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Sprachdiagnostik im Kindesalter von Petermann, Franz (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 08.11.2016
  • Verlag: Hogrefe Verlag Göttingen
eBook (PDF)
19,99 €
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Sprachdiagnostik im Kindesalter

Störungen der Sprachentwicklung gehören zu den häufigsten Entwicklungsstörungen in der frühen Kindheit. Vor dem Hintergrund der Heterogenität des Störungsbildes und der Abhängigkeit der Symptomatik vom Alter der betroffenen Kinder gestaltet sich die Diagnostik von Sprachentwicklungsstörungen jedoch entsprechend komplex. Beeinträchtigungen können sich auf verschiedenen Ebenen (wie Aussprache, Wortschatz und Grammatik) manifestieren und dabei das Sprachverständnis und die Sprachproduktion betreffen. Für eine zuverlässige Identifikation von Sprachentwicklungsstörungen werden daher standardisierte Testverfahren gefordert, die Testgütekriterien gerecht werden und an den Entwicklungsstand von Kindern im Vor- und Grundschulalter angepasst sind. Der vorliegende Band gibt zunächst einen Überblick über den Verlauf der Sprachentwicklung im Kindesalter. Die folgenden Abschnitte widmen sich den Grundlagen der Sprachdiagnostik in den ersten drei Lebensjahren sowie im Vor- und Grundschulalter, den Besonderheiten der Sprachdiagnostik bei Mehrsprachigkeit, methodischen Anforderungen an die Sprachdiagnostik, dem Leistungsspektrum sprachdiagnostischer Verfahren und der Klassifikation von Sprachentwicklungsstörungen. Nach einem Überblick über das diagnostische Vorgehen werden verschiedene aktuelle Verfahren zur Sprachstandserhebung vorgestellt und unter praktischen und methodischen Gesichtspunkten kritisch überprüft. Hierzu gehören Elternfragebögen, Screeningverfahren für monolinguale und mehrsprachige Kinder sowie allgemeine und spezifische Sprachtests. Ein ausführliches Fallbeispiel aus der Praxis rundet den Band ab.

Produktinformationen

    Format: PDF
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 135
    Erscheinungsdatum: 08.11.2016
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783840927560
    Verlag: Hogrefe Verlag Göttingen
    Größe: 2408 kBytes
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Sprachdiagnostik im Kindesalter

20 2 Grundlagen der Sprachdiagnostik

Vor dem Hintergrund der Heterogenität von Sprachstörungen und der Abhängigkeit der Symptomatik vom Alter der betroffenen Kinder gestaltet sich die Diagnostik von umschriebenen Entwicklungsstörungen des Sprechens und der Sprache entsprechend komplex. Daher wird der Einsatz von psychometrischen Testverfahren und die Überprüfung mehrerer sprachlicher Ebenen sowohl im Sprachverständnis als auch in der Sprachproduktion empfohlen ( AWMF, 2013 ). Die eingesetzten Testverfahren sollten um eine Beobachtung des Sprachverhaltens sowie um den Bericht der Eltern über die Spontansprache und die Sprachentwicklung des Kindes ergänzt werden ( Bishop & McDonald, 2009 ). Eine informelle Erfassung der sprachlichen Fähigkeiten kann nicht als ausreichend betrachtet werden ( Ptok et al., 2014 ). Das diagnostische Vorgehen wird im Folgenden näher betrachtet. Dafür wird zunächst auf die wichtigsten Punkte zur Anamnese und zur Beurteilung der Spontansprache sowie auf die Möglichkeiten der Früherkennung eines Sprachentwicklungsrisikos eingegangen. Anschließend wird der Schwerpunkt auf das testdiagnostische Vorgehen gelegt und die Herausforderungen der Diagnostik bei mehrsprachig aufwachsenden Kindern werden thematisiert.
2.1 Sprachdiagnostik in den ersten Lebensjahren

Vor allem in den ersten drei Lebensjahren lässt sich eine umschriebene Entwicklungsstörung des Sprechens und der Sprache nicht ohne Weiteres diagnostizieren, da die Abgrenzung zwischen der normalen Variation des Spracherwerbs und einer gestörten sprachlichen Entwicklung oft nicht ausreichend gelingt (vgl. Kany & Schöler, 2014 ). Die Früherkennung eines Sprachentwicklungsrisikos ist jedoch zentraler Bestandteil der kinderärztlichen Vorsorgeuntersuchungen (v.a. U6 bis U9), wobei auch hier das diagnostische Vorgehen nicht einheitlich geregelt ist (vgl. Sallat, 2014 ).

Die Beurteilung des Sprachstands erfolgt in diesem Alter vor allem über Elternfragebögen . Die Untersuchung von Rosenfeld und Kiese-Himmel (2011 ) zeigt, dass für die U7 und U7a mehrere standardisierte Screening 21 verfahren zur Verfügung stehen, die eine zuverlässige Einschätzung hinsichtlich einer unauffälligen oder auffälligen Sprachentwicklung ermöglichen. Sachse und Kollegen (2007 ) konnten zudem für diese Altersgruppe eine hohe Übereinstimmung zwischen den Ergebnissen in Elternfragebögen und standardisierten Testverfahren nachweisen. Die Autoren empfehlen für die Diagnostik bei jüngeren Kindern den Einsatz von Elternfragebögen, die bei einem auffälligen Befund um eine differenzierte Testdiagnostik mit dem Kind ergänzt werden kann ( Sachse et al., 2007 ).

Auch wenn Kinder mit einer auffälligen Sprachentwicklung in den ersten Lebensjahren ein erhöhtes Risiko tragen, eine umschriebene Entwicklungsstörung des Sprechens und der Sprache zu entwickeln, muss berücksichtigt werden, dass eine verzögerte Sprachentwicklung nicht gleichbedeutend mit einer Störung des Spracherwerbs ist (vgl. Petermann & Szagun, 2011 ; Szagun, 2013 ). So konnten auch Ullrich und von Suchodoletz (2011 ) in ihrer Studie feststellen, dass etwa die Hälfte der Kinder, die im Alter von etwa zwei Jahren noch deutliche Rückstände in der sprachlichen Entwicklung aufwiesen, bei einer erneuten Überprüfung ein Jahr später diese Rückstände aufgeholt haben. Eine sichere Identifikation von Kindern mit umschriebenen Entwicklungsstörungen des Sprechens und der Sprache ist daher erst gegen Ende des dritten Lebensjahres beziehungsweise mit vier Jahren möglich ( von Suchodoletz, 2011 ). Obwohl eine Sprachkompetenz des Kindes mit zwei Jahren bei unauffälliger Entwicklung sicher beurteilt werden kann (vgl. Hachul, 2015 ; siehe auch Abschnitt 5.4 ), kann eine fundierte Diagnose über eine Sprachentwicklungsstörung aufgrund des vorliegende

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