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Manuelle Therapie Bewegen und Spüren lernen von Schomacher, Jochen (eBook)

  • Verlag: Georg Thieme Verlag KG
eBook (ePUB)
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Manuelle Therapie

Das etablierte Lehrbuch zum Kaltenborn-Evjenth-Konzept führt systematisch und praxisbezogen in die Manuelle Therapie der Extremitäten und der Wirbelsäule ein. Dabei wird jedes Gelenk mit der für die Ausführung der Technik wichtigen Behandlungsebene angezeigt. Schnell erwerben Sie Grundlagenwissen u. a. zur Bewegungslehre und Gelenkanatomie, physiotherapeutischer Untersuchung, Schmerzmechanismen sowie befundbezogener Behandlung. Die praktischen Anleitungen z. B. für den Ablauf einer Untersuchung oder die Beurteilung von Bewegungsqualität machen das Buch zu einem nützlichen Nachschlagewerk in der Ausbildung und in der täglichen Praxis. Neben aktualisierte Inhalte finden Sie 530 Abbildungen und Links zu Lehrvideos.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: AdobeDRM
    Seitenzahl: 384
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783132408401
    Verlag: Georg Thieme Verlag KG
    Größe: 27588 kBytes
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Manuelle Therapie

1 Geschichte und Definition der Manuellen Therapie

"Alles Denken ist Wiederholung; aber in zunehmender Verdichtung."
(Egon Friedell)
1.1 Was ist Manuelle Therapie?

Der Begriff der Manuellen Therapie (MT) beschreibt die Pflege bzw. Heilung (= griech.: Therapie) mit den Händen (= lat.: manus) und erlaubt somit eine weitgefasste Interpretation. Die wörtliche Übersetzung als Behandlung mit den Händen unterstreicht durch die Wortwiederholung die Bedeutung dieses Werkzeuges für das Konzept der MT. Als FreddyKaltenborn in den 60er Jahren diesen Begriff einführte, betonte er damit die Ergänzung, die die Manuelle Therapie der damals vorwiegend aus Übungsanweisungen und Verhaltensänderungen bestehenden Physiotherapie (PT) brachte. Dies galt insbesondere für Deutschland, wo die Massage als klassische Behandlung mit den Händen weitgehend von einem anderen traditionsreichen Berufsstand ausgeübt wurde. Doch auch in der heutigen Zeit der hoch technisierten Apparatemedizin und der strengen Gläubigkeit an wissenschaftlich erhobene Daten hat die Betonung der Hände nicht an Bedeutsamkeit verloren.

Therapie mit der wörtlichen Übersetzung Behandlung beinhaltet die Untersuchung als notwendige Voraussetzung jeder Behandlung. Manuell erhobene Untersuchungskriterien sind zwar nicht immer wissenschaftlich exakt quantifizierbar, führen aber oft zu einer gezielten Behandlung, die dem Patienten häufig mehr als nur die Bewegung vermittelt.

Viele Ärzte und Physiotherapeuten jedoch benutzen ihre Hände am Patienten, ohne gleich MT durchzuführen. Was verbirgt sich also hinter diesem Ausdruck?

Um diese Frage zu beantworten, müssen wir einen kurzen Blick auf die Geschichte werfen, um zu sehen, wie sich aus den verschiedenen manuellen Behandlungsformen der heutige Zweig der MT herauskristallisiert hat.
1.2 Geschichte

In der Geschichte der Medizin ist die Separation (= Trennen) der Gelenkpartner als Traktion (= Zug) in vielen Darstellungen aus vorchristlichen Werken der Medizin bekannt. Sie ist ein wesentliches Charakteristikum der MT. In der wohl ältesten Abbildung aus Indien streckt Lord Krishna den deformierten Rücken der gläubigen Kubja, indem er stehend ihre Füße fixiert und sie am Kinn hochzieht (ca. 3500-1800 v.Chr.) ( [105] [105] ). Hippokrates (um 460 bis 377 v.Chr.) unterstrich die Bedeutung der Wirbelsäulenbehandlung für viele Leiden und benutzte axiale Traktion, indem er z.B. Patienten mit den Beinen kopfüber an einer Leiter festband, die er aus geringer Höhe kontrolliert auf den Boden aufschlagen ließ, was eine ruckartige Traktion ergeben haben muss. Die griechische Auffassung der Medizin wurde von Claudius Galen (um 129- um 199 n.Chr.) in Rom gefestigt. Er prägte mit seinen Anschauungen die Medizin Europas für über ein Jahrtausend. Viele Abbildungen zur Therapie der Wirbelsäulendeformitäten mit den Händen und Füßen unter gleichzeitiger Anwendung axialer Traktion sind von ihm überliefert. Ibn Sina (980-1037 n.Chr., lateinisiert Avicenna) vermittelte das griechische Denken an den Orient und beschrieb verschiedene manuelle Korrektionsgriffe. Viele von ihnen wurden insbesondere an der Wirbelsäule unter Traktion durchgeführt, die Assistenten durch Zug kaudal und kranial der behandelten Region ausübten. Ein Großteil dieser von Hippokrates wesentlich geprägten und von seinen Nachfolgern ergänzten Behandlungsformen ist uns durch Werke des Mittelalters überliefert worden ( Abb. 1.1 , Abb. 1.2 ).

Abb. 1.1 Zug am Hüftgelenk, aus "Hippocratis Chirurgica" (Firenze, Biblioteca Medicea Laurenziana, ms. Plut-74-7-c-185v).

(Quellenangaben: Mit Genehmigung des Ministeriums für Kultur. Jegliche weitere Reproduktion mit jeglichem Mittel ist verboten.)

Abb. 1.2 Zug am vorher in Flexion eingestellten Rücken,

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