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Platons 'Menon' von Hallich, Oliver (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 01.10.2013
  • Verlag: wbg Academic
eBook (ePUB)
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Platons 'Menon'

Der Menon gilt als ein "Dialog des Übergangs" zwischen der sokratischen und der genuin platonischen Phase im Werk Platons. Zu den zahlreichen Themen, die in diesem kurzen Text zur Sprache kommen, gehören die Fragen nach dem Wesen der Tugend, nach ihrer Lehrbarkeit, nach der Möglichkeit des Wissenserwerbs und dem Unterschied zwischen Wissen und wahrer Meinung. Textnah erörtert der vorliegende Kommentar die einzelnen Argumente des Menon und weist ihnen eine Stellung im Textganzen und darüber hinaus im Kontext des platonischen Gesamtwerkes zu. Dabei werden auch zeitgenössische Diskussionen der im Menon behandelten Probleme berücksichtigt. In ihrer Aktualität und Ausführlichkeit ist die vorliegende Werkinterpretation sowohl ein idealer Begleiter für Studium und Lehre als auch eine geeignete Lektürehilfe für philosophisch Interessierte. Dr. Oliver Hallich, geb. 1968, ist Privatdozent an der Universität Düsseldorf. Seine Forschungsschwerpunkte liegen u.a. in der Rechtsphilosophie, der angewandten Ethik und der Metaethik.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: AdobeDRM
    Seitenzahl: 208
    Erscheinungsdatum: 01.10.2013
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783534736270
    Verlag: wbg Academic
    Größe: 1251 kBytes
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Platons 'Menon'

II Der Beginn des Gesprächs (70a-71d)

Auf Menons Frage nach der Lehrbarkeit der Tugend reagiert Sokrates mit der Aufforderung, zunächst einmal zu klären, was die Tugend eigentlich ist - mit diesem Satz ließe sich der Eingangspassus des Menon zusammenfassen. Tatsächlich aber ist der kurze Beginn des Gesprächs ungleich komplexer. Er erfüllt mindestens drei Funktionen: Zum Ersten werden die zentralen Themen des Menon exponiert, zum Zweiten werden Sokrates und Menon in ihrem Gesprächsverhalten charakterisiert, und zum Dritten wird der Dialog durch die Erwähnung des Gorgias von Leontinoi in den Kontext der Auseinandersetzung Platons mit der Sophistik gestellt.
1 Zentrale Themen des Menon

In der Eingangspassage werden - teils explizit, teils andeutend - vier zentrale Themen des Textes kenntlich gemacht, nämlich die folgenden:

(1) die Frage danach, ob die Tugend lehrbar ist;

(2) die Frage danach, was die Tugend ist;

(3) die Frage danach, was Wissen ist;

(4) das Thema der Wiedererinnerung.

Das erste Thema wird sehr direkt in der das Gespräch eröffnenden Frage Menons benannt:

Kannst du mir sagen, Sokrates, ob die Tugend (aret) lehrbar (didakton) ist? Oder ist sie nicht lehrbar, sondern kann durch Übung erworben (askton) werden? Oder kann sie weder durch Übung erworben noch gelernt (mathton) werden, sondern kommt von Natur aus (physei) oder auf irgendeine andere Weise den Menschen zu? (70a)

Zum Verständnis dieser Frage sind zwei sprachliche Erläuterungen nötig. Zum einen ist im Blick zu behalten, dass der für die gesamte antike Philosophie zentrale, aber kaum adäquat zu übersetzende Ausdruck aret - Substantivierung des Superlativs von agathos, also "gut" - im Griechischen, anders als die vorherrschende deutsche Übersetzung durch "Tugend" nahelegt, noch keine spezifisch moralische Konnotation mit sich führt. Das Wort bezeichnet vielmehr die besondere Tauglichkeit eines Dinges zur Erfüllung einer Funktion oder diejenige eines Menschen in einer sozialen Rolle. 1 Handelsübliche Übersetzungen von aret sind daher neben "Tugend" auch "Tüchtigkeit", "Bestform", "Tauglichkeit" und "Gutsein". So etwa könnte man von der aret eines Messers sprechen, die darin besteht, dass das Messer gut schneidet, oder von derjenigen des menschlichen Auges, welche darin besteht, dass das Auge gut sieht. Die aret eines Schusters bestünde darin, gute Schuhe herzustellen, diejenige eines Arztes darin zu heilen und diejenige eines Redners darin, die Redekunst zu beherrschen, usw. Modern gesprochen: Mit aret ist im Griechischen ein attributives Gutsein gemeint, ein Gutsein als etwas oder jemand. 2 Es ist an die Erfüllung von Funktionen oder Rollen gebunden. Aret besitzt ein Ding, das seine Funktion, oder eine Person, die ihre Rolle in vorzüglicher Weise erfüllt.

Da dieser funktionale Aspekt von aret in der Übersetzung als "Tugend" nicht erfasst wird, kann diese leicht in die Irre führen. Dass im weiteren Verlauf dieses Kommentars dennoch an der Übersetzung von aret als "Tugend" festgehalten wird, hat folgenden Grund: Im spezifischen Kontext der platonischen Dialoge ist der Ausdruck "Tugend" gerade aufgrund seiner moralischen Konnotationen als Übersetzung von aret durchaus geeignet. Sokrates nämlich löst - wie sich noch zeigen wird 3 - den Begriff der aret von seiner Bindung an Rollen und Funktionen und führt damit, wenngleich eher implizit und andeutend, genau die Dimension von "Gutsein" in den Begriff der aret ein, die wir als moralisches, d.h. nicht an Rollen und Funktionen gebundenes Gutsein bezeichnen würden. Er erweitert die Bedeutung dieses Ausdrucks vom Funktionalen auf das Moralische, und

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