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In den Straßen der Bronx Detective Edward Conlon über Leben und Sterben in New York von Conlon, Edward (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 14.10.2015
  • Verlag: Ankerherz Verlag
eBook (ePUB)
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In den Straßen der Bronx

New York City, in der Bronx: Das Revier von Detective Edward Conlon liegt auf der finsteren Seite der Stadt, in die sich kein Tourist verirrt. Eine Welt der Gangs, der Gewalt, der Drogen, der Verwahrlosung, in der es den Cops darum geht, jene Bürger zu schützen, die ein normales Leben führen wollen. Dabei werden auch die Polizisten zur Zielscheibe. Ein schwerer Stein, geworfen aus dem 20. Stockwerk, verfehlt Conlon nur um Zentimeter. Sechs Jahre lang ist Conlon, Absolvent der Harvard-Universität, auf Streife gegangen - und hat seine Erlebnisse zu einem intensiven, gefeierten New York Times-Bestseller verdichtet. 'In den Straßen der Bronx' ist auch die Innenansicht einer Familie irischstämmiger Cops, geprägt von alten Werten und dem unerschütterlichen Glauben an eine gute Sache. Der Stein, der ihn beinahe tötete, ziert heute Conlons Schreibtisch. Edward Conlon wurde 1965 in der Bronx geboren. Nach seinem Abschluss an der Universität von Harvard begann er 1995 seinen Dienst beim NYPD. 2002 wurde er zum Detective befördert. 2011 schied er aus dem Polizeidienst aus, um sich nach 2000 Fällen und zwei veröffentlichten Büchern ausschließlich dem Schreiben zu widmen. Er lebt in New York.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 352
    Erscheinungsdatum: 14.10.2015
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783940138996
    Verlag: Ankerherz Verlag
    Größe: 17024 kBytes
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In den Straßen der Bronx

KAPITEL 1 / ROOKIE IN DER BRONX

M eine erste Streife in New York City führte mich auf der East 156 Street in Richtung der Sozialbausiedlung an der Courtlandt Avenue im Süden der Bronx. Ich war erst wenige Schritte gegangen, da brummte von irgendwoher eine tiefe Stimme: "Leute, guckt mal. Wir haben einen neuen Sheriff." Man hatte uns gesagt, dass jeder uns sofort als "Rookie" erkennen würde, als Anfänger - am Leder unserer Gürtel und Schuhe, das so schön neu glänzte, und an den etwas dusseligen Gesichtern, denen noch jede Härte fehlte. Die Leute können einen neuen Polizisten förmlich riechen, wie frische Farbe. Ich drehte mich verlegen um in die Richtung, aus der die Stimme kam, und sah, dass sie zu einem besoffenen Obdachlosen gehörte, der unter einem riesigen Cowboyhut aus Styropor die Straße entlangtorkelte. Ich sagte im Geist das Credo des New York Police Departments auf, das mit den Worten beginnt: "Im Dienst der Gemeinde geloben wir, das Leben und das Eigentum unserer Mitbürger zu schützen und das Gesetz zu wahren, ohne je Partei zu ergreifen ..." Während unserer Ausbildung an der Polizeiakademie hatten wir den Spruch immer wieder heruntergebetet, so wie wir im Schulsport vor jedem Wettkampf das Ave Maria aufgesagt hatten. Den Beginn meines Dienstes für die Allgemeinheit hatte ich mir zwar anders vorgestellt, aber es zeigte sich mal wieder, dass Lernen viel mit der Anpassung von Erwartungen zu tun hat, und auch wenn ich meine Ausbildung an der Akademie abgeschlossen hatte, sollte mein eigentlicher Lernprozess erst jetzt beginnen.

Ich wurde der Polizeiinspektion 7 zugeteilt, oder PSA 7, wie wir sagen, was in unserem Kürzeljargon für "Police Service Area" steht. Unser Einsatzgebiet umfasste die Sozialbausiedlungen von fünf Polizeirevieren im Süden der Bronx - dem 40., 41., 42., 44. und 46. Schwerpunkt unserer Arbeit waren die Vier-Null und die Vier-Zwei.

An unserem ersten Tag im Dienst war die Wache mit purpurfarbenem und schwarzem Krepp geschmückt, zu Ehren eines Polizisten aus der Führungsetage, der an Aids gestorben war. Mehr wussten wir nicht, bis ein Typ in unseren Versammlungssaal stürmte und auf uns einbrüllte: "Es interessiert mich einen Scheiß, was diese Arschlöcher sagen. Mike war ein echter Kumpel und ein verdammt guter Polizist. Wenn ihr also etwas anderes hört, dann sagt denen, dass sie sich zum Teufel scheren sollen, und zwar mit einem schönen Gruß von mir!" So plötzlich, wie er aufgetaucht war, verschwand er auch wieder, und wir stiegen in die Busse, die uns zur Beerdigung fuhren. Wir wussten nicht, was wir dort sollten, und ließen es stumm über uns ergehen.

Das also war unsere Einführung in das Innenleben des Reviers - herzlich ging es zu, nur gewannen manchmal eben doch Korpsgeist und Tradition die Oberhand. Die meisten von uns hatten es nicht eilig damit, sich in das Gefüge einzuordnen; es würde sich schon früh genug ein Platz für jeden finden.

Die älteren Kollegen empfingen uns mit Spott oder Pöbeleien, was wir weder erwartet noch in irgendeiner Weise provoziert hatten. Ein Chef stellte sich beim Morgenappell hin und schiss uns erst einmal zusammen, als hätten wir monatelang die Miete nicht bezahlt; ein anderer begann ganz freundlich mit einem "Schön, euch zu sehen". Manche der älteren Cops nahmen uns unter ihre Fittiche, andere hatten für uns Rookies bloß Verachtung übrig. Einig waren sie sich nur in einem: dass wir die besten Zeiten natürlich verpasst hatten, die größten Polizisten genauso wie die schlimmsten Verbrechen und die fiesesten Gangster. Überhaupt war früher alles besser, vor allem die Truppe, die unter dem Namen "Housing Police" firmierte und in den Sozialbausiedlungen der Stadt für Recht und Ordnung sorgte. Drei Monate bevor wir unseren Dienst antraten, hatte New York nämlich noch drei verschiedene Polizeibehörden gehabt: Um den Frieden in den sozialen Brennpunkten kümmerte sich die Housing Police; für den Kosmos der U-Bah

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