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Im Namen der Freiheit Leben und Philosophie des Albert Camus von Onfray, Michel (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 12.08.2013
  • Verlag: Knaus
eBook (ePUB)
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Im Namen der Freiheit

Michel Onfray feiert Albert Camus als hochaktuellen Denker und Freiheitskämpfer An seinem 100. Geburtstag ist Albert Camus' Denken aktueller denn je: Mut, Mäßigung, Ehrlichkeit, Menschlichkeit, Gerechtigkeit. Michel Onfray porträtiert ihn als Vorbild gerade für schwierige Zeiten. Immer stand Camus an der Seite der einfachen Menschen seiner Herkunft und beharrte darauf, Gewalt nicht mit Gewalt zu vergelten und Freiheit auch als Verpflichtung zu begreifen. Wenn es ein Buch braucht, um Camus neu zu entdecken, dann dieses. Der Philosoph Michel Onfray, geboren 1959 in Argentan/Frankreich, gründete 2002 in Caen die "Université Populaire", eine Art Volksuniversität, zu der jedermann Zutritt hat. Jährlich besuchen Tausende Zuhörer seine Vorlesungen. Mit seiner Absage an alle Religionen und dem Plädoyer für ein freies, vernunftbestimmtes Leben entfachte er eine leidenschaftlich und kontrovers geführte Debatte. Er verfasste mehr als 50 Bücher, die in über 25 Ländern übersetzt wurden, unter anderem "Traité d'athéologie" (Dt: "Wir brauchen keinen Gott") und eine mehrbändige Gegen-Geschichte der Philosophie.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 576
    Erscheinungsdatum: 12.08.2013
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783641107970
    Verlag: Knaus
    Originaltitel: L'Ordre libertaire - La vie philosophique d'Albert Camus
    Größe: 713 kBytes
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Im Namen der Freiheit

1 - Genealogie eines Philosophen

Wie wird man, was man ist?

" Welch ein Mann wäre ich, wenn ich nicht

das Kind gewesen wäre, das ich war! "

Camus, Tagebücher 1935 - 1951

Die Idiosynkrasie des Libertärs

Camus spürte eine " beinahe organische Intoleranz " ( Der Künstler und seine Zeit ) gegenüber der Ungerechtigkeit. Er wusste nicht weshalb und fand sich so de facto an der Seite der Armen, Erniedrigten und Misshandelten wieder. Er sah sich angesichts des Elends der Hilflosen außerstande, den Schlaf des Gerechten zu schlafen. Die Formulierung " organisch " riecht nach Nietzsche, genauer nach dessen Theorie der Idiosynkrasie, welche das Denken und den dieses Denken hervorbringenden Körper ins Auge fasst sowie die Philosophie und die Biographie des Philosophen, seine Sicht auf die Welt und seine Situation in der Welt.

Für Camus ist der Autor der Fröhlichen Wissenschaft lebenslang ein positiver Bezugspunkt, eine Art Vorbild, an dem man sich schulen kann, ohne dass es selbst zum Lehrer würde. Bekanntlich beschäftigte Nietzsche sich mit einer Physik der Metaphysik, mit einer empirischen Genealogie dessen, was die offizielle institutionelle Philosophie als transzendental bezeichnete. Ohne explizit auf diese ihm natürlich bekannte Theorie Bezug zu nehmen, weist Camus in Hochzeit des Lichts die schöne, aber falsche Vorstellung zurück, ein Autor spreche nur von sich, und seine Gedanken entsprängen seiner Geschichte. Camus zufolge ist dies eine irrige, kindische Vorstellung.

Dennoch ist es nicht denkbar, dass die Intoleranz gegenüber jeder Form von Ungerechtigkeit - Camus' existentielles Erkennungszeichen - einfach vom Ideenhimmel herabgefallen ist, an den er ohnehin nicht glaubte. Wieder und wieder bekräftigte er, kein Philosoph zu sein. (Interview mit Servir, II , S. 659; Tagebücher 1942 - 194 S. 241; Entretien sur la révolte, Gespräch über die Revolte, III , S. 402; Révolte et romantisme, Revolte und Romantik, III , S. 411) Die Philosophie erschien ihm meistens wie eine Art Theologie ohne Gott, ein folgenloses Spiel mit Begriffen, eine Sophisterei ohne Ziel, eine durch die Berufsphilosophen zusätzlich verkomplizierte Fachrhetorik. In der Geschichte der Philosophie erstrahlt Camus als Denker der radikalen Immanenz. Kein anderer im 20. Jahrhundert ging der konkreten Materie der Welt, der greifbaren Prosa der Wirklichkeit derart auf den Grund, kein anderer war wie er zugleich frei von den Macken der Philosophenzunft und griff auch noch zur Dichterfeder. Außer Camus. Wie vor ihm Nietzsche.

Nun, da Camus sich als organisch gegen Ungerechtigkeit, Elend, Armut und Erniedrigung gerichteter Mensch konstituiert hat, können wir uns der historischen Entstehung dieses Wesens zuwenden. Schrieb er doch: " Eine gewisse Zahl an elendig zugebrachten Jahren genügt, um Empfindsamkeit hervorzurufen. " ( II , S. 795)

Dieses Eingeständnis legt den Gedanken nahe, Camus' Sensibilität sei in seiner Kindheit entstanden - eine Annahme, der man sich wohl nur schwer entziehen kann. Man wird nicht als das geboren, was man ist, sondern entwickelt sich dazu. Wie wurde Camus zu jenem radikal gegen die Ungerechtigkeit aufbegehrenden Philosophen? In anderen Worten: Was führte dazu, dass dieses Kind, als es zum Mann herangewachsen war, schließlich libertäre Tendenzen entwickelte?

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