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Willensfreiheit und Wissenschaft Ein Dialog von Mele, Alfred R. (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 23.10.2017
  • Verlag: Suhrkamp
eBook (ePUB)
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Willensfreiheit und Wissenschaft

Ist unser Denken und Handeln so frei, wie wir für gewöhnlich glauben? Diese alte Frage beschäftigt und verwirrt Philosophen wie Laien und seit einiger Zeit auch die Naturwissenschaft. Nun bringt uns der renommierte Philosoph Alfred R. Mele das Problem auf neue und unterhaltsame Art näher: in Form eines Gesprächs unter Studierenden. Nach und nach zeigt sich darin, was wir unter Willensfreiheit verstehen sollten und wie den Herausforderungen insbesondere von Hirnforschern und Psychologen wie Benjamin Libet oder Stanley Milgram begegnet werden kann. Eine perfekte Einführung in die Willensfreiheitsdebatte und die damit verbundenen Grundfragen der Philosophie. Alfred R. Mele ist William H. and Lucyle T. Werkmeister Professor of Philosophy an der Florida State University in Tallahassee (USA).

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 162
    Erscheinungsdatum: 23.10.2017
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783518754566
    Verlag: Suhrkamp
    Größe: 1509 kBytes
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Willensfreiheit und Wissenschaft

1. Montagnachmittag

Alice liest in ihrem Lieblingscafé einen Zeitungsartikel auf ihrem Laptop.

Bob : Bitte schön, Alice. Ein Caramel-Kiss-Frappé. Genau das Richtige für einen Sommernachmittag in Tallahassee.

Alice : Super, danke. Das nächste geht auf mich.

Bob : Was liest du?

Alice : Einen Artikel darüber, wie eine Gruppe von Neurowissenschaftlern bewiesen hat, dass Willensfreiheit eine Illusion ist.

Bob : Glaubst du das?

Alice : Nein, aber ...

Bob : Glaubst du an Willensfreiheit?

Alice : Na ja, nimm an, ich hätte Ja gesagt. Ich bin mir nicht sicher, wie viel dir das über mich sagen würde. Vielleicht ist ja das, was ich unter "Willensfreiheit" verstehe, nicht das, was du darunter verstehst. Genau genommen ist das, was ich darunter verstehe, vielleicht auch nicht das, was die Neurowissenschaftler darunter verstanden haben. Und vielleicht meinen auch die Wissenschaftler und die Journalisten damit ganz verschiedene Dinge.

Bob : Was verstehen die Neurowissenschaftler denn unter "Willensfreiheit"?

Alice : Ich weiß es nicht. Das steht nicht in dem Artikel. Dort steht auch nicht, was die Journalisten darunter verstehen oder was sonst jemand damit meint.

Bob : Okay. Dann sag doch mal, was du darunter verstehst.

Alice : Ich bin mir nicht ganz sicher. Im letzten Semester habe ich die Einführung in die Philosophie belegt. Willensfreiheit kam nicht vor, aber wir haben eine Reihe interessanter Themen behandelt, zum Beispiel Wissen. Die Professorin - ich habe ihren Namen vergessen - forderte uns auf, "Wissen" zu definieren. Sie formulierte es so: Was bedeutet es, wenn man sagt: " S weiß, dass p "? Jedenfalls ...

Bob : Was bedeutet " S weiß, dass p " denn nun?

Alice : Wenn ich's mir recht überlege, war sie vielleicht gar keine Professorin. Sie war ziemlich jung, vielleicht eine Masterstudentin.

Bob : Zurück zu " S weiß, dass p "! Können wir als Beispiel "Sam weiß, dass eine Professorin dein Philosophieseminar gehalten hat" nehmen?

Alice : Klar. Man könnte nun denken, damit Sam das weiß, genügt es, dass er es glaubt und dass es wahr ist. Also könnte man sagen, dass S weiß, dass p , heißt, dass S glaubt, dass p , wenn p wahr ist. Aber jetzt stell dir vor, Sam glaubt nur deswegen, dass eine Professorin das Seminar hält, weil er nicht mitbekommen hat, dass einige unserer Seminare nicht von Professoren, sondern von Masterstudierenden gehalten werden. Er denkt, alle Seminare werden von Professoren gehalten, und schließt daraus, Wie-auch-immer-sie-hieß sei eine Professorin gewesen. Nach allem, was Sam wusste, hätte seine Dozentin also auch eine Masterstudentin und keine Professorin sein können.

Bob : Verstehe. Sam wusste gar nicht, dass das Seminar von einer Professorin gehalten wurde, selbst wenn es so war. Er kann nämlich nicht zwischen Professorinnen, die Seminare halten, und Masterstudentinnen, die Seminare halten, unterscheiden.

Alice : So in der Art. Sam hatte keinen guten Grund zu glauben, die Dozentin sei eine Professorin und eben keine Masterstudentin, oder er war, wie die Dozentin immer sagte, nicht gerechtfertigt zu glauben, sie sei eine Professorin. Sie hat ständig von "gerechtfertigt" geredet.

Bob : Können wir dann

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