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Spieltraditionen, Personalstile und Signature-Licks der Rock and Roll-Gitarre Auf der Suche nach den stilprägendsten und einflussreichsten Instrumentalparts einer Ära von Schütze, Dennis (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 10.08.2012
  • Verlag: FUEGO
eBook (PDF)
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Spieltraditionen, Personalstile und Signature-Licks der Rock and Roll-Gitarre

Das Buch ist die schriftliche Dokumentation einer Suche nach den stilprägendsten und einflussreichsten Ausprägungen der Rock and Roll-Gitarre. In der Einleitung wird der Musikstil 'Early Rock and Roll' hergeleitet und vom sog. Rock and Roll-Livestyle abgegrenzt (Kap. 1). Zeitlich und territorial wird die Betrachtung auf die Jahre 1954 bis 1960 und das Gebiet der USA beschränkt. Der Erstellung einer Auswahl stilprägender Einspielungen ist der zweite Teil der Arbeit gewidmet (Kap.2). Auf der Grundlage des Modells zum kulturellen und kommunikativen Gedächtnis (Assmann) wird aus 40 Quelllisten der Jahre 1954 bis zur Gegenwart mit insgesamt mehr als 6000 Einzelnennungen eine 'Manifestation des Traditionsstroms der Rock and Roll-Gitarre' generiert. Die Ergebnisliste umfasst 50 verschiedene, stilprägende Einspielungen der Ära mit hoher Gitarrenrelevanz. Eine Auswahl von sieben Einspielungen der Jahre 1954-1960 bildet das Ausgangsmaterial für die exemplarischen Analysen, die den Hauptteil des Buches bilden (Kap. 3). Die Analysen basieren auf selbsterstellten Transkriptionen aller Stimmen einer Einspielung, dargestellt in Noten und Tabulatur. Die Methodik der Analysen umfasst die produktionstechnischen Stammdaten, eine allgemeine formale, rhythmische, harmonische und melodische Analyse, sowie eine detailsgenaue Untersuchung des Gitarrenparts. Die Erkenntnisse werden jeweils zu einem Katalog von stückspezifischen Merkmalen zusammengefasst und mit stilistisch vorangegangenen und nachfolgenden Spielweisen in Beziehung gesetzt. Zusammenfassend ergeben die Analysen, dass sich trotz individueller Unterschiede einige häufig zu beobachtende Merkmale der Einspielungen zu einer Spieltradition der Rock and Roll-Gitarre verdichten und darstellen lassen. Durch die aufwändige Recherche und umfassende Datenlage können einige populäre Mythen, Legenden und Missverständnisse im Umfeld der ausgewählten Einspielungen aufgeklärt werden. Abschließend kann die Erstellung eines Traditionsstroms der Rock and Roll-Gitarre anhand von stilprägenden Einspielungen als gelungen angesehen werden (Kap. 4). Die Erstellung der Transkriptionen und die anschließende Analyse der Einspielungen ist praktikabel und erbringt interessante, neue Erkenntnisse. Die Suche nach einflussreichen Vorläufern und Nachfolgern eines spielstilistischen Merkmals ermöglicht eine faktenbasierte Verortung der Einspielungen und ihrer Protagonisten und könnte zum musikwissenschaftlichen Werkzeug für die Erstellung musikgeschichtlicher Genealogien innerhalb der Pop/Rockgeschichte werden. Dennis Schütze studierte Gitarre, Musikwissenschaft und Amerikanistik in Würzburg und Freiburg. Er promovierte bei Andreas C. Lehmann an der Hochschule für Musik in Würzburg und ist Lehrbeauftragter für Gitarre, Gehörbildung und Songwriting am Institut für Musikforschung der Julius-Maximilians-Universität in Würzburg. Seine Forschungsschwerpunkte sind Geschichte, Analyse und Praxis nordamerikanischer Populärmusik. Neben seiner akademischen Tätigkeit arbeitet er als Singer/Songwriter, Gitarrist und Produzent an diversen Projekten.

Produktinformationen

    Format: PDF
    Kopierschutz: none
    Seitenzahl: 328
    Erscheinungsdatum: 10.08.2012
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783862870455
    Verlag: FUEGO
    Größe: 15383 kBytes
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Spieltraditionen, Personalstile und Signature-Licks der Rock and Roll-Gitarre

2. Selektion der Werke

2.1 Theoretische Grundlagen zur Erstellung einer Auswahl repräsentativer Werke

2.1.1 Kommunikatives und kulturelles Gedächtnis

Die folgenden Überlegungen beziehen sich zu einem großen Teil auf die Theorien des deutschen Ägyptologen Jan Assmann (1997). Ausgehend von dem von Maurice Halbwachs in den 1920er Jahren entwickelten Begriff "Kollektives Gedächtnis" hat Assmann den Dualismus zwischen "Kommunikativem und Kulturellem Gedächtnis" entwickelt und seine Erkenntnisse aus der Altertumsforschung zu einer allgemeinen Theorie von kultureller Erinnerung zusammengefasst, die unter anderem die Themen Kanon und Kanonbildung, Traditionsstrom, Ritual, Identität usw. detailliert erläutert. Assmanns Theorien sind die zum heutigen Zeitpunkt aktuellsten, umfassendsten und einflussreichsten Überlegungen zum Thema (Erll 2005) und lassen sich ohne große Schwierigkeiten auf kulturelle Prozesse des 20. Jahrhunderts übertragen. Sie sollen daher als theoretischer Ausgangspunkt für die nachfolgenden Betrachtungen dienen. Assmanns grundsätzliche Zweiteilung des kollektiven Gedächtnisses in die Pole kommunikatives und kulturelles Gedächtnis wird im Folgenden kurz tabellarisch dargestellt.

kommunikatives Gedächtnis

kulturelles Gedächtnis

Inhalt

Geschichtserfahrungen im Rahmen individueller Biographien

mythische Urgeschichte, Ereignisse einer absoluten Vergangenheit

Formen

informell, wenig geformt, naturwüchsig, entstehend durch Interaktion, Alltag

gestiftet, hoher Grad an Geformtheit, zeremonielle Kommunikation, Fest

Medien

lebendige Erinnerung in organischen Gedächtnissen, Erfahrungen und Hörensagen

Feste Objektivationen, traditionelle symbolische Kodierung/Inszenierung in Wort, Bild, Tanz usw.

Zeitstruktur

80-100 Jahre, mit der Gegenwart mitwandernder Zeithorizont von 3-4 Generationen

absolute Vergangenheit einer mythischen Urzeit

Träger

unspezifisch, Zeitzeugen einer Erinnerungsgemeinschaft

spezialisierte Traditionsträger

Abb. 2: Polarität von kommunikativem und kulturellem Gedächtnis (Assmann 1997, S. 56)

Das kommunikative Gedächtnis umfasst Erinnerungen, die sich auf die rezente Vergangenheit beziehen. "Es sind dies Erinnerungen, die der Mensch mit seinen Zeitgenossen teilt. [...]. Es entsteht in der Zeit und vergeht mit ihr, genauer: mit seinen Trägern. Wenn die Träger, die es verkörpern, gestorben sind, weicht es einem neuen Gedächtnis. Dieser allein durch persönlich verbürgte und kommunizierte Erfahrung gebildete Erinnerungsraum entspricht [...] ca. 80 Jahren." (Assmann 1997, S. 50). Dem gegenüber steht das kulturelle Gedächtnis, das sich auf Fixpunkte in der Vergangenheit richtet. "Auch in ihm vermag sich Vergangenheit nicht als solche zu erhalten. [...]. Der Unterschied zwischen Mythos und Geschichte wird hier hinfällig. Für das kulturelle Gedächtnis zählt nicht faktische sondern nur erinnerte Geschichte" (Assmann 1997, S. 52).

Für unsere Betrachtung interessant sind Assmanns Ausführungen zum kommunikativen Gedächtnis, das nach etwa 3-4 Generationen oder 80-100 Jahren mit dem sogenannten "floating gap" (benannt durch Jan Vansina, 1985) fließend in das kulturelle Gedächtnis übergeht. Innerhalb dieser 80-100 Jahre kommt es zu einem interessanten Phänomen, denn es scheint sich in der Mitte dieses Zeitraums nach 40 Jahren eine "kritische Schwelle" (Assmann, S. 51) zu bilden. Laut Assmann treten nach diesem Zeitraum "die Zeitzeugen, die ein bedeutsames Ereignis als Erwachsene erle

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