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"... es ging immer um Musik" Eine Rückschau in Gesprächen von Harnoncourt, Nikolaus (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 07.10.2014
  • Verlag: Residenz Verlag
eBook (ePUB)
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"... es ging immer um Musik"

Musik schenkt Freude: Überzeugend und leidenschaftlich reflektiert Nikolaus Harnoncourt über sein Metier. Seine Texte, Reden und Gespräche entfalten das Lebensprogramm eines großen Künstlers, der auf sein eigenes Wirken und weit in die Musikgeschichte zurückblickt. Er befasst sich mit der Notwendigkeit der Kunst ebenso wie mit Haydn und einem 'Krokodil namens Mozart', er macht sich Gedanken über romantische Einsichten und barocke Reminiszenzen. Harnoncourt blickt in die Abgründe einer unmoralischen Welt und lässt an Geschichten aus dem Musikverein teilhaben. Er erläutert, warum ein Künstler nicht lügen kann, warum die Zauberflöte ein ewiges Rätsel bleibt - und warum große Kunst letztlich aus Zweifeln entsteht. Johanna Fürstauer, geboren 1931, Studium der Germanistik, Anglistik und Au?ührungspraxis Alter Musik. Autorin, Übersetzerin und Herausgeberin zahlreicher Texte zu kulturgeschichtlichen Themen und klassischer Musik, v.a. zu Nikolaus Harnoncourt. Sie lebt mit Kater Moritz in Salzburg. Zuletzt erschienen: 'Oper, sinnlich. Die Opernwelten des Nikolaus Harnoncourt' (2009) Nikolaus Harnoncourt, geboren 1929 in Berlin, gründete 1953 sein Ensemble für Alte Musik, den Concentus Musicus. Als Dirigent erhielt er zahlreiche internationale Auszeichnungen, u. a. den Gramophone Lifetime Achievement Award (2009) und die Goldmedaille der Royal Philharmonic Society (2012).

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 320
    Erscheinungsdatum: 07.10.2014
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783701744909
    Verlag: Residenz Verlag
    Größe: 1105 kBytes
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"... es ging immer um Musik"

Musik entsteht überall, wo Menschen sind

Gesprächspartner: Mathias Plüss

Erstveröffentlichung: Das Magazin Nr. 7, Februar 2014

Herr Harnoncourt, Sie machen seit achtzig Jahren Musik. Was ist Musik?

Über diese Frage habe ich ein Leben lang nachgedacht. Und bin zu keinem Resultat gekommen. Musik ist, wie jede Kunst, für mich ein unerklärbares Rätsel.

Warum?

Es beginnt schon damit, daß es keine Kultur ohne Musik gibt - von den Eskimos bis zu den heißesten Gegenden Afrikas. Auch sehr isolierte Völker haben Musik. Das heißt, Musik entsteht überall, wo Menschen sind. Das ist doch ziemlich rätselhaft. Es gibt auch keine Kultur ohne Dichtung. Und es gibt keine Kultur ohne Bildende Kunst.

Aber eine Besonderheit hat die Musik: Sie kann unglaublich emotional wirken .

Das ist schon merkwürdig. Vielleicht kennen Sie diese Situation: ein Todesfall in der Familie. Bei der Trauerfeier sind alle beherrscht, weil man in unserer Kultur nicht öffentlich weint.

Es ziemt sich nicht .

Meine Mutter hat einmal in der Kirche zu einem meiner Brüder gesagt, der weinen mußte: "Disziplin, mein Bub!" Auf einer Trauerfeier! Also stellen Sie sich eine Gruppe Trauernder vor, sehr gefaßt, man spricht über den Toten, was für ein wunderbarer Zeitgenosse er war, und dann setzt Musik ein, vielleicht ein Streichquartett oder ein kleiner Chor. Es geht keine zwei Takte, und mit der Beherrschung ist es vorbei, alle beginnen zu weinen. Das kann nur Musik.

Wieso kann sie es?

Offenbar hat sie direkten Zugang zu den Emotionen, sie öffnet die Schleusen. Aber es bleibt ein Rätsel.

Gibt es Musik auch bei den Tieren?

Nein. Tiere haben keine Kunst - das ist gerade der entscheidende Unterschied zwischen dem Menschen und jeder anderen Kreatur. Die Kunst macht uns von reinen Zweckwesen zu empfindenden Geschöpfen.

Was ist mit dem Gesang der Vögel? Ist das keine Kunst?

Die Forscher versuchen immer wieder, irgendwelche tierischen Laute in die Nähe von menschlichen Äußerungen zu rücken. Da ist aber immer ein Pferdefuß drin. Ich habe noch nie eine überzeugende Begründung einer nichtmenschlichen Kunsterzeugung gehört. Das Vogelgezwitscher oder das Schmücken eines Tieres, das ist Balzverhalten. Das hat einen Zweck.

Und die Kunst hat keinen Zweck?

Nein. Die Kunst ist der Gegenpol zur Ratio. Es gibt keine rationale Begründung, warum wir singen, malen, dichten. Würde ich etwa sagen "Hol mir eine Semmel!" - das hätte einen Zweck, das kann auch ein Affe. Wenn ich aber sage "Über allen Gipfeln ist Ruh", dann ist das vollkommen zwecklos. Dafür gibt mir niemand etwas. Und es ist auch kein Balzruf. Aber es drückt etwas aus, das ich immer gefühlt haben könnte.

Ist es etwas Übernatürliches?

Ich habe es einmal so formuliert: Die Kunst ist die Sprache des Unsagbaren. Sie ist die Nabelschnur, die uns mit dem Göttlichen verbindet.

Aber die Kunst ist auch etwas Menschliches .

Die Kunst ist eine unverzichtbare Säule des Menschseins. Die zweite Säule, die auch dazugehört, ist die Ratio. Es braucht beides. Am besten hat es für mich der Philosoph Blaise Pascal ausgedrückt: Er sprach von der raison arithmétique , also dem logischen Denken, dem er die raison du coeur gegenüberstellte, das Denken des Herzens.

Das Herz kann denken?

Dieses Denken überspringt die Stufen der Logik - da kommt das Resultat manchmal vor der Kette, die zu ihm hinführt. Ich verwende gern noch ein an

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