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Praxisbuch Sexuelle Störungen Sexuelle Gesundheit, Sexualmedizin, Psychotherapie sexueller Störungen von Briken, Peer (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 11.12.2013
  • Verlag: Georg Thieme Verlag KG
eBook (PDF)
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Praxisbuch Sexuelle Störungen

Was gilt noch als sexuell gesund, wo beginnt ein sexuelles Problem und ab wann ist es eine sexuelle Störung? Erfahren Sie von Experten, was sexuelle Gesundheit von sexueller Störung differenzieren hilft, wie Sie diagnostisch vorgehen können und welche Behandlungsmöglichkeiten Sie haben. - Ausführliche Darstellung aller Facetten der Sexualität mit ihren verschiedenen Ausprägungen und Störungen - Praxisnahe Beschreibung der medizinischen und psychotherapeutischen Methoden zur Behandlung einzelner Problembereiche und Störungsbilder

Produktinformationen

    Format: PDF
    Kopierschutz: AdobeDRM
    Seitenzahl: 304
    Erscheinungsdatum: 11.12.2013
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783131712615
    Verlag: Georg Thieme Verlag KG
    Größe: 1949 kBytes
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Praxisbuch Sexuelle Störungen

1 Grundlagen

1.1 Kultureller Wandel der sexuellen Verhältnisse

V. Sigusch
1.1.1 Historischer Rückblick

Das, was wir immer noch "Sexualität" nennen, existiert als kulturell-symbolische Form und als Begriff erst seit etwa 200 Jahren, also seit wenigen Generationen, und zwar nur im europäisch-amerikanischen Gesellschaftskreis als ein allgemein Durchgesetztes und isoliert Dramatisiertes ? [830] . Dass sich das Hauptwort "Sexualität" weder in der Bibel noch bei Homer, noch bei Shakespeare findet, ist für die kritische Sexualwissenschaft kein Nebenbefund, sondern die Sache selbst. Erst im 19. Jahrhundert erhält die kulturelle Sexualform den ihr angemessenen Namen, einen Kollektivsingular, der die zahllosen Vorgänger von Amor bis Venus verschlingt. Erst dann wird das Adjektiv "sexuell" wie das Adjektiv "modern" in den europäischen Sprachen substantiviert: "Sexualität" gibt es zuerst bei den Pflanzen, dann bei den Tieren – eine epistemische Mitgift, die nach wie vor kausale Schatten wirft.

Als theoretisches, ästhetisches und moralisch-praktisches Problem ist "Sexualität" Bestandteil einer profanen Kultur, die an jener Schnittstelle entstand, welche der Zerfall der religiösen Weltsicht und das Aufkommen der Waren und Wissenproduzierenden Experimental- und Tauschgesellschaft im Abendland bilden. Was vordem unreflektiert als Verkündigung oder "Immer schon so" zusammenfiel, brach auseinander. Die Trümmer, Selbstbewusstsein, Seele, Sexualität, wurden reflektiert und bildeten einen ganz anderen Schein. Als sich die epistemische von der religiösen Sphäre absonderte, entstand das Gefühl der Sexualität als solcher . Das war die Stunde von Erfahrungs-Seelenkunde, Psycho-Analyse und Sexual-Wissenschaft.

Unsere Sexualität, d.h. eine allgemeine Sexualform, konnte nur entstehen, weil die Not der Menschen nicht mehr überwiegend Hungersnot war und weil gleichzeitig alle menschlichen Vermögen isoliert und als solche vergesellschaftet wurden. Nach und nach konnte die "sexuelle Frage", nur ein Teil der "sozialen", nicht mehr darauf begrenzt werden, Zwittrigkeit zu beseitigen und die Fort-"Pflanzung" je nach herrschendem Kalkül an- oder abzustellen. Am Ende des 19. Jahrhunderts fiel die sexuelle Frage mit der Frage nach dem Sinn des Lebens, nach Glück und Leidenschaft, nach erregter Harmonie, nach dem Verhältnis von Mensch zu Mensch als einem menschlichen zusammen.

Dazu konnte es nur kommen, weil die Bourgeoisie die Idee der freien, gleichen individuellen Geschlechtsliebe als einen neuen sittlichen Maßstab in die Welt gesetzt hatte: Liebe als ein Menschenrecht beider, des Mannes und der Frau, Liebe als freie Übereinkunft autonomer Subjekte, die Gegenliebe beim geliebten Menschen voraussetzt, Liebesverhältnisse als Gewissensverhältnisse von Dauer wie von Intensität. Mentalitäten und Begriffe der Veränderung entstanden: Bewegung, Krise, Entwicklung, Fortschritt, Emanzipation, Revolution usw. Da aber der autonome Bürger, der schon im Prozess seines Entstehens zerfiel, mit der Wirklichkeit entzweit blieb, wie Hegel schrieb, nicht zuletzt, wie wir heute wissen, weil er das weibliche Geschlecht zum Sexus sequior degradierte, verschwand die Not des Lebens nicht, verloren die Menschen das Gefühl des Unbehagens in der Kultur nicht. Und so schleppten sie sich von sexueller Revolution zu sexueller Revolution.
1.1.2 3 sexuelle Revolutionen

Schauen wir in die Geschichte, stoßen wir in den reichen Ländern des Westens auf 3 sogenannte sexuelle Revolutionen. Die erste fand um 1905 statt

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