text.skipToContent text.skipToNavigation
background-image

Das Gedächtnis des Körpers Wie Beziehungen und Lebensstile unsere Gene steuern von Bauer, Joachim (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 14.11.2014
  • Verlag: Piper
eBook (ePUB)
10,99 €
inkl. gesetzl. MwSt.
Sofort per Download lieferbar

Online verfügbar

Das Gedächtnis des Körpers

Sind es nur die Gene, die unser Wesen bestimmen? Welche Rolle spielen dabei Erfahrungen, Erlebnisse und das, was wir "Seele" nennen? Das Wechselspiel zwischen Erbanlagen und Lebensumständen beschäftigt die moderne Medizin bis heute. Joachim Bauer macht dieses Zusammenwirken von Geist und Genen erstmals populär verständlich - und setzt sich ein für einen bewussteren Umgang mit der menschlichen Seele. Jetzt in aktualisierter und erweiterter Ausgabe.

Joachim Bauer, geboren 1951, war nach dem Medizinstudium in der molekularbiologischen Forschung tätig. Heute arbeitet er als Internist, Psychiater und Facharzt für Psychotherapeutische Medizin am Universitätsklinikum Freiburg, wo er als Professor und Oberarzt in der Abteilung Psychosomatische Medizin tätig ist.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 272
    Erscheinungsdatum: 14.11.2014
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783492968799
    Verlag: Piper
    Größe: 3129kBytes
Weiterlesen weniger lesen

Das Gedächtnis des Körpers

2. ALLTAGSSITUATIONEN UND DIE BIOLOGIE DES KÖRPERS: DIE ROLLE DER ZWISCHENMENSCHLICHEN BEZIEHUNG

DIE "SPIEGEL-NERVENZELLEN" DES GIACOMO RIZZOLATTI

Wenn interessante Fakten dargelegt werden und von neuen wissenschaftlichen Beobachtungen berichtet wird (dies wird in den nachfolgenden Kapiteln ausgiebig geschehen), ist das Publikum vor allem dann überzeugt, wenn "objektive" Messungen, möglichst auch mit größerem apparativen Aufwand, durchgeführt wurden (das vorliegende Buch wird die Leserin und den Leser auch in dieser Beziehung nicht enttäuschen). Menschen können ja sozusagen viel erzählen, ein Apparat lügt nicht. Lassen Sie uns diesen Gedanken zum Anlass nehmen, die Rolle zwischenmenschlicher Beziehungen in einer "objektiven" Welt zu bestimmen. Ein interessantes Experiment, das kürzlich von einer - international renommierten - italienischen Forschergruppe durchgeführt wurde, ergab einen ziemlich erstaunlichen Hinweis darauf, dass das Gehirn unsere Apparate-Gläubigkeit nicht teilt.

Giacomo Rizzolatti und seine inzwischen berühmt gewordene Arbeitsgruppe aus Parma sind die Entdecker der so genannten "Spiegel-Nervenzellen" (auch "Spiegel-Neurone" oder "mirror neurons" genannt). Diese können sich das, was wir bei einem anderen Menschen beobachten, so einprägen, dass wir es selbst fühlen, aufgrund dessen aber auch besser nachahmen können (das Erste, was Säuglinge an kommunikativem Verhalten zeigen, ist der Versuch, mütterliche Gesichtsausdrücke und den Klang ihrer Stimme zu "spiegeln", siehe dazu Kap. 6). Die Wissenschaftler um M. Alessandra Umiltà und Giacomo Rizzolatti entdeckten in einem Versuch mit Affen (die neurobiologisch unsere allernächsten Verwandten sind), dass Spiegel-Nervenzellen des Gehirns nur dann "ansprechen", wenn eine beobachtete Handlung von einem lebenden Artgenossen höchstpersönlich durchgeführt wird (wenn der gleiche Vorgang mit einem Instrument vollzogen wurde, zeigte sich bei den Spiegel-Nervenzellen keine Reaktion).

ZWISCHENMENSCHLICHE BEZIEHUNGEN UND GESUNDHEIT

Giacomo Rizzolatti entdeckte bei seinen bahnbrechenden Experimenten die neurobiologische Grundlage für die Erkenntnis, dass das menschliche Erleben, auch das Lernen, persönliche Beziehungen braucht, und dass es letztlich nicht zum Erfolg führen wird, wenn bei der Erziehung und beim Spielen von Kindern, beim Unterricht von Schülern, in der Familie, aber auch am Arbeitsplatz direkte Kontakte zwischen Menschen immer mehr reduziert werden. Eine der wichtigsten Erkenntnisse der Stressforschung, auf die wir in diesem Buch im Detail noch vielfach eingehen werden, ist, dass gute zwischenmenschliche Beziehungen nicht nur im Gehirn "abgebildet" und "gespeichert" werden, sondern dass sie die am besten wirksame und völlig nebenwirkungsfreie "Droge" gegen seelischen und körperlichen Stress darstellen. Zwischenmenschliche Beziehungen sind das Medium, in dem sich nicht nur unser seelisches Erleben bewegt, sondern in dem sich auch unsere körperliche Gesundheit bewahren lässt. Überall da, wo sich Quantität und Qualität zwischenmenschlicher Beziehungen vermindern, erhöht sich das Krankheitsrisiko.

DAS BEISPIEL EINER PATIENTIN

Eine Patientin berichtete mir bei ihrem ersten Besuch, sie gerate seit kurzem jeweils an Sonntagen am Spätnachmittag ziemlich regelmäßig in einen Zustand von Panik, ohne dass sie dies selbst beeinflussen könne. Ihr Herz beginne so zu rasen, dass sie befürchte, einen Infarkt zu erleiden, sie spüre Unruhe und Angst, auf der Haut träten, vor allem am Hals und im Gesicht, rote Flecken auf und sie habe das Gefühl von Atemnot. Untersuchungen bei ihrem Hausarzt hätten keine Schädigung oder Leistungsbeeinträchtigung eines Organs gezeigt. Herzfunktion, Schilddrüse, Niere und Blutwerte seien ohne Auffälligkeiten gewesen. (Keine Frage, dass die Beschwerden nicht "eingebildet" waren, sondern auf körperlichen Vorgängen be

Weiterlesen weniger lesen

Kundenbewertungen