text.skipToContent text.skipToNavigation
background-image

Das Ende Von der heiteren Hoffnungslosigkeit im Angesicht der ökologischen Katastrophe von Fuller, Gregory (eBook)

  • Verlag: Felix Meiner Verlag
eBook (ePUB)
12,99 €
inkl. gesetzl. MwSt.
Sofort per Download lieferbar

Online verfügbar

Das Ende

Das weltweit dramatische Artensterben, die Wirkungslosigkeit des Pariser Klimaabkommens und nicht zuletzt der Rollback in der US-amerikanischen Klimapolitik werfen in eindringlicher Weise die Frage auf, wie mit der scheinbar unaufhaltsamen ökologischen Katastrophe philosophisch angemessen umzugehen ist. In seinem klugen, leicht verständlichen und mit Vehemenz geschriebenen Essay, der stilistisch in der Montaigne-Tradition steht und unverkennbar Anleihen etwa bei Günther Anders nimmt, konfrontiert der Autor Leserinnen und Leser in provokativer Weise mit der Diagnose: Es ist zu spät. Materialreich zeichnet er die Geschichte des Menschen und seiner Selbsterhebung über sich selbst nach und beschreibt die menschengemachten, todbringenden Prozesse, deren Folgen offenkundig weder rückgängig gemacht noch beherrscht werden können. Fuller gelangt zu der aufrüttelnden Erkenntnis, dass nur die Akzeptanz des Unabänderlichen, eine 'heitere Hoffnungslosigkeit', der Situation angemessen sein kann. Sie allein erzeugt einen 'Zustand ruhiger Wachheit, der in den zivilen Ungehorsam treibt'. In einem aktuellen, umfangreichen Schlusskapitel zieht der Autor Bilanz und skizziert die Wege und Handlungsmöglichkeiten, die es dem Individuum seiner Ansicht nach im destruktiven Anthropozän ermöglichen, psychisch zu überleben. 'Fuller ist ein glänzender Stilist ... stark ist er vor allem in Anamnese und Diagnose unserer real existierenden ökologischen Verhältnisse.' (Badische Zeitung) 'Sich mit dem Unvermeidlichen abzufinden ist das letzte, was bleibt ... Diese stille, unaufgeregte Reaktion macht das Buch eindrucksvoller als die laute Sprache, in der die Apokalyptiker, insbesondere die deutschen, für ihre Sache eintreten.' (FAZ) 'Fuller plädiert in seinem brillant geschriebenen Essay für Ehrlichkeit. Die Lage ist aussichtslos ... Seine Haltung erinnert an Camus: Gerade weil das Leben absurd ist, macht Moral Sinn.' (Udo Marquardt, Radio Freiburg) Gregory Fuller, 1948 in Chicago geboren, kam 1957 nach Deutschland. Er studierte in Tübingen und Marburg Philosophie, Kunstwissenschaft und Amerikanistik; Promotion 1975. Seit 1976 hat er zahlreiche wissenschaftliche Arbeiten, vor allem auf dem Gebiet der Ästhetik, zwei Kunstbücher sowie zwei historische Romane veröffentlicht. Er war 35 Jahre lang Verlagsredakteur für Anglistik und lebt bei Stuttgart.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: AdobeDRM
    Seitenzahl: 118
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783787333288
    Verlag: Felix Meiner Verlag
    Größe: 175 kBytes
Weiterlesen weniger lesen

Das Ende

Vorspiel zum Finale Signifying nothing

FRAGTE MAN BIOLOGEN, was den Sinn des Lebens ausmacht, lautete ihre Antwort: Leben zu reproduzieren. Ein beinahe mechanischer Sinn, ein Minimalsinn. Ein schlichter Sinn, der in evolutionär normalen Zeiten genügen mag.

Wir aber, am Ende dieses Jahrtausends, leben in perversen Zeiten. Die expansive Spezies Mensch hat die Erde längst überbevölkert. Die Über-Reproduktion sichert das Überleben nicht, sondern zerstört es. Längst haben wir die Erde in eine durchchemisierte Plantage verwandelt. Alle anderen Spezies haben wir zurückgedrängt. In atemberaubendem Tempo vernichten wir die Artenvielfalt, was im Endeffekt alle gewachsenen, natürlichen Kreisläufe unterbindet und zum Aussterben aller Spezies führen wird. Wenn also evolutionäre Prinzipien sich umkehren und die Dominanz einer Spezies zum raschen Ableben aller führt, drängt sich die Hinterfragung des Sinns überhaupt auf. Das Versagen des evolutionären Sinnprinzips, Reproduktion und Ernährung zum Zweck des Überlebens, fordert das metaphysische Wesen, das wir auch sind, heraus. Der Umstand, dass sogar der biologische Minimalsinn fragwürdig geworden ist, veranlasst mich, darüber nachzudenken, ob es denn statt dessen einen metaphysischen oder theologischen Maximalsinn gibt und ob uns dieser irgendwie von Nutzen sein kann. Vielleicht wird uns die Einsicht in unsere Fehler helfen, den Sinn neu zu definieren und damit die ökologisch sich abzeichnende Katastrophe angemessen zu begreifen.

Mit philosophischen Plattitüden darf man sich dabei nicht abspeisen lassen. Sie geben Erklärungen nur vor: die Faulheit des Geistes, die Dummheit der Spezies Mensch, die ewige Indolenz der gesetzten Leute, die Unaufgeklärtheit der Massen, die Zungenschwere angesichts des irdischen Unrechts, die Naivität der Gläubigen, die Engstirnigkeit der Kleinbürger, der Opportunismus der Aufsteiger, die Machtverliebtheit der Politiker, die zerstörerische Funktionsmanie der Technokraten.

Man lasse die feine, edle, so distanzierte Aufgeklärtheit beiseite, die, stets kopfschüttelnd, zu einem scheinbar wohlbegründeten Pessimismus gelangt, schopenhauergleich und selbstgerecht. Aus der Plattitüde der Dummheit der Spezies lässt sich nur die fruchtlose philosophische Plattitüde selbst gewinnen. Die Aufklärungsphilosophie, welche sich der milden Verteufelung unserer Gattung hingab, schlägt um in seichten Pessimismus. Um diesen soll es hier nicht gehen.

Man nehme weder die Pose des späten Aufklärers noch die des Misanthropen ein. Der Mensch, heißt es, sei ein Bösewicht und ein Langweiler dazu, wenn es um das Gute geht, sei Ratte und Skorpion in einem, ein Folterknecht dem Mitmenschen. Keine Spezies verfahre so mörderisch mit der eigenen Art wie der Mensch. Homo homini lupus. Wie Recht hatte Hobbes. Kurz: Machen wir uns nicht die Haltung des Verbitterten zu eigen, dem nichts einfällt außer: der Mensch, das Untier.

Schlüpfen wir ebenso wenig in die elegante Rolle des Blasierten. Man hat vieles gesehen, man ist weit gereist, man hat Abenteuer erlebt, man hat geliebt, man war verheiratet, man kennt das Leben zur Genüge. Und zu welchem Behuf? Alles schon dagewesen, man ist postmodern, alles bekannt, alles sinnlos, l'ennui lässt grüßen. Man gähnt, man greift langsam und mit schlaffer Hand zum nächsten Espresso.

Weder die Pose des selbstgerechten, enttäuschten Aufklärers noch die Pose des Verbitterten, noch die Pose des Blasierten nützen dem Menschen, der unter dem Damokles-Schwert lebt. Posen perpetuieren nur ihr eigenes Vorurteil. Posen, Projektionen und Vorurteile, die nur Trauer gebären, nützen niemandem. Sie lähmen jeden.

Geht man in der Geistesgeschichte ein wenig zurück, entsinnt man sich vieler Sinnantworten. Da wäre zu Beginn der Neuzeit Leibniz. Seine göttliche Ordnung nannte er prästabilier

Weiterlesen weniger lesen

Kundenbewertungen