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Erkenntnistheorie zur Einführung von Schnädelbach, Herbert (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 29.06.2016
  • Verlag: Junius Verlag
eBook (ePUB)
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Erkenntnistheorie zur Einführung

Diese Einführung entwickelt ein Konzept von "Erkenntnistheorie" als Lehre von den Wissensformen. Über diese Formen muss Klarheit bestehen, ehe man sich den Fragen nach der Geltung und den Grenzen der Erkenntnis zuwenden kann. Den Begriff und die einzelnen Formen des Wissens - Wahrnehmung, Erinnerung, Erfahrung, Wissenschaft - kann man aber nicht durch Definitionen klären, sondern nur durch eine Analyse der Gebrauchsweisen der jeweiligen Begriffswörter. So versteht sich diese Einführung vor allem als ein Beitrag zur Grammatik der epistemischen Ausdrücke. Sie bleibt freilich nicht bei der Beschreibung stehen, sondern untersucht jene Gebrauchsweisen auf ihre problematischen Voraussetzungen. Herbert Schädelbach ist emeritierter Professor für Philosophie an der Humboldt-Universität zu Berlin.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 208
    Erscheinungsdatum: 29.06.2016
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783960600046
    Verlag: Junius Verlag
    Größe: 660 kBytes
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Erkenntnistheorie zur Einführung

1. Wissen

Das Wort 'Erkenntnistheorie' ist in Wahrheit nicht geeignet, die Vielfalt dessen auch nur anzudeuten, worum es in dieser philosophischen Disziplin geht. Das liegt daran, daß der Erkenntnisbegriff selbst zu eng ist. Erkenntnisse schreiben wir heute eher der Polizei bei Fahndungen oder Geheimdiensten bei Spionageerfolgen zu, aber besteht die Wissenschaft wirklich aus Erkenntnissen? 'Erkenntnis' verwenden wir in der Regel als Erfolgswort und nur selten als Bezeichnung des Erkenntnisvorgangs; wenn der abgeschlossen ist, haben wir Erkenntnisse gewonnen als Resultat und als Besitz. Doch welche Resultate können wir schon als einen ständigen Erkenntnisbesitz verbuchen, wo doch die Wissenschaft immer weiter fortschreitet und ständig Älteres korrigiert oder widerlegt? Erkenntnis als sicheres Resultat - danach hatte die neuzeitliche propositionale Systemwissenschaft gestrebt; die moderne prozedurale Forschungswissenschaft begnügt sich mit Ergebnissen, die erfolgreich zu kritisieren selbst ein Forschungsfortschritt wäre.

Im übrigen legt der Ausdruck 'Erkenntnistheorie' die Vorstellung nahe, es gebe so etwas wie "die" Erkenntnis, während wir es tatsächlich mit einer Pluralität von Phänomenen und Problemen zu tun haben, die das weite Umfeld dessen bilden, was wir als Erkenntnis im engeren Sinn des Wortes anstreben mögen. Wenn es uns also um den ganzen Bereich des Kognitiven gehen muß und dabei zuerst um eine Grammatik epistemischer Ausdrücke, sollten wir den allgemeineren Wortbedeutungen von 'epistéme' oder 'cognitio' folgen und statt von Erkenntnis besser von Wissen sprechen; Erkenntnistheorie wäre dann primär eine Theorie der Wissensformen, und wir hätten den suggestiven Singular 'Erkenntnis' vermieden. Freilich kann man einwenden, Wissen sei doch nichts anderes als Erkenntnis i. S. des Erkannthabens - wenn man etwas erkannt hat, weiß man es -, aber dann haben wir den Wissensbegriff so weit eingeengt, daß er dem weiten Bereich des Kognitiven nicht mehr gerecht wird. Warum sollten wir nicht auch Vorformen und sogar Abweichungen von Wissen im strikten Sinn dazuzählen? Dann wären nicht nur Wahrnehmung, Anschauung, Vermutung und subjektives Überzeugtsein Wissensformen, sondern auch Zweifel und Irrtum. Tatsächlich hat sich die Erkenntnistheorie seit den Anfängen niemals nur um den engeren Wissensbegriff bemüht, sondern auch um die mit 'Wissen' zusammenhängenden Begriffe, und das hat auch einen sachlichen Grund: Wer die Möglichkeit von Wissen im strikten Sinn des Wortes erklären will, muß auch etwas sagen können über damit verwandte Phänomene, und er muß vor allem die Möglichkeit des Zweifels und des Irrtums aufzeigen können. So gesehen gehören also auch Zweifel und Irrtum zu den Themen einer Theorie der Wissensformen.
'Wissen' -ein analytischer Vorschlag

Die Analytische Erkenntnistheorie machte sich mit großem Scharfsinn daran, notwendige und hinreichende Bedingungen anzugeben, die erfüllt sein müssen, damit etwas als Wissen gelten kann. Dabei ist zu beachten, daß 'Wissen' in der Regel nicht als Erfolgswort wie 'Erkenntnis', sondern als Dispositionswort verwendet wird: Wissen ist ein Besitz im Sinn eines Vermögens, d.h. eines in bestimmten Situationen zu etwas Bestimmtem Befähigtseins. Der entsprechende englische Ausdruck, 'knowledge' , deckt hier nicht nur das (deutsche) 'Wissen', sondern auch das 'Können' ab; 'to know that' ist in der Regel verschieden vom 'to know how' , aber es ist keine Frage, daß wir auch im Deutschen das Know-how als Wissensform akzeptieren - als 'Gewußt, wie ...'. In einer philosophischen Formenlehre des Wissens wird es aber primär um das 'Gewußt, daß ...' gehen, doch es gibt auch unter Pragmatisten die Meinung, alles 'Was-Wissen' sei in Wahrheit ein 'Wie-Wissen'.

Zunächst muß geklärt werden, ob Wiss

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