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Wissenschaftstheorie Eine Einführung von Bauberger, Stefan (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 21.09.2016
  • Verlag: Kohlhammer Verlag
eBook (PDF)
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Wissenschaftstheorie

Aus den beiden Erkenntnisquellen menschlichen Wissens (empirische Erkenntnis, logische Analyse) entwickelt Bauberger zwei Grundfragen der Wissenschaftstheorie, nach denen sich auch das Lehrbuch gliedert: Zunächst reflektiert die Wissenschaftstheorie die Methoden der empirischen Wissenschaften und liefert damit Hilfestellung für das Betreiben derselben. Darüber hinaus bewertet sie die Geltung der empirischen Erkenntnisse und stellt sich damit einer genuin philosophischen Aufgabe. Der so entstehende Dialog konkreter wissenschaftlicher Aufgabenfelder, Methoden- und Metareflexion zeigt die Relevanz wissenschaftstheoretischen Arbeitens und fördert die Sprachfähigkeit der Studierenden außerhalb ihres philosophischen Faches. Historische Entwicklungen und Darstellung von wissenschaftsphilosophischen Positionen aus der Tradition werden anhand der thematischen Kapitel durchgeführt.

Prof. Dr. Stefan Bauberger SJ lehrt Naturphilosophie, Grenzfragen der Naturwissenschaft und Wissenschaftstheorie an der Hochschule für Philosophie in München.

Produktinformationen

    Format: PDF
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 192
    Erscheinungsdatum: 21.09.2016
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783170311206
    Verlag: Kohlhammer Verlag
    Serie: Grundkurs Philosophie Bd.20
    Größe: 1095 kBytes
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Wissenschaftstheorie

III Induktion, Verifikation, Falsifikation

Die moderne Wissenschaftstheorie hat das Induktionsproblem nicht erfunden. Es wurde aber zu einer ihrer zentralen Fragen, und insbesondere Karl Popper hat einen wichtigen Beitrag zur Klärung dieser Fragen geleistet. Die praktische Konsequenz seiner Analysen, die Forderung nach einer Falsifizierbarkeit wissenschaftlicher Hypothesen, ist heute im Prinzip generell anerkannt und von großer Bedeutung - in den Grenzen, die im Folgenden aufgezeigt werden.
1. Hume und die Kausalität

Die folgende Darstellung knüpft an David Humes (Kap. II.1) Skepsis bezüglich der Erkennbarkeit von Kausalität an, auf die Popper seine Gedanken aufbaut. Die oft missverstandenen ontologischen und erkenntnistheoretischen Folgerungen Humes werden hier aber nicht ausdrücklich betrachtet.

Hume stellte die Frage, wie wir Vorhersagen über die Zukunft machen können, bzw. wie wir kausale Zusammenhänge erkennen können. Seit Menschen den Himmel beobachten, ist jeden Morgen die Sonne aufgegangen. Und wir gehen selbstverständlich davon aus, dass das auch am nächsten Morgen um eine bestimmte Uhrzeit der Fall sein wird. Aber: Ist diese Vorhersage logisch notwendig? Es gibt keinerlei logischen Grund, von der beobachteten Regelmäßigkeit darauf zu schließen, dass dieselbe Regelmäßigkeit auch in Zukunft gelten wird. Auch eine kausale Erklärung (durch die Erddrehung) unterliegt im logischen Sinn derselben Willkür.

Im Prinzip ist damit das logische Problem der Induktion schon dargestellt:

- Induktion, also der Schluss von beobachteten Regelmäßigkeiten bzw. regelmäßigen Verknüpfungen von Ereignissen auf zukünftige Regelmäßigkeiten, insbesondere auch auf "Naturgesetze", ist ein selbstverständlicher Bestandteil unseres Lebens und insbesondere der empirischen Wissenschaften. Tatsächlich ist in der Wissenschaft die Zahl der beobachteten Fälle, mit denen man ein Gesetz begründet, sogar oft erstaunlich klein, was von einem großen Vertrauen in Induktion zeugt.

- Gleichzeitig gibt es aber keine logische Rechtfertigung für Induktion.

- Dieses Problem führt insbesondere dann in einen Widerspruch, wenn man eine naive positivistische Auffassung vertritt, dass wissenschaftliche Erkenntnis nur auf Beobachtungen beruhen kann. Dann sind wissenschaftliche Gesetze aufgrund des Induktionsproblems unerkennbar.
2. Popper: Falsifikationismus

Popper tritt mit dem unbescheidenen Anspruch auf, das Induktionsproblem gelöst zu haben. Dabei legt er großen Wert darauf, mehrere Prinzipien aufrecht zu erhalten:

- Das Prinzip des Empirismus, das er wie folgt formuliert: Die Wissenschaft soll über die empirische Erkenntnis hinaus keine Zuflucht nehmen zu irgendeinem metaphysischen Prinzip. Popper sagt über dieses "metaphysische Prinzip" sehr spitz, er habe von ihm "bis heute keine Formulierung zu Gesicht bekommen (...), die auch nur etwas versprach und nicht von vorneherein unhaltbar war." [Popper 1995, 85]

- Den "Realismus des Alltagsverstandes; das ist die Ansicht, dass es eine wirkliche Welt gibt, die wirkliche Menschen, Tiere und Pflanzen, Autos und Sterne enthält." [Popper 1995, 89 f.]

Poppers Lösung besteht darin, die Notwendigkeit von Induktion schlichtweg zu leugnen. Dann löst sich der dargestellte Widerspruch auf:

"Wir begreifen das sofort, wenn wir uns klarmachen, dass die Wissenschaft ein Naturgesetz oder eine Theorie immer nur vorläufig akzeptiert; das heißt, dass alle Gesetze und Theorien Vermutungen oder vorläufige Hypothesen sind (ich habe diese Anschauungsweise manchmal als 'Hypothetizismus' bezeichnet); und dass wir ein Gesetz oder eine Theorie

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