text.skipToContent text.skipToNavigation

Spiegelungen Traktat über die Liebe oder die Metaphysik des Todes von Altrichter, Rudolf (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 12.07.2016
  • Verlag: Athena Verlag
eBook (PDF)
15,20 €
inkl. gesetzl. MwSt.
Sofort per Download lieferbar

Online verfügbar

Spiegelungen

Die Liebe ist christlich verstanden eine Metaphysik des Todes, die besagt, dass sich das Böse, die Schuld und der Tod überwinden lassen. Das ist auch die zentrale Aussage dieses Traktats, der in Auseinandersetzung mit Blaise Pascal die heutige Kultur des Todes analysiert.

Rudolf Altrichter ist Philosoph und lebt als freier Schriftsteller in der Schweiz. Bisherige Buchveröffentlichungen: "Zurück zur Seinsfrage" Über den Humanismus der Virtualität (2003), Sokrates (2010) sowie Aufklärung über das Soziale (2013).

Produktinformationen

    Format: PDF
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 85
    Erscheinungsdatum: 12.07.2016
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783898967785
    Verlag: Athena Verlag
    Größe: 981 kBytes
Weiterlesen weniger lesen

Spiegelungen

Die Pascal'sche Situation

Der erste, der dies in aller Schärfe gesehen hat, war Blaise Pascal, denn nach Pascal müssen sich die Menschen Illusionen machen, um bestehen zu können - ihr Streben nach Glück ist in Wahrheit eine einzige Spiegelfechterei. Das hat verschiedene Ursachen. Zunächst ist es eine Torheit anzunehmen, dass der Besitz einer Sache uns glücklich machen könnte, da die Güter des Strebens nach Glück sich als diesem Streben äußerlich erweisen. - Kaum hat einer etwas, das ihn zu beruhigen verspricht, so verspürt er schon den nächsten Wunsch, und dieses Dilemma wird noch dadurch verschärft, dass er sich am Guten nur erfreuen kann, wenn er sich über etwas anderes aufregt. Aber auch sonst ist die menschliche Liebe flüchtig, ihr Glück ist daher oft vordergründig. [41]

Kleingeistigkeit, Unfähigkeit zu echter Liebe, Unbescheidenheit, Eitelkeit, Unwissenheit und Leichtsinn bestimmen nach Pascal das menschliche Handeln, und was die Theorie angeht, so ist der Mensch zwar zum Denken geboren, aber er zieht es vor, entweder gar nicht zu denken, oder wenn, dann an etwas Schönes. Den theoretischen Herausforderungen des Denkens geht er lieber aus dem Weg und selbst die größten Leistungen der Kultur beruhigen ihn nicht. So sind die Menschen lieber abergläubisch und leichtgläubig, als dass sie sich mit der Wahrheit oder dem, was in unserem Leben unvermeidlich ist, auseinandersetzen. Lieber, als dass uns die anderen damit konfrontieren, belügen wir uns selbst. [42]

Wären wir tatsächlich glücklich, müssten wir uns nicht durch den Gedanken daran ablenken, meint Pascal. So aber leben wir in den Irrtümern, die wir selbst gerne glauben wollen, oder ziehen es vor, in der Vorstellung der anderen ein imaginäres Leben zu führen. Und weil dieses imaginäre Leben nichts anderes ist als eine Pseudo-Existenz, müssen wir uns auch davon ständig ablenken. Wir geben uns überflüssigen Beschäftigungen hin, lassen uns verführen durch überflüssige Reize und vertreiben die Zeit mit Spielen, weil wir unfähig sind, zu verweilen, so dass unser Geist sich in nichts, was außer oder über ihm ist, zu verankern vermag. Wir vertreiben die Langeweile und jagen irgendwelchen Dingen nach, um uns nicht mit ihnen abgeben zu müssen. [43]

Ein geheimer Instinkt drängt die Menschen, nach Zerstreuung und äußere Beschäftigung zu suchen, und dieser Instinkt habe seine Wurzel in einem unaufhörlichen Elend, sagt Pascal. Das Elend geht daraus hervor, dass der Mensch sich mit der Vergänglichkeit, seiner eigenen Sterblichkeit nicht abfinden kann. Jenes Gefühl der Leere, das von ihm Besitz ergreift, wenn er sich nicht ablenkt, muss die Tatsache verdecken, dass ihn der Gedanke an die eigene Inexistenz erschreckt und der Gedanke an den Tod ihm Grauen einflößt. Der Mensch müsste sich unsterblich machen können, um glücklich zu sein, behauptet Pascal, das aber kann der Mensch nicht, was letztlich der Grund all seiner Verfehlungen ist. Er strebt nach Macht, um sich einbilden zu können, es zu sein. [44]

Das ist die menschliche Situation, wie sie Pascal lange vor Kierkegaard, Heidegger und den Existenzialisten erkennt. Der Mensch ist so konditioniert, dass er achtlos in den Abgrund rennt, wo fern er etwas findet, was ihm den Blick in den Abgrund verstellt, den sein maßloses Begehren vor ihm auftut, er ist aber auch das Wesen, das seine Intelligenz zu reflektieren vermag und sein Elend erkennen kann. Pascal drückt diesen Widerspruch aus in dem Satz, dass die Größe des Menschen sich darin zeigt, dass er um sein Elend weiß. Der Baum wisse von keinem Elend. Elend ist es, elend zu sein, aber wirklich groß ist es zu erkennen, dass man elend ist. Darauf noch stolz zu sein, gehört zur Verrücktheit des Menschen. [45]

Die Situation des Menschen ist so gesehen paradox, die Entdeckung der eigenen Kleinheit macht die Größe des Menschen aus, und dieser Befund ist nicht bloß qualitativ zu verstehen, im Sinne der Bedeutu

Weiterlesen weniger lesen

Kundenbewertungen