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Beethoven von Riezler, Walter (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 30.06.2015
  • Verlag: Schott Music
eBook (ePUB)
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Beethoven

Dieses Buch des Beethoven-Kenners Walter Riezler verbindet den sachlichen, auf historische Genauigkeit bedachten biographischen Bericht mit einer umfassenden Deutung des Werks. Mit einem Vorwort von Wilhelm Furtwängler.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 360
    Erscheinungsdatum: 30.06.2015
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783795786281
    Verlag: Schott Music
    Größe: 2701 kBytes
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Beethoven

D IE FAMILIE BEETHOVEN stammt aus Flandern. Der Name - nicht adlig, sondern wie etwa "Van Gogh" nur die Herkunft bezeichnend, "von den Rübenhöfen" - deutet auf bäuerlichen Ursprung. (Ein Ort "Bettenhoven" liegt zwischen Limburg und Lüttich.) Doch schon vor 1500 taucht der Name in den Städten Flanderns auf. Das Geschlecht scheint wanderlustig gewesen zu sein: in den Geburts- und Eheregistern von Mecheln finden sich viele des Namens, aber nur wenige sind dort gestorben. 1684 wird dort Michel van Beethoven geboren, der es als Bäckermeister zu großem Wohlstand bringt, aber schließlich an einem Handel mit Spitzen, Bildern und andern Luxuswaren scheitert, den er nebenbei betreibt. 1741 flieht er vor seinen Gläubigern nach Bonn, wo seine beiden Söhne schon seit längerer Zeit lebten: Cornelius als Kaufmann, Ludwig, der Großvater des großen Beethoven, als Sänger an der kurfürstlichen Kapelle. Dieser ist der erste Musiker in der Familie, von dem wir wissen, nicht schöpferisch zwar, aber offenbar sonst sehr tüchtig. Er stirbt 1773 als Hofkapellmeister und hochangesehener Mann. Sein Bildnis, das aus dem Besitz des großen Enkels erhalten ist, zeigt ein ruhiges, harmonisches Gesicht von ausgesprochen flämischem Typus, dem des Enkels in keinem Zuge ähnlich. Man sagt, er habe, Verbindungen seines Vaters ausnützend, nebenbei einen Weinhandel betrieben. Sicher ist, daß er in der Familie viel Unglück hatte: seine Frau, eine geborene Rheinländerin namens Poll, mußte wegen schwerer Krankheit - wie eine Überlieferung behauptet, war es Trunksucht - außer dem Hause untergebracht werden. Von seinen Kindern machte ihm sein Sohn Johann, um 1740 geboren, Musiker gleich ihm und als Sänger in der Kapelle angestellt, manche Sorge. Zwar sind die Nachrichten, die ihn zum Säufer stempeln wollen, nur für seine letzten Lebensjahre sicher verbürgt. Da er als Musiklehrer in den vornehmen Bonner Familien gesucht war, wird es damit zuerst nicht so arg gewesen sein. Immerhin aber war er ein unsteter, leichtfertiger Mensch, der in dem Streben nach Verbesserung seiner wirtschaftlichen Lage nicht immer gerade Wege ging. Auch seine vortreffliche Frau konnte ihn darin nicht hindern. Sie war nicht, wie oft gesagt wird, niedrigen Standes, sondern entstammte einer angesehenen, ursprünglich wohlhabenden Familie: ihr Vater, Heinrich Keverich, war Hofkücheninspektor der kurfürstlich Trierischen Residenz, die Mutter, geborene Westorff aus Koblenz, hatte Senatoren und Ratsherrn unter ihren Ahnen. Nach kurzer Ehe mit einem Angestellten des Hofes früh verwitwet, heiratete sie einige Jahre später Johann van Beethoven. Die Heiraten der Tochter machten der Mutter Keverich - der Vater war früh gestorben - offenbar große Sorge. Sie scheint ihr Vermögen dafür geopfert zu haben, und gleichzeitig entwickelte sich, vielleicht im Zusammenhang mit diesen Schicksalen, bei der Dreiundsechzigjährigen ein Gemütsleiden, von dem wir aus einem amtlichen Schriftstück Kenntnis haben: "Der ihr wegen Zurückgangs in Mitteln gesetzte Vormund nennt sie zwar schwachsinnig, es wird aber einem gottesfürchtigen Menschen nicht wohl erlaubt sein, dieser Frauen Wandel und Leben zu beurteilen, da dieselbe mit einer gesunden und kräftigen Vernunft stets begabt gewesen, hernach aber in ein solch hartes, fast erstaunliches Bußleben sich begeben, daß es nicht zu begreifen ist, wie diese Frau gegen den ordentlichen Gang der Natur noch leben mag, indem selbe wenig und die schlechteste Nahrung nimmt und in der bittersten Kälte, Wind und Regen fast ganze Nächte vor der Kirchen unter dem blauen Himmel liegt." Noch im gleichen Jahre 1768 starb sie, ein halbes Jahr nach der schicksalsvollen Heirat der Tochter. Wenn wir von dieser hören, daß sie "nie jemand habe lachen sehen", so dürfen wir hierin vielleicht nicht nur die Folge eines kummervollen Lebens, sondern auch die Spuren ererbter Schwermut erblicken. Sie nahm ihre Pflichten bitter ernst, sorgte treulich für Haus und

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