem Gemütszustand sein, sich elend fühlen und sehr unglücklich sein. Ein als dramatisch erlebtes Ereignis (z.B. der Tod einer engen Bezugsperson) oder ein traumatisches Ereignis (z.B. Unfall) führen nach einer Betäubungsphase , in der Betroffene sagen, sie fühlten gerade nichts, steil nach unten, das heißt zu dem Gemütszustand sehr unglücklich sein. Entgegen der populären Erwartung, dass es einen linearen, kontinuierlichen aufwärtsführenden Erholungsprozess gibt, entwickelt sich ein Auf und Ab im Besserungsverlauf - ohne klare Prognose, wie lange die Verarbeitung andauert (s

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