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Schopenhauers Anleihen bei Spinoza von Schulz, Ortrun (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 29.08.2014
  • Verlag: Books on Demand
eBook (ePUB)
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Schopenhauers Anleihen bei Spinoza

Schopenhauer hat sich zeitlebens intensiv mit Spinoza auseinandergesetzt. Diese Auseinandersetzung erfolgt nicht nur zustimmend und in Form von Übernahmen etlicher seiner Auffassungen, sondern auch in scharfen Zurückweisungen. Die Identifizierungen Spinozas und sein unüblicher Wortgebrauch führen zu einigen Missverständnissen, die hier geklärt werden. Dabei stellt sich eine spinozistische Grundansicht Schopenhauers heraus, die von ihm selbst nicht eingestanden wird. Schopenhauers Kritikpunkte dienen dieser Darstellung als strukturelles Gerüst. Sie sind nach den Gebieten Erkenntnistheorie, Metaphysik und Ethik angeordnet. Am Problem aller Ethik sei Spinoza gescheitert, und Schopenhauer überwindet die von Spinoza ausgeplauderte 'Lust an der Härte' mit von ihm geborgten Gedanken. The editor, Dr. ORTRUN SCHULZ was born in 1960 in Hannover, Germany to Erhard and Rita Schulz.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: AdobeDRM
    Seitenzahl: 176
    Erscheinungsdatum: 29.08.2014
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783735730640
    Verlag: Books on Demand
    Größe: 2128 kBytes
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Schopenhauers Anleihen bei Spinoza

2. Spinozas Wortgebrauch: Die Verschwörung auf Kamtschatka

Schopenhauers Auseinandersetzung mit Spinoza erfolgt nicht nur in Form von ausdrücklichen Berufungen oder latenten Einflüssen, sondern auch in Form von modifizierten Übernahmen oder energischen Zurückweisungen.

Seine Kritikpunkte dienen dieser Darstellung als strukturelles Grundgerüst. Sie sind nach den Gebieten Erkenntnistheorie, Metaphysik und Ethik angeordnet, wobei die Grenzziehung nicht immer ganz leicht war, zumal Spinoza manche Probleme als erkenntnistheoretische behandelt, die bei Schopenhauer metaphysischer Natur sind, oder umgekehrt.

Kritik übt Schopenhauer zunächst an dem Ausgang und Gebrauch von "selbstgezimmerten" Begriffen wie "Substanz oder Gott". Diese seien willkürliche Spekulationsbegriffe und nicht zünftig auf ihren Ursprung hin abgefragt worden. Derselbe Vorwurf gilt auch Hegel: "Der Grundgedanke der Hegelschen Philosophie ist die aufgefrischte Scholastisch-Realistische Lehre: Universalia ante rem, und damit den Spinozismus neu herausgeputzt". 41 Aber "es kann keinen Satz geben, infolge dessen allererst die Welt mit allen ihren Erscheinungen dawäre: daher lässt sich nicht eine Philosophie, wie Spinoza wollte, ex firmis principiis demonstrierend ableiten." 42 Schopenhauer besteht im Gegenzug auf seiner davon abweichenden Methode, einer "empirischen Metaphysik". 43

Der Satz Spinozas: "Wahrlich wie das Licht sich selbst und die Finsternis offenbart, so ist die Wahrheit die Richtschnur ihrer selbst wie des Falschen," 44 ist von Schopenhauer unterstrichen und wird von ihm mehrfach zitiert. Auch für Schopenhauer ist die philosophische Wahrheit eine, die sich "aus sich selbst heraus bewährt", und sie entstammt einer besonderen Intuition.

Andererseits scheint Schopenhauer doch nicht viel von der Selbstgewissheit als Garantin der Wahrheit zu halten. Den Satz Spinozas: "Wer eine wahre Vorstellung hat, weiss zugleich, dass er eine wahre Vorstellung hat und kann nicht an der Wahrheit der Sache zweifeln," 45 versieht er mit dem Ausruf: "Eheu!"

Für Schopenhauer ist es das "intuitive Urdenken", aus dem die philosophische Einsicht hervorgeht. Er sucht die deduktive Metaphysik aus leeren Begriffen zu ersetzen durch eine "empirische Metaphysik", die nicht nur logischer Widerspruchsfreiheit und Folgerichtigkeit genügen muss, sondern sich auch an den Erfahrungen in der Welt bewähren und sich im Einklang mit den Resultaten der Wissenschaften befinden muss. Das Kriterium der philosophischen Wahrheit ist somit gegeben, wenn "die durchgängige Konsequenz und Zusammenstimmung aller Sätze eines Systems bei jedem Schritte begleitet ist von einer eben so durchgängigen Übereinstimmung mit der Erfahrungswelt, ohne dass zwischen beiden ein Missklang je hörbar würde."

Die Beweise der geometrischen Methode Spinozas wirken auf Schopenhauer "gestelzt", sie träten wie in "spanische Stiefel geschnürt" auf. Obwohl Schopenhauer die "Mausefallenbeweise" nicht schätzt, sagt er doch anerkennend:

Spinoza, der sich rühmt, more geometrico zu verfahren, hat dies wirklich noch mehr getan, als er selbst wusste. Denn was ihm aus einer unmittelbaren anschaulichen Auffassung des Wesens der Welt gewiss und ausgemacht war, sucht er unabhängig von jener Erkenntnis logisch zu demonstrieren. Diese beabsichtigten und vorher gewissen Resultate erlangt er aber freilich, indem er willkürlich selbstgebildete Begriffe (substantia, causa sui usw.) zum Ausgangspunkt nimmt und in Beweisen alle jene Willkürlichkeiten sich erlaubt, zu denen das Wesen der weiten Begriffssphären bequeme Gelegenheit gibt. Das Wahre und Vortreffliche seiner Lehre ist daher auch bei ihm ganz unabhängig von den Beweisen, eben wie in der Geometrie. 46

Weiter setzt Schopenhauer aus, dass Spinoza oft irreführende Termini zur Bezeichnung von Dingen verwende. Spinoza hätte zwar Genie, aber das des Künstlers, ni

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