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Säuglings- und Kleinkindpsychiatrie Ein Lehrbuch von Gontard, Alexander von (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 06.05.2010
  • Verlag: Kohlhammer
eBook (ePUB)
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Säuglings- und Kleinkindpsychiatrie

Der Begriff 'Säuglings- und Kleinkindpsychiatrie' wirft oft Fragen auf. Können so kleine Kinder schon psychisch gestört sein? Handelt es sich dabei nicht um eine Stigmatisierung ganz normaler Reifungsphänomene? Dieses Lehrbuch bietet Antworten auf solche Fragen. Es zeigt, dass psychische Störungen im Kleinkindalter sich zwar oft mit anderer Symptomatik zeigen, jedoch ebenso häufig sind wie bei älteren Kindern, und beschreibt, wie sie erkannt und behandelt werden können. Es ist die erste umfassende Darstellung des Gebiets der Säuglings- und Kleinkindpsychiatrie in deutscher Sprache und beruht sowohl auf der reichen praktischen Erfahrung des Autors sowie auf aktuellen Forschungsergebnissen. Prof. Dr. Alexander von Gontard ist Direktor der Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie am Universitätsklinikum des Saarlandes (Homburg) sowie Facharzt für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Kinderheilkunde und Psychotherapeutische Medizin.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 176
    Erscheinungsdatum: 06.05.2010
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783170274099
    Verlag: Kohlhammer
    Originaltitel: Infant and Toddler Psychiatry
    Größe: 7575 kBytes
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Säuglings- und Kleinkindpsychiatrie

1 Psychische Störungen im Vorschulalter allgemein

1.1 Klassifikation

Störungen im Vorschulalter zeigen gegenüber denen älterer Kinder und Jugendlicher Besonderheiten. Es wurden deshalb in der Vergangenheit verschiedene Einwände dagegen erhoben, dass die Identifikation von psychischen Störungen in diesem Alter überhaupt sinnvoll und möglich ist, die bei Egger und Angold (2006a) zusammengefasst sind. Man befürchtete, dass erstens das Vorschulalter eine so rasche Entwicklungsdynamik aufweise, dass valide Symptome oder Cluster von Symptomen überhaupt nicht gemessen werden könnten. Da manche Kinder individuelle Entwicklungsverläufe zeigen, die von Normen abweichen können, wurde zweitens in Frage gestellt, ob psychiatrische Störungen überhaupt abgrenzbar seien. Drittens kritisierte man, dass die DSM- und ICD-Klassifikationen nicht genügend Entwicklungsaspekte berücksichtigen würden. Viertens wurde eine Stigmatisierung durch psychiatrische Diagnosen befürchtet, die die Selbstwahrnehmung des Kindes und elterliche Einstellungen negativ beeinflussen könnten, und fünftens kritisiert, dass Beziehungsaspekte mit den versorgenden Erwachsenen so unmittelbar wirksam seien, dass sie von der kindlichen Problematik nicht abgetrennt werden könnten.

Egger und Angold (2006a) weisen darauf hin, dass genau dieselben Kritikpunkte vor dreißig Jahren allgemein gegenüber der Kinder- und Jugendpsychiatrie vorgebracht wurden. Die Entwicklung der allgemeinen Kinder- und Jungendpsychiatrie der letzten Jahrzehnte zeigte hingegen, dass diese Befürchtungen unbegründet sind und dass im Gegenteil eine kategorial ausgerichtete Klassifikation sich für die Praxis und Forschung ausgesprochen bewährt hat. In ihrer kritischen Übersicht kommen Angold und Costello (2009) zu dem Schluss, dass

kategoriale Diagnosen meist extreme Ausprägungen von kontinuierlich verteilten Symptomen repräsentieren;

DSM-IV-Kategorien sich gut replizieren ließen;

Störungsbilder, die auf Untersuchungen an Erwachsenen basieren, sich auch Im Vorschulalter zeigen und sich in der Praxis bewährt haben;

sich die häufigsten psychiatrischen Diagnosen bis zum Alter von zwei Jahren nachweisen lassen;

unter dem Alter von zwei Jahren jedoch alternative Klassifikationen notwendig sind, wie z. B. die Zero-to-Three (DC:0-3R 2005), die bisher jedoch nicht genügend empirisch untermauert ist.

Von daher erscheint es theoretisch, logisch und praktisch sinnvoll, auch für das frühe Kindesalter eine kategoriale Einteilung von Störungsbildern zu übernehmen. Dabei stehen vier Klassifikationssysteme zur Verfügung, die sich sinnvoll ergänzen:

Das multiaxiale Klassifikationssystem für psychische Störungen des Kindes- und Jugendalters nach der ICD-10 der WHO (WHO 1993, Remschmidt et al. 2001). Die ICD-10 bildet in Europa und in weiten Teilen der Welt die Grundlage der kinderpsychiatrischen Praxis mit gut definierten Störungsbildern, die sich auch im Vorschulalter replizieren lassen. In dem multiaxialen Klassifikationssystem (MAS) werden insgesamt sechs Achsen unterschieden, die jeweils individuell zu erfassen sind. Die sechs Achsen umfassen:

Achse: Das klinisch-psychiatrische Syndrom
Achse: Umschriebene Entwicklungsstörungen und Teilleistungsstörungen
Achse: Das Intelligenzniveau
Achse: Die körperliche Symptomatik
Achse: Assoziierte aktuelle abnorme psychosoziale Umstände
Achse: Die globale Beurteilung des psychosozialen Funktionsniveaus Da vorausgesetzt wird, dass die MAS der ICD-10 allgemein bekannt ist, wird sie in diesem Zusammenhang nicht weiter vertieft. Eine altersspezifische Adaptation bzw. Modifikation der Kriterien für das Vorschulalter gibt es für die ICD-10 nicht.
Die DSM-IV (APA 1994

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