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Maurice Merleau-Ponty zur Einführung von Bermes, Christian (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 09.03.2017
  • Verlag: Junius Verlag
eBook (ePUB)
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Maurice Merleau-Ponty zur Einführung

Maurice Merleau-Ponty (1908-1961) ist eine Schlüsselfigur der französischen Philosophie im 20. Jahrhundert. Seine produktive Verbindung von Phänomenologie und Existenzialismus hat immer wieder die Grenzen von Wissenschaft und Philosophie ins Wanken gebracht und nicht nur seine Fachkollegen fasziniert. Christian Bermes zeigt in seiner Einführung, wie Merleau-Ponty die erkenntnistheoretischen Einseitigkeiten von Empirismus und Intellektualismus vermeidet und in der Leiblichkeit, Geschichte, Sprache und Lebenswelt die Konkretisierungen der endlichen Existenz des Menschen findet. Christian Bermes ist Professor für Philosophie an der Universität Koblenz-Landau.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 191
    Erscheinungsdatum: 09.03.2017
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783960600374
    Verlag: Junius Verlag
    Größe: 583 kBytes
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Maurice Merleau-Ponty zur Einführung

Phänomenologische Variationen: Von der Phänomenologie des Leibes zur Ontologie des wilden Seins

In seinem 1959 publizierten Aufsatz Der Philosoph und sein Schatten , der dem Andenken Husserls gewidmet ist, erklärt Merleau-Ponty gleich zu Anfang, daß es nicht einfach sei, all das zu erkennen, was Husserls Verdienst war, gerade wenn man ihm viel verdanke. (AuG, 243) Und in der Tat, Merleau-Ponty schuldet Husserl im besonderen und der phänomenologischen Bewegung mit Heidegger, Scheler und Fink im allgemeinen sehr viel. In einem Interview aus dem Jahre 1946 bemerkt er, daß er und seine Zeitgenossen mit der Frage konfrontiert waren, wie man einen Ausweg aus dem Idealismus finden könne, ohne in die Naivität des Realismus zurückzufallen. Diesen Weg, so Merleau-Ponty weiter, wiesen Husserl und Heidegger. In ihren Philosophien finde sich eine mögliche Antwort, indem ein erweiterter Begriff der Philosophie vorstellig werde, der auch dasjenige Milieu thematisch werden läßt, worin sich unser konkretes Leben abspielt. (Parcours I, 66f.) Nicht bloß taucht der Name des Begründers der Phänomenologie, weniger derjenige Heideggers, immer wieder in den Texten auf, Phänomenologisches ist in den Schriften Merleau-Pontys allgegenwärtig. Angefangen von den Problemstellungen und den Lösungsansätzen der Phänomenologie über die phänomenologische Methode und ihre Terminologie bis hin zu angedeuteten oder nicht ausgearbeiteten Projekten Husserls reichen die philosophischen Bemühungen des nach Ricoeurs Einschätzung "größten französischen Phänomenologen" 33 .

Die Verquickung Merleau-Pontyschen Denkens mit der Phänomenologie ist dabei nicht geprägt durch eine schlichte Übernahme der Husserlschen Philosophie oder eine bloße Applikation derselben auf neue Problemfelder. Er philosophiert im Namen der Phänomenologie aus dem Schatten heraus, den die offizielle Phänomenologie Husserls wirft; er betrachtet die Phänomenologie aus dem Bereich, der notwendig als im Schatten liegend dunkel bleibt, der aber auch erst durch die Phänomenologie zum Schatten geworden ist, d.h., der gerade durch die Phänomenologie - und nur durch sie - als Schatten ausgezeichnet wird. In diesem Sinne denkt Merleau-Ponty das "Ungedachte" (AuG, 244) der Phänomenologie. Er greift zur Erläuterung des Ungedachten auf die Bestimmung Heideggers zurück, der im Satz vom Grund schreibt: "An-denken [...] besagt jedoch: bedenken, und zwar das im Gewesenen noch Ungedachte als das zu-Denkende." 34 Es ist gerade das Andenken Merleau-Pontys an Husserl, welches ihn das noch Ungedachte und im Schatten Liegende der Phänomenologie bedenken läßt.

Merleau-Pontys Umdeutung der Phänomenologie Husserls zu einer Phänomenologie eigenen Typs entwickelt sich im Schatten der offiziellen Phänomenologie und aus der Anwendung der phänomenologischen Methode. Die Transformation der Phänomenologie setzt bereits bei der Lektüre ein; Merleau-Ponty rezipiert die nicht veröffentlichten, bislang unbedachten Schriften und Texte Husserls, und er interpretiert sie zudem nicht auf eine dogmatische Art und Weise, d.h., "die Gedanken der Phänomenologie werden [...] vermehrt ihrer Intention nach" ausgelegt und die Texte auch "anhand phänomenologiefremder Kriterien" (Vorl., 133) erhellt.

Für ihn bedeutet Phänomenologie zuvörderst, die phänomenologische Vorgehensweise anzuwenden - "Phänomenologie ist zugänglich nur in phänomenologischer Methode." (PdW, 4) Das Ziel der Phänomenologie, das für Husserl zugleich auch ihren Anfangspunkt markiert, findet Merleau-Ponty in den Cartesianischen Meditationen adäquat ausgedrückt; dort führt Husserl aus, daß "die reine und sozusagen noch stumme Erfahrung [...] zur reinen Aussprache ihres eigenen Sinnes zu bringen ist" 35 . Dieses Zitat wird Merleau-Ponty zeit seines Lebens begleiten. Es findet sich nicht nur in der Phänomenologie de

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