text.skipToContent text.skipToNavigation
background-image

Der Begriff der Tugend und die Grenzen der Tugendethik von Halbig, Christoph (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 11.11.2013
  • Verlag: Suhrkamp
eBook (ePUB)
19,99 €
inkl. gesetzl. MwSt.
Sofort per Download lieferbar

Online verfügbar

Der Begriff der Tugend und die Grenzen der Tugendethik

Tugenden haben Konjunktur. Ihr angeblicher Verlust wird ebenso kulturkritisch beklagt, wie eine Wiederbelebung ganz heterogener Kataloge von Tugenden gefordert wird. Doch was ist eigentlich eine Tugend? Wie verhalten sich Tugenden und Laster zueinander? Trägt Tugend zum Glück des Tugendhaften bei oder ist der Tugendhafte eher der Dumme? Setzen die Tugenden einander voraus oder sind sie unabhängig voneinander zu haben? Christoph Halbig beantwortet diese Fragen im Rahmen einer umfassenden Ontologie der Tugend und unterzieht die Leistungsfähigkeit dieser Kategorie in der Ethik so einer kritischen Prüfung. Christoph Halbig ist Professor für Philosophie an der Justus-Liebig-Universität Gießen. Veröffentlichungen im Suhrkamp Verlag: Die neue Kritik der instrumentellen Vernunft und Hegels Erbe .

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 388
    Erscheinungsdatum: 11.11.2013
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783518733875
    Verlag: Suhrkamp
    Größe: 2017 kBytes
Weiterlesen weniger lesen

Der Begriff der Tugend und die Grenzen der Tugendethik

29 1. Ontologie der Tugend

1.1 Fünf vorbereitende Klärungen

Was ist eine ethische Tugend? Bevor eine Beantwortung dieser grundlegenden Frage versucht werden kann, bedarf es fünf vorbereitender Klärungen, die es erlauben sollen, Bedeutung und Implikationen der Frage selbst besser einzuschätzen:

Erstens wird in der Ausgangsfrage "Tugend" in einer Bedeutung verwendet, die einen Plural zulässt. So reden wir davon, dass Mut eine Tugend ist – neben anderen wie Gerechtigkeit, Besonnenheit etc. In einer anderen Bedeutung lässt "Tugend" hingegen keinen Plural zu – so stellen wir Tugend und Laster einander gegenüber. Wer über Tugend in diesem zweiten Sinne verfügt, dem schreiben wir die holistische Eigenschaft zu, über einen insgesamt moralisch guten Charakter zu verfügen – wir betrachten ihn eben als tugendhaft. [36] Ein solcher Charakter wird sicher eine Reihe von Tugenden beinhalten, möglicherweise sogar alle , wenn die so genannte These der Einheit der Tugenden zutrifft, der zufolge jemand nur dann über eine einzige der Tugenden verfügen kann, wenn er über alle anderen verfügt. Selbst dann aber muss zwischen den beiden Bedeutungen unterschieden werden, um etwa die Frage klären zu können, inwiefern eben alle einzelnen Tugenden zusammen die Tugend im Sinne eines moralisch guten Charakters ausmachen. Im Folgenden wird es ausschließlich um die Ontologie der Tugenden, 30 nicht aber um die der Tugend gehen. Erst wenn in den folgenden Kapiteln Überlegungen zum Zusammenhang der Tugenden einerseits untereinander, andererseits zum moralisch richtigen Handeln sowie zum Problem einer unabschließbaren Proliferation von Tugenden angestellt werden, wird Tugend in der zweiten, nicht pluralisierbaren Bedeutung erneut in den Blick kommen können. [37]

Zweitens geht es um die Ontologie ethischer Tugenden. Der Begriff der Tugend hat sowohl in verschiedenen Sprachen wie in verschiedenen Epochen große Bedeutungsschwankungen durchgemacht: Während das griechische ????? jede Form der Tüchtigkeit bzw. Vortrefflichkeit (und sei es die eines Rasenmähers bei der Erfüllung seiner Funktion, eben des Mähens eines Rasens) umfasst, war in Viktorianischer Zeit der Begriff virtue nicht nur auf den Bereich der Moral beschränkt, sondern wurde nahezu gleichbedeutend gebraucht mit einer einzigen ethischen Tugend, nämlich der Enthaltsamkeit ( chastity ). In dieser Untersuchung soll der Begriff der Tugend weder in einem so weiten noch in einem so engen Sinn gebraucht werden: Er dient im Folgenden zur Bezeichnung nicht einer einzelnen , als paradigmatisch betrachteten Tugend, sondern zur Bezeichnung einer distinkten Art von Tugenden, nämlich der ethischen, die sich von anderen Arten von Tugenden durch spezifische Merkmale unterscheidet. Die Frage, wie viele und welche Arten von Tugenden es gibt, muss außerhalb der Grenzen dieser Untersuchung bleiben. Am Ende dieses Kapitels wird sich allerdings die Gelegenheit ergeben, anhand der erarbeiteten Merkmale der ethischen Tugenden einige Abgrenzungen gegenüber wichtigen anderen Arten von Tugenden vorzunehmen. Dabei wird sich zeigen, dass die Unterscheidungsmerkmale jeweils auf ganz unterschiedlichen Ebenen liegen: So unterscheiden sich etwa ethische und theologische Tugenden primär durch die Art ihres Erwerbs (Erstere entstehen durch Einübung, Letztere werden durch göttliche Gnade vermittelt [38] ), ethische Tugenden und dianoetische Tugenden, also 31 solche des Verstandes, hingegen dadurch, dass sie auf ein jeweils distinktes formales Ziel, nämlich einerseits das Gute, andererseits das Wahre, ausgerichtet sind.

Weiterlesen weniger lesen

Kundenbewertungen