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Die Dynamik der Freundschaft Eine philosophische Untersuchung der Konzeptionen Montaignes, La Rochefoucaulds, Chamforts und Foucaults von Zeeb, Tanja (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 09.03.2011
  • Verlag: Vandenhoeck & Ruprecht
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Die Dynamik der Freundschaft

Dieser Band trägt zur Aufklärung des zeitgenössisch-westlichen Freundschaftsverständnisses in seiner Geschichtlichkeit und seinen Traditionszusammenhängen bei, indem er die Konzeptionen der französischen Moralisten Michel de Montaigne, François de La Rochefoucauld und Nicolas Chamfort untersucht. Die Analyse, die sich auf den jeweiligen philosophischen Entwurf des Autors bezieht, ergibt, dass das Nachdenken über Freundschaft in der Moralistik eine eigentümliche Dynamisierung erfährt. Hier ist die Tendenz der zeitgenössisch-westlichen philosophisch-soziologisch-psychologischen Reflexion vorgeprägt, Freundschaft als dialogisches, dynamisches, individuell-konstellatives und damit reflexiv und theoretisch nicht vollständig einholbares Geschehen freizusetzen. Entsprechend nimmt die Autorin abschließend einen Philosophen der Gegenwart in den Blick, der sich durchaus in der Tradition der Moralistik verorten lässt - Michel Foucault. In seinem Entwurf erscheint die in den moralistischen Konzeptionen bereits angelegte Dynamik der Freundschaft gleichsam verabsolutiert.

Produktinformationen

    Format: PDF
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 497
    Erscheinungsdatum: 09.03.2011
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783862347971
    Verlag: Vandenhoeck & Ruprecht
    Größe: 2428 kBytes
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Die Dynamik der Freundschaft

Teil III: Nicolas Chamfort – Freundschaft und das Denken der Distanz (S. 241-242)

III.1 Einleitende Bemerkungen

"Chamfort. – Dass ein solcher Kenner der Menschen und der Menge, wie Chamfort, eben der Menge beisprang und nicht in philosophischer Entsagung und Abwehr seitwärts stehen blieb, das weiss ich mir nicht anders zu erklären, als so: Ein Instinct war in ihm stärker, als seine Weisheit, und war nie befriedigt worden, der Hass gegen alle Noblesse des Geblüts: vielleicht der alte, nur zu erklärliche Hass seiner Mutter, welcher durch die Liebe zur Mutter in ihm heilig gesprochen war, – ein Instinct der Rache von seinen Knabenjahren her, der die Stunde erwartete, die Mutter zu rächen.

Und nun hatte ihn das Leben und sein Genie, und ach! am meisten wohl das väterliche Blut in seinen Adern dazu verführt, eben dieser Noblesse sich einzureihen und gleichzustellen – viele, viele Jahre lang! Endlich ertrug er aber seinen eigenen Anblick, den Anblick des "alten Menschen" unter dem alten Regime nicht mehr; er gerieth in eine heftige Leidenschaft der Busse, und in dies erzog er das Gewand des Pöbels an, als seine Art von härener Kutte! Sein böses Gewissen war die Versäumniss der Rache."

Nicolas Chamfort wird 1740, vermutlich als illegitimes Kind einer Angehörigen der höheren Aristokratie und eines Domherren, geboren und wächst als Pflegesohn eines Krämers in einfachen Verhältnissen auf. Ein Stipendium ermöglicht es ihm dennoch, in Paris eine der besten Schulen des Landes zu besuchen. Nach deren Abschluss beschließt er, sich professionell der Literatur zu widmen. Einige dramatische Stücke verschaffen ihm schließlich denApplaus des Publikums und eröffnen ihm den Zugang zur mondänen Gesellschaft.

Seine Tragödie Mustapha et Zeangir wird 1776 sogar vor dem Königspaar zur Aufführung gebracht, woraufhin er eine königliche Pension und eine Anstellung als Sekretär des Prinzen von Conde erhält. Die Aufnahme in die Academie Franeaise erfolgt 1781. Auf dieser Höhe des Erfolgs angelangt, beginnen Chamforts Versuche, sich aus seinem mondänen Umfeld zurückzuziehen – was ihm allerdings nicht recht gelingen mag.985 Weiterhin inmitten der aristokratischen Gesellschaft lebend, scheint sich in ihm jedoch ein klares Bewusstsein derWidersprüche und Fragwürdigkeiten der französischen Gesellschaft der Zeit sowie der politischen Organisation des Landes zu entwickeln und seine innere Distanz zu seinem Lebensumfeld kontinuierlich zu vergrößern.

Offenbar aus dieser Distanz sowie aus einer ersten euphorischen Hoffnung auf die Möglichkeit zur Gestaltung einer humanitäreren, freieren Gesellschaft heraus schließt sich Chamfort der Revolution an. Er ist Mitglied im Klub der Dreißig, der die ersten demokratischen Wahlen Frankreichs vorbereiten wird,987 verfasst in seinen Tableaux historiques de la Revolution franeaise eine Chronik der Revolution, 988 ist für einige Zeit Leiter der Gazette Nationale de France sowie der Nationalbibliothek.

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