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'Jede Note an Dich gerichtet!' Musikalische Widmungsgeschichten aus drei Jahrhunderten von Schneewind, Ursula (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 01.02.2012
  • Verlag: WBG Academic
eBook (ePUB)
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'Jede Note an Dich gerichtet!'

Das ?musikalische Opfer?, die ?Eroica?, ?Tristan und Isolde?, die ?Sinfonie der Tausend?, ?Ein Überlebender aus Warschau? - Werke die immer wieder aufs Neue Konzertbesucher und CD-Käufer in ihren Bann ziehen. Die Musik wurde tausendfach aufgeführt und gehört, doch die Geschichten rund um die Widmungen zu diesen Stücken blieben meist unbekannt. Dabei gibt es hier viel zu entdecken: Wut, Liebe, Leidenschaft oder die blanke Geldnot - es ist oft ungeahnt spannend, welche Historien sich hinter den Werken verbergen, über denen die weltberühmten Namen Bach, Mozart, Beethoven, Schubert, Wagner, Mahler, Berg und Schönberg stehen. Ursula Schneewind schreibt, auf wissenschaftliche Faktenbasis gestützt, in lebendigem, einfühlsamen Erzählton. Die teilweise ergreifenden Texte lesen sich so flüssig und unterhaltsam wie Kurzgeschichten. Ursula Schneewind arbeitet als freie Schriftstellerin und Autorin für den Bayerischen und den Westdeutschen Rundfunk. Neben vielen Features schrieb sie für ?Bayern 4 Klassik? den erfolgreichen und hoch gelobten Radio-Dreiteiler ?Verfemt, verfolgt, vertrieben - jüdisches Musikleben in mitteleuropäischen Metropolen: Wien, München und Berlin?. Die Musikwissenschaftlerin wurde in Köln mit einer Arbeit über Richard Strauss promoviert.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: AdobeDRM
    Seitenzahl: 280
    Erscheinungsdatum: 01.02.2012
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783534706303
    Verlag: WBG Academic
    Größe: 2613 kBytes
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'Jede Note an Dich gerichtet!'

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II
"Für ihr Singen stehe ich mit meinem Leben"

Eine lange Reise zu einer kurzen Liebe

Ihre Stimme klingt hinreißend. An diesem Nachmittag ist sie noch betörender als sonst. "Non sò d'onde viene quel tenero affetto" singt sie, "Ich weiß nicht, woher es kommt, dies zärtliche Gefühl" und sie scheint jeden Ton und jedes Wort dabei tief zu empfinden.

Wolfgang Amadeus Mozart ist selig. Diese Stunden wird er nie mehr vergessen. Es ist Donnerstag, der 12. März 1778. Im Hause des Mannheimer Hofkapellmeisters Christian Cannabich findet ein kleines Konzert zu seinen Ehren statt. Übermorgen wird er Mannheim verlassen und nach Paris fahren. Aus diesem Grund haben sich alle seine Freunde und Schüler zusammengefunden, um zum Abschied noch einmal für ihn zu musizieren. "Ich muß sagen, daß alle Kavaliere, die mich kannten, Hofräte, Kammerräte, andere ehrliche Leute und die ganze Hofmusik sehr unwillig und betrübt über meine Abreise war," wird er seinem Vater später berichten, doch an diesem Nachmittag scheint von Betrübnis nicht die Rede zu sein. Die Freunde sind guter Stimmung und überschütten ihn mit Komplimenten. Zum Auftakt des Konzerts haben Mozarts Schülerinnen Rosl Cannabich, Therese Piérron und Aloisia Weber sein Konzert für drei Klaviere gespielt, und sie haben es nach seiner Aussage "recht gut" gemacht. Doch dann kommt der eigentliche Höhepunkt. Die schöne Aloisia Weber tritt nämlich noch einmal auf, diesmal nicht als Pianistin, sondern als Sängerin, und sie singt so großartig, dass der Beifall gar kein Ende nehmen will. Wolfgang ist begeistert. "Die Mlle. Weber hat 2 Arien von mit gesungen, die Aer tranquillo von Rè Pastore und die neue, non sò d'onde viene," schreibt er später nach Salzburg, "Mit dieser letzten hat meine liebe Weberin sich und mir unbeschreiblich Ehre gemacht. Alle haben gesagt, daß sie noch keine Aria so gerührt habe wie diese; sie hat sie aber auch gesungen, wie man sie singen soll."

"Meine liebe Weberin"- so zärtlich drückt sich Mozart gewöhnlich nicht aus, wenn er seinem Vater von jungen Frauenzimmern erzählt, doch diesmal tut er es, und es scheint ihm Vergnügen zu machen, die außergewöhnliche Gesangskunst dieser Mademoiselle noch einmal in den Himmel zu heben. "Cannabich hat gleich wie die Aria aus war laut geschrieen: bravo, bravissimo maestro. Veramente scritta da maestro. Hier habe ich sie das erste Mal mit den Instrumenten gehört. Ich wollte wünschen, Sie hätten sie auch gehört, aber so wie sie da produziert, und gesungen wurde, mit dieser Akkuratesse im Gusto, piano und forte. Wer weiß, vielleicht hören Sie sie doch noch - ich hoffe es. Das Orchester hat nicht aufgehört die Aria zu loben und davon zu sprechen."

Als er diesen Brief schreibt, befindet er sich bereits in Paris, wo er tags zuvor mit seiner Mutter angekommen ist. Die Reise hat neuneinhalb Tage gedauert und war sehr strapaziös, wie Maria Anna Mozart ihrem Mann berichtet. Nach einer Woche mit schönstem Wetter seien die zwei letzten Tage unerträglich gewesen - der Wind habe sie "fast erstickt und der Regen fast ersäuft, daß wir beide im Wagen waschnaß sein worden und schier nicht schnaufen gekonnt." Ihr Sohn bestätigt: "Wir haben geglaubt, wir könnten es nicht aushalten. Ich hab mich mein Lebtag niemals so ennuirt." Und er setzt noch einen erstaunlichen Kommentar hinzu: "Sie können sich leicht vorstellen, was das ist, wenn man von Mannheim und von so vielen lieben und guten Freunden wegreiset, und dann zehnthalb Tage, nicht allein ohne diese guten Freunde, sondern ohne Menschen, ohne eine einzige Seele, mit der man umgehen oder reden könnte, leben muß."

Zehneinhalb Tage "ohne Menschen, ohne eine einzige Seele, mit der man umgehen oder reden könnte"? Was soll das heißen? Immerhin war die Mutter, mit der er sich gut verträgt, seine Reisegefährtin.

Vor zehneinhalb Tagen, am 13. März, hat Wolfgang ein Erlebnis gehabt, da

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