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Wer hat an der Uhr gedreht? Warum uns die Zeit abhanden kommt und wie wir sie zurückgewinnen von Budras, Corinna (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 23.02.2017
  • Verlag: Verlag C.H.Beck
eBook (ePUB)
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Wer hat an der Uhr gedreht?

'Wir brauchen mehr Mut zur Unordnung - in unserem Alltag wie auf das Leben als Ganzes gesehen.' So das erfrischende Fazit dieser unverkrampften Zwischenbilanz unseres zunehmend angespannteren Verhältnisses zur Zeit. Das vergnüglich zu lesende Buch, eine Mischung aus Alltagserzählung und lebensphilosophischen Tipps, ist für alle gedacht, die Auswege aus dem Turbo- Tunnel suchen. Jedes der zwölf Buchkapitel beleuchtet einen wesentlichen Aspekt unseres immer hektischer werdenden Lebens - von Beschleunigung über Multitasking bis Kontrollverlust. Zugleich erzählt es die Geschichte eines Menschen, der diesem Problem mit bemerkenswerter Gelassenheit begegnet. Die zentrale Erkenntnis, die ihm das erlaubt, hat die Buchhändlerin und Grafikerin Chris Campe mit Witz und Liebe zum Detail in schönen Lettern gestaltet. Corinna Budras und Pascal Fischer sind nicht nur beide berufstätig sondern auch Eltern zweier Kinder - sie wissen, wovon sie sprechen!

Wie schwer wiegt Allgemeinbildung? Ziemlich schwer, denn sie erleichtert Schule, Studium, Beruf, Flirt und Smalltalk, und sie wiegt jetzt genau 1 Kilo. Das 'Kilo Kultur' gibt einen Überblick über die gesamte Kulturgeschichte der Menschheit von der Vorgeschichte bis heute. Es lässt sich als spannender Crash-Kurs von vorne bis hinten lesen, aber es ermöglicht durch die klare Gliederung nach Epochen, Ländern und Kulturformen - Philosophie, Literatur, Musik, Architektur, Malerei u. a. - auch den gezielten Zugriff auf einzelne Themen. Das erste Kilo, das Flügel verleiht.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 199
    Erscheinungsdatum: 23.02.2017
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783406705663
    Verlag: Verlag C.H.Beck
    Größe: 4154kBytes
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Wer hat an der Uhr gedreht?

1. Kapitel: Wie die Zeit in die Welt kam

Herr Fusi ist 42 Jahre alt und hat einen kleinen Friseurladen inmitten einer kleinen italienischen Stadt. Jeden Tag kommen die Menschen zu ihm, lassen sich die Haare schneiden oder den Bart rasieren. Bei der Arbeit plätschert die Zeit so vor sich hin. Der Beruf des Friseurs ist schon automatisch ein Leben im Hier und Jetzt, in dem nur das Haupthaar zählt, das gerade geschnitten wird. Eigentlich mag Herr Fusi seinen Job, er hält es für eine sehr anspruchsvolle Aufgabe, Menschen schöner aus dem Laden herausgehen zu lassen, als sie hereingekommen sind. Dabei kann viel schiefgehen. Viele seiner Kunden wissen seine Arbeit zu schätzen. Trotzdem ist er manchmal unzufrieden, etwa wenn sein Laden leer ist und er auf Kundschaft wartet. Dann kommt er ins Grübeln. Er schaut auf seinen Scherenkasten, sieht, wie die Scheren dort so unordentlich und nutzlos herumliegen, und fragt sich nach dem Sinn des Lebens. Oder noch schlimmer: nach dem Sinn seines Lebens.

Eines Tages jedoch geschieht etwas Sonderbares. Während Herr Fusi wieder einmal wartet und über sich und sein Leben nachgrübelt, fährt ein graues Auto vor. Heraus steigt ein Mann im grauen Anzug. Kein einziges Haar ziert seinen Kopf oder sein Kinn und trotzdem steuert er zielgerade auf Herrn Fusis Laden zu. Er wolle gar keinen Haarschnitt, sagt er, sobald er den Laden betreten hat. Er sei rein geschäftlich hier. Denn er ist Agent einer Zeitsparkasse und in wichtiger Angelegenheit unterwegs. Seine Kunden will er daran hindern, weiter unablässig auf völlig unverantwortliche Art und Weise ihre Zeit zu verschwenden. Viel besser sei es, Zeit zu sparen.

Kunden wie Fusi zu überzeugen ist nicht sonderlich schwer, meist ist ohnehin schon eine gewisse Unzufriedenheit vorhanden. Wer führt schon das Leben, das er gerne hätte? Die Notwendigkeit, etwas zu ändern, sieht jeder ein, der einmal eine vernünftige Rechnung aufgestellt hat. Jeder, der weiß, wie viele Sekunden er sinnlos im Bett herumliegt und mit Schlaf verschwendet, mit Essen und mit kontraproduktiven Gedankenspielen, die nirgendwo hinführen und nur aufhalten. "Herr Fusi", sagt der graue Herr eindringlich, "Sie vergeuden Ihr Leben mit Scherengeklapper, Geschwätz und Seifenschaum. Wenn Sie sterben, wäre es, als hätte es Sie nie gegeben."

Auch bei Herrn Fusi braucht es nicht viel, um ihn davon zu überzeugen, dass er sein Leben gerade auf das Lächerlichste verschwendet. Eine simple Rechnung mit der erwarteten und der bereits verpassten Lebenszeit lässt ihn erblassen. Deshalb eröffnet er ein Konto bei diesem sonderbaren grauen Herrn der Zeitsparkasse und nimmt sich vor, künftig Zeit zu sparen. Warum? "Für das richtige Leben muss man Zeit haben", sagt ihm der graue Herr, und letztlich ahnt er das ja längst schon selbst. Fortan schläft er also kürzer, schneidet schneller und redet weniger, um für sein richtiges Leben Zeit zu schaffen.

Genau wie alle anderen Menschen in der Stadt merkt Herr Fusi allerdings nicht, dass das schöne Zeitspar-Versprechen nicht gehalten werden kann. Das liegt in der Natur der Sache. Wer Zeit spart, hat sie schon verloren. Sein Leben rast an ihm vorbei, und jetzt hat Herr Fusi nicht einmal mehr die Zeit, darüber zu grübeln, ob sein Leben voller Scherengeklapper, Geschwätz und Seifenschaum wirklich so vergeudet ist, dass er es ändern müsste. Er wüsste ohnehin nicht, wie, denn dazu müsste er sich Zeit nehmen, um nachzudenken, und die hat er nicht mehr.

Michael Ende dagegen wusste genau, dass das alles so nicht funktionieren kann, deshalb hat er Herrn Fusi und die grauen Herren für seinen Klassiker Momo geschaffen, ein Kinderbuch voller Kapitalismuskritik. Es war Anfang der 1970er Jahre, als der Bestsellerautor Michael Ende so lange und so gehaltvoll über die Zeit nachgrübelte, dass sie gleich in eine herbe Modernitätskritik an Rationalisierung und Leistungsdruck mündete.

Gerade war

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