text.skipToContent text.skipToNavigation
background-image

Warum überhaupt moralisch sein? von Bayertz, Kurt (eBook)

  • Verlag: Beck
eBook (ePUB)
11,99 €
inkl. gesetzl. MwSt.
Sofort per Download lieferbar

Online verfügbar

Warum überhaupt moralisch sein?

Dass wir moralisch sein sollen, leuchtet jedem von uns (hoffentlich) ein. Aber es dürfte manchem schwerfallen, eine Antwort auf die Frage zu geben, warum wir es sein sollen. Kurt Bayertz zeigt klar und deutlich, warum man moralisch sein soll. Ohne philosophischen Jargon und allgemeinverständlich greift er auf vielfältige Überlegungen zurück, die in der Geschichte des philosophischen Denkens entwickelt wurden, und prüft ihre Stärken und Schwächen. Schrittweise und immer wieder verdeutlicht durch Beispiele entsteht aus dem Gedankengang des Buches ein plastisches Bild der Funktion, des Sinns von Moral. Wer diesen Sinn erfasst hat, weiß auch, warum man moralisch sein soll. 'Ein Buch, das sich liest wie ein Krimi, das aber das Niveau gegenwärtiger philosophischer Moraldebatten nie unterschreitet. Ein erstaunliches Buch! Dem Autor ermangelt es überdies nicht an tiefgründigem Witz, der die Lektüre erfrischend macht.' Detlef Horster, Süddeutsche Zeitung

Kurt Bayertz lehrt als Professor für praktische Philosophie an der Westfälischen Wilhlems-Universität Münster.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 295
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783406670022
    Verlag: Beck
    Größe: 2901 kBytes
Weiterlesen weniger lesen

Warum überhaupt moralisch sein?

Z WEITES K APITEL

W AS HEISST HIER EIGENTLICH "M ORAL "?

Unter Sitten verstehe ich hier nicht geziemendes Betragen, z.B. wie man einen anderen grüßen, in Gesellschaft den Mund wischen oder die Zähne stochern soll, oder andere Regeln der Anstandslehre, sondern diejenigen Eigenschaften der Menschheit, die ihr Zusammenleben in Frieden und Eintracht betreffen .

Thomas Hobbes

E s geht in diesem Buch nicht um die Frage, welche moralischen Normen gültig sind und wie sie begründet werden können, sondern um die Frage, weshalb man ihnen ( wenn sie gültig sind) folgen soll. Gleichwohl kann diese zweite, die W-Frage, nur beantwortet werden, wenn hinreichend klar ist, worum es bei den moralischen Normen geht, worin ihre Funktion oder ihr Ziel besteht, und was sie inhaltlich vorschreiben. Wir brauchen daher eine genauere Bestimmung von"Moral". Diese werde ich im vorliegenden Kapitel zu geben versuchen. Die Schwierigkeit besteht dabei darin, daß das Phänomen der Moral historisch und kulturell uneinheitlich, wandelbar und oft auch umstritten ist. Eine Definition von "Moral" kann daher niemals neutral sein; sie ist immer schon eine inhaltliche moralische Stellungnahme und kann als eine solche kritisiert werden. Diese Möglichkeit muß in Kauf genommen werden. Ich werde zwei wichtige Verwendungsweisen des Moralbegriffs unterscheiden, um eine von ihnen den weiteren Überlegungen dieses Buches zugrundezulegen. Es ist diejenige Bedeutung von "Moral", die für moderne Gesellschaften eine besondere Rolle spielt, und die gleichzeitig ein schwieriges Problem im Hinblick auf die W-Frage aufwirft.
7. Moral im weiteren Sinne

In einer ersten Verwendungsweise bezeichnet "Moral" einen Komplex von Normen, Werten oder Idealen, der jedem Individuum einen allgemeinen Leitfaden für die Gestaltung seines Lebens bereitstellt. Eine solche Moral im weiteren Sinne weist jedem Individuum einen Platz in der Welt an und sagt ihm, worauf es im Leben ankommt. Orientierungssysteme dieser Art gibt es in allen menschlichen Gesellschaften; ihre Existenz ist eine anthropologische Konstante. Je weiter wir historisch zurückgehen, desto homogener verschmelzen sie mit den jeweils geltenden mythischen oder religiösen Überzeugungen; ihre Legitimation beruht wesentlich auf Tradition. Später werden solche Systeme auch von bestimmten Individuen oder Gruppen bewußt entworfen und der Tradition entgegengesetzt; sie sind nun reflektierte Anleitung zum richtigen Verständnis der Welt und zur richtigen Führung des Lebens. Damit ist der Übergang zum philosophischen Denken vollzogen, zur Ethik als dem Bemühen um die systematische Grundlegung und Ausarbeitung eines Leitfadens der Lebensführung. In diesem Sinne hat Ludwig Wittgenstein die Ethik als die Untersuchung dessen bezeichnet, was wirklich wichtig ist . In der Ethik geht es nach Wittgenstein (1930: 10f) darum, den Sinn des Lebens zu erkunden, zu untersuchen, was das Leben lebenswert macht, oder zu erforschen, welches die rechte Art zu leben ist . Die Moral im weiteren Sinne und die Ethik unterscheiden sich demnach nicht durch ihren Inhalt und ihre Funktion; beide formulieren allgemeine und umfassende normative Orientierungen des menschlichen Handelns und Lebens. Ihre Differenz liegt lediglich darin, daß die Ethik sich nicht mit der Autorität der Tradition zufriedengibt, sondern Orientierungen auf einer theoretisch und methodisch reflektierten Ebene zu erarbeiten sucht.

Eine frühe, doch bis heute fortwirkende Ausprägung dieses Programms einer philosophisch reflektierten Lebensorientierung war die antike Ethik. Ihr Ausgangspunkt war d

Weiterlesen weniger lesen

Kundenbewertungen