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Das Glück der Musik Vom Vergnügen, Mozart zu hören von Ortheil, Hanns-Josef (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 08.03.2016
  • Verlag: btb
eBook (ePUB)
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Das Glück der Musik

Das faszinierende Mozart- Buch von Bestsellerautor Hanns-Josef Ortheil. Mehr als 20 Jahre nach seiner klassischen Studie Mozart im Innern seiner Sprachen geht Hanns-Josef Ortheil nun in einer Mischung aus Tagebuch, Erzählung und Essay auf sehr persönliche Weise dem Faszinosum Mozart nach, lässt den Leser an seiner Art zu hören teilnehmen und entschlüsselt dabei viele der bekannten und auch weniger bekannten Musikstücke dieses großen Komponisten. Ausführlich kommt er auch auf dessen Opern und deren Entstehung zu sprechen. Damit wendet sich dieses Buch an alle, die Näheres über Mozarts Genie erfahren möchten, die seine Musik intensiv hören und die ihr Verständnis von Mozarts Lebens-, Denk- und Empfindungskosmos vertiefen wollen. Hanns-Josef Ortheil wurde 1951 in Köln geboren. Er ist Schriftsteller, Pianist und Professor für Kreatives Schreiben und Kulturjournalismus an der Universität Hildesheim. Seit vielen Jahren gehört er zu den beliebtesten und meistgelesenen deutschen Autoren der Gegenwart. Sein Werk wurde mit vielen Preisen ausgezeichnet, darunter dem Thomas-Mann-Preis, dem Nicolas-Born-Preis, dem Stefan-Andres-Preis und zuletzt dem Hannelore-Greve-Literaturpreis. Seine Romane wurden in über zwanzig Sprachen übersetzt.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 224
    Erscheinungsdatum: 08.03.2016
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783641174682
    Verlag: btb
    Größe: 569 kBytes
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Das Glück der Musik

1761/62 entstehen noch weitere kurze Klavierkompositionen, die Fortschritte von Stück zu Stück sind unüberhörbar, denn der Knabe arbeitet von nun an in einer Werkstatt : Er zeigt, daß er ein Stück mit einem markanten Motiv eröffnen und dieses Motiv beantworten und fortführen kann, er studiert die Wirkungen von Kontrasten im mittleren, retardierenden Passus, und er genießt die triumphierende Wiederkehr zum Ausgangsmotiv des Stückes in seinem Schlußteil. So testet und erprobt er kurze Spiel-Muster, variiert sie, es ist die Zeit des Hinhorchens und des Abtastens des großen Korpus Musik.

Mozarts erste Kompositionen verwandeln das Musikzimmer in den Raum einer Kompositionsstube. Indem ich mir Mozarts frühste Klavierkompositionen anhöre, befinde ich mich am Eingangsportal zu einem gewaltigen Kosmos, der sich über seine familiäre Herkunft hinaus zunächst auf Salzburg und dann auf das ganze musikalische Europa hin ausdehnen wird. Erstaunlich ist das Selbstbewußtsein, das sich in jedem dieser ersten Takte artikuliert, sie haben etwas Auftrumpfendes, Zielstrebiges, es ist beinahe so, als mache sich dieses Kind entschlossen auf den Weg und als lade es auch alle Zuhörer ein, sich mit ihm auf den Weg zu machen ...

30. Januar 2005 . Seit dem Mittag bin ich mit einer Schar von zwölf Kindern im Stuttgarter Zoo unterwegs, ich bin die Aufsichtsperson, aber als solche will ich nicht in Erscheinung treten, ich möchte nur ganz am Rande erscheinen, unsichtbar bleiben, den herumtollenden Kindern den Gang überlassen und nur zur Stelle sein, wenn eines der Kinder mich braucht. In meinem Rucksack habe ich zum ersten Mal den MP3-Player und Mozarts Musik dabei, die Kopfhörer und das Musikhören erscheinen mir als ideale Zeichen der Abgrenzung , als Zeichen, die den Kindern dann und wann demonstrieren, daß sie mich nicht weiter zu beachten brauchen.

Da auch im Zoo reichlich Schnee liegt, halten sich fast alle Tiere drinnen, in den großen, mit den Tier-Aromen durchtränkten Häusern auf, endlich ist man ihnen ganz nahe, und die Wärter nehmen sich Zeit, sich mit ihnen zu beschäftigen. Im Elefantenhaus sind die Tiere angekettet und werden mit einem kräftigen Wasserstrahl aus einem schweren Schlauch abgespritzt, die Kinder stehen ganz vorn, direkt vor dem Graben, und beobachten das Schauspiel in allen Einzelheiten. Ich aber habe mich in den hinteren Teil des großen Hauses auf eine an der gesamten Rückfront entlanglaufende Bank zurückgezogen, dort setze ich die Kopfhörer auf, und sofort verwandelt sich die gehörte Musik in eine Art Filmmusik zu den Bildsequenzen vor meinen Augen. Welche Musik aber könnte genau diese Sequenzen begleiten? Keine öffentliche, keine Repräsentationsmusik, sondern eine Musik, die sich klein macht und sich diesen sehr entlegenen Szenen anschmiegt, nur sehr wenige Instrumente, die auf ruhige Weise, bei sich bleibend, etwas Gelöstes, Freundschaftliches vermitteln. Eine Musik also am Rande, die niemand angestrengt zur Kenntnis nimmt, sondern die einige Musikanten zu ihrem eigenen Vergnügen aufführen, indem sie gleichsam auf dem Umweg über ihre Instrumente eine Art zweiter Konversation betreiben. Ich wähle die fünf Divertimenti ( KV 439b ) für zwei Klarinetten und Fagott, die Mozart wohl für musizierende Freunde komponierte und die von diesen Freunden dann in privatem Kreis gespielt wurden. Es sind unaufdringliche, sehr gelassene und in sich versunkene Stücke abseits vom Aufputz, den Stücke für den Aufführungs- und Konzertbetrieb haben. Die drei selbständig und dann wieder zu wechselnden kleinen Gruppen geführten Instrumente wenden sich an niemanden, sondern sprechen nur miteinander. Dabei werden die beiden helleren Klarinetten von dem tieferen Fagott gerahmt, gestützt, gehalten und immer wieder auf den Weg geschickt. Klarinetten und Fagott - diese minimalistische Kombination entspricht genau dem, was ich sehe: Die schw

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