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Nietzsche Werk und Wirkung eines freien Geistes von Niemeyer, Christian (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 01.10.2013
  • Verlag: Lambert Schneider
eBook (ePUB)
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Nietzsche

Christian Niemeyers Werk "Nietzsche. Werk und Wirkung eines freien Geistes" konzentriert sich auf Nietzsches Werk ab ?Menschliches, Allzumenschliches?. In dieser Phase ist Nietzsche frei von den Einflüssen Schopenhauers oder Wagners; es handelt sich um den ?echten? Nietzsche. Was an diesem Nietzsche ist auch heute noch relevant, und wo und warum verliert der späte Nietzsche die Spur? Warum geht er auch in der Rezeptionsgeschichte zunehmend verloren? Und was war seine Intention? Der renommierte Nietzsche-Forscher Christian Niemeyer geht auf diese Fragen ein und zeigt dem Leser, wie Nietzsche heute gelesen werden muss. Klar und verständlich führt Niemeyer sowohl Philosophen als auch interessierte Laien an den authentischen Nietzsche jenseits von Pathos, Rhetorik und Selbststilisierung heran. Christian Niemeyer, geb. 1952, ist emeritierter Professor für Sozialpädagogik an der Technischen Universität Dresden. Zahlreiche Veröffentlichungen zu Friedrich Nietzsche. Bei der WBG bereits erschienen: ?Friedrich Nietzsches 'Also sprach Zarathustra'? (2007); ?Nietzsche verstehen. Eine Gebrauchsanweisung? (2011), ?Nietzsche. Werk und Wirkung eines freien Geistes? (2013) sowie Herausgabe des ?Nietzsche Lexikons? und von ? Friedrich Nietzsche (Neue Wege der Forschung; 2014)?.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: AdobeDRM
    Seitenzahl: 208
    Erscheinungsdatum: 01.10.2013
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783650731777
    Verlag: Lambert Schneider
    Größe: 1306 kBytes
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Nietzsche

Teil A: Nietzsches Werk

Das Elend der mühsam lebenden Masse muß noch gesteigert werden,
um einer Anzahl olympischer Menschen
die Produktion der Kunstwelt zu ermöglichen.
(Nietzsche: NF Anfang 1871; VII: 339f.)

[S]ei anders, als alle Übrigen und freue dich,
wenn Jeder anders ist, als der Andere
(Nietzsche: NF 1880; IX: 73)

Die Schwachen und Missrathnen sollen zu Grunde gehn:
erster Satz unsrer Menschenliebe.
Und man soll ihnen noch dazu helfen.
(Nietzsche: Der Antichrist [1888]; VI: 170)

Ich lasse eben alle Antisemiten erschiessen ...
(Nietzsche an Franz Overbeck am 4. Januar 1889; 8: 575)

Die hier vorangestellten vier Zitate markieren die beiden Pole, welche die anziehende, aber eben auch die abstoßende Seite Nietzsches exemplarisch versinnbildlichen - und damit eben auch die Spannung im Werk sowie die, in die derjenige gerät, der sich zu Nietzsche bekennt. Einen Rückschluss scheinen die vier Zitate zumal dem Einsteiger zu erlauben: Nietzsche begann als Fanatiker, er endete als Fanatiker - und zwischendurch, um 1880, war er ein ziemlich netter Kerl, als dessen stärkstes Statement wir vorerst den Satz aus jenem unter dem Titel L'Ombra di Venezia berühmt gewordenen Nachlasskonvolut vom Frühjahr 1880 festhalten wollen.

Bemerkenswert an diesem Nietzsche - und dies gilt es gleich zu Beginn dieses Buches herauszustellen - ist das harsche Urteil Nietzsche über seine "älteren Schriften": "Fast überall, wo in ihnen die Rede auf Andersdenkende kommt, macht sich jene blutige Art zu lästern und jene Begeisterung in der Bosheit bemerklich, welche die Abzeichen des Fanatismus sind." (IX: 47) Belege bleibt Nietzsche schuldig, aber man kann sie sich leicht zusammentragen, wenn man jene 'älteren Schriften' - denen das zuerst gegebene Zitat entstammt - nach dieser Maßgabe kritisch durchmustert. Das Ergebnis kann auf der Basis einer in Nietzsche verstehen 12 gegebenen ausführlichen Begründung kaum fraglich sein: Jene 'älteren' Schriften kommen kaum in Betracht, sie gelten ihrem Urheber, auf dem Stand des Jahres 1880 gewertet, als Spreu, nicht als Weizen.

Damit ergeben sich zahlreiche Anschlussfragen; eine von ihnen sei hier zumindest erwähnt (und zugleich beantwortet): Ja, Nietzsche war auch schon vor der Zeit seiner Wagnerverehrung ein 'netter Kerl'. Aber dies gehört nicht hierher und muss insofern 'geglaubt' werden: exemplarisch unter Hinweis auf Nietzsches gleichsam freigeistigen Spott auf Ludwig II. aus dem Jahr 1866. 13 Daraus folgt zugleich, dass für die Zwecke dieser Arbeit jene drei Nietzsches genügen: der Fanatiker 1, der Anti-Fanatiker und der Fanatiker 2. Die Frage ist schlicht: Welcher von den Dreien ist Nietzsches Nietzsche? Und welche Werke Nietzsches außer jenen älteren bezeugen dessen Geist, wichtiger vielleicht noch: Welche tun dies nicht?

Einem Einwand sei dabei gleich zuvorgekommen: Das letzte der oben angegebenen vier Zitate ("Ich lasse eben alle Antisemiten erschiessen ..."), eine der letzten Verlautbarungen Nietzsches aus einem jener ominösen 'Wahnsinnszettel' vom Januar 1889 unmittelbar vor seinem geistigen Zusammenbruch in Turin, steht dieser Herkunft wegen, also gleichsam gattungsgemäß, unter Pathologieverdacht - und lässt sich eben deswegen mit dem unmittelbar vorhergehenden nicht vergleichen. Wirklich? Wer genau hinschaut 14 , wird nicht in Abrede stellen können, dass jene Overbeck-Notiz zwar Zeugnis gibt für einen partiellen Kontrollverlust - aber eben nicht für ein totales Blackout. Denn der Sache nach wird mit ihr nichts weiter variiert als die folgende Bemerkung aus dem Nachlass vom Frühjahr 1888: "Il faut tuer le Wagnerisme", denn: "Was uns nicht umbringt - das bringen wir um, das macht uns stärker." (XIII: 478) Denken könnte man aber auch

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