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Gefühl und Rationalität Eine philosophische Untersuchung zur Theorie Antonio Damasios von Schumann, Nadine (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 20.08.2013
  • Verlag: Tectum Wissenschaftsverlag
eBook (ePUB)
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Gefühl und Rationalität

Bestimmen unsere Gefühle unser Bewusstsein? Ist der Mensch zu rationalem und vernünftigem Handeln nur fähig, wenn er fühlt? Und wenn ja, welche Rolle spielen dann bewusste Prozesse, und wie werden sie im Gehirn umgesetzt? Der Portugiese Antonio Rosa Damasio, Professor für Neurologie und Psychologie an der University of Southern California, gilt weltweit als Koryphäe auf diesem Gebiet. Sein hochkomplexes Theoriegebäude liefert, evolutionstheoretisch begründet, plausible Erklärungen: Handfeste Befunde zeigen, dass emotionale Reaktionen des Organismus entscheidenden Einfluss auf unsere Verstandesstrategien ausüben. Eine Trennung von Körper und Geist gibt es demnach nicht. Vielmehr schließen wir bei jeder Entscheidung auf der Grundlage vorheriger Erfahrungen alle emotional nicht akzeptablen Varianten aus. Allerdings bleibt auch Damasios Theorie nicht ohne Kritik. Nadine Schumann beleuchtet Damasios Standpunkt aus philosophischer Perspektive und referiert Kritikpunkte. Nur im interdisziplinären Diskurs, so Schumann, werden Philosophen, Neurowissenschaftler und Evolutionsbiologen zu einer Synthese gelangen.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 152
    Erscheinungsdatum: 20.08.2013
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783828856547
    Verlag: Tectum Wissenschaftsverlag
    Größe: 1266 kBytes
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Gefühl und Rationalität

II. Gefühle, Bewusstsein und Selbst

II. 1. Gefühle

Wie schon erwähnt, unterscheidet Damasio zwischen Emotion und Gefühl aus erkenntnistheoretischen und methodischen Gründen: "Emotions play out in the theater of the body. Feelings play out in the theater of the mind." 1 Gefühle sind dem Beobachter nicht zugänglich, sie verbleiben in der subjektiven Perspektive. Damasio geht sogar noch weiter und behauptet, dass die Emotionen den Gefühlen vorausgehen: "We have emotions first and feelings after because evolution came up with emotions first and feelings later. Emotions are built from simple reactions that easily promote the survival of an organism and thus could easily prevail in evolution" 2 .

Abb. 3: Gefühle als Triebspitzen

Demzufolge korreliert Entstehung oder Vorhandensein von Gefühlen mit zunehmender Komplexität des Gehirns. Gefühle bilden eine weitere Ebene der homöostatischen Steuerung von Lebensvorgängen, sie gelten als mentaler Ausdruck aller anderen Ebenen der Lebensregulation. In Damasios Modell bilden die Gefühle die ,Spitzen und Triebe' des Baumes (s. Abb.3) 3 .

II.1.1. Definition

Damasio definiert Gefühl vorläufig in folgender Hypothese: " a feeling is the perception of a certain state of the body along with the perception of a certain mode of thinking and of thoughts with certain themes " 4 .

Gefühle sind zum einen Wahrnehmungen, deren erforderliche Grundlage vom Gehirn durch eine Kartierung des Körpers konstruiert wird. Zum anderen spielen auch die Wahrnehmung von Gedanken, die mit der entsprechenden Emotion einhergehen, und die Wahrnehmung einer bestimmten Art zu denken, der mentalen Verarbeitungsweise eine Rolle (Wirkung von Gefühlen?). 5 Um zu erklären, wie diese Wahrnehmung entsteht, greift Damasio den Begriff der Metarepräsentation auf. Die Wahrnehmung von Gedanken in Verbindung mit einer bestimmten mentalen Verarbeitungsweise entsteht, so der Autor, aus der Konstruktion von Metarepräsentationen unseres eigenen mentalen Prozesses. Er versteht dies als eine Operation höherer Ordnung, bei der ein Teil des Geistes einen anderen Teil des Geistes repräsentiert. Gefühle sind Vorstellungen (s. Kap.II.2.3).

Das Gefühl ist eine Konsequenz des fortlaufenden homöostatischen Prozesses, es entsteht, wenn die Aktivität in einem Teil des Nervensystems ,ein kritisches Ausmaß erreicht'. 6 Gefühle sind nicht Ansammlungen von Gedanken zu Themen, die mit einem bestimmten Gefühl in Einklang stehen (z. B. Verlustsituation und Traurigkeit). Reduziert man das Gefühl auf Gedanken, so wären sie von anderen Gedanken, die nichts mit Gefühlen zu tun haben, nicht mehr zu unterscheiden. Nach Damasio verdanken Gefühle ihre funktionale Besonderheit jenen Gedanken, die den Körper in seinen reaktiven Prozessen repräsentieren. 7 Der Ursprung der Wahrnehmungen, die den Kern eines Gefühls ausmachen, ist der Körper, der als das allgemeine Objekt in seinen vielen Einzelteilen permanent in einer Anzahl von Hirnstrukturen abgebildet wird (s. Kap.II.2.).

Inhaltlich implizieren diese Wahrnehmungen verschiedene Körperzustände, die in differenzierter Hinsicht in den Karten repräsentiert werden, die den Körper darstellen (z. B. Unterschied angespannte vs. entspannte Muskeln). "The immediate substrates of feelings are the mappings of myriad aspects of body states in the sensory regions designed to receive signals from the body." 8 Um überhaupt körperliche Verfassungen wahrzunehmen, sind sensorische Karten erforderlich, in denen neuronale Muster erfasst werden können. Allerdings ist unklar, wie nun genau mentale Zustände aus diesen neuronalen Mustern entstehen (Erklärungslücke, s. Kap.III.4.3.). Damasio geht allerdings davon aus, dass der Entstehungsprozess von mentalen ,Bildern' aus identifizierbaren Substraten hervorgeht. Zusammenfassend ist der wesentliche Inhal

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