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Die Geschichte von Adam und Eva Der mächtigste Mythos der Menschheit von Greenblatt, Stephen (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 12.03.2018
  • Verlag: Siedler
eBook (ePUB)
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Die Geschichte von Adam und Eva

Bestsellerautor Stephen Greenblatt über die größte Erzählung der Menschheit Warum fasziniert uns die Geschichte von Adam und Eva noch heute? Unsere Vorstellungen vom Paradies, von Scham und Sünde, unsere Ideen von Gut und Böse und unser Frauenbild - wie sehr wurden sie von dieser Urerzählung geprägt? Bestsellerautor und Pulitzer-Preisträger Stephen Greenblatt widmet sich diesem mächtigsten aller Menschheitsmythen. In vielen Geschichten schildert er nicht nur das Erbe von Adam und Eva in der christlichen Kultur seit Augustinus und Dürer. Er zeigt uns auch, dass dieser Mythos eine existenzielle Frage berührt, die auch die moderne Wissenschaft nicht beantworten kann - was es nämlich heißt, ein Mensch zu sein. Stephen Greenblatt ist Professor für Englische und Amerikanische Literatur und Sprache an der Harvard Universität. Er ist einer der angesehensten Forscher zu Shakespeares Werk sowie zur Kultur und Literatur in der Renaissance. Greenblatt ist Herausgeber der Norton Anthology of English Literature sowie Autor mehrerer Bücher, darunter die hochgelobte Shakespeare-Biographie Will in der Welt (2004). Für seine Arbeit wurde er mit zahlreichen Preisen geehrt, u.a. mit dem National Book Award und dem Pulitzerpreis für sein Werk Die Wende (2012). Bei Siedler erschien zuletzt Die Geschichte von Adam und Eva. Der mächtigste Mythos der Menschheit (2018).

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 448
    Erscheinungsdatum: 12.03.2018
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783641159719
    Verlag: Siedler
    Originaltitel: The Rise And Fall of Adam and Eve
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Die Geschichte von Adam und Eva

KAPITEL ZWEI

AN DEN WASSERN ZU BABEL

A UF DER GRÖSSTEN INSEL der Hawaii-Kette dringt geschmolzene Lava aus den Vulkanspalten. Man kann durch die schwarzen Felder abgekühlter Lava bis zum Rand der Klippe gehen und sieht von dort, wie sich geschmolzene Lava aus einer Quelle Bahn bricht, eine gewaltige Geburt, sieht, wie diese Lava zischend ins Meer stiebt. Man kann sich dort durchaus so fühlen, als wohne man dem Ursprung der Welt bei, wobei die Welt natürlich längst da ist, was man ja weiß. Niemand aber, und das ist der Knackpunkt der Schöpfungsgeschichten, kann behaupten, er oder sie sei dabei gewesen, könne sich daran erinnern, sei vielleicht auch nur ein Glied in einer Kette von Erinnerungen, die zu irgendwem zurückführt, der oder die dabei gewesen ist.

Wir können nicht wissen, wann sich jemand darangemacht hat, sich auszumalen, wie das Universum und die Menschen entstanden sind, wann eine erste Geschichte erzählt wurde vom uranfänglichen Geschehen, das unsere Spezies auf den Weg gebracht hat. Wir können die Person nicht ausmachen, die sich als erste den Garten vorgestellt hat, die geträumt hat von Nacktheit ohne Scham, der die Sache mit der verbotenen Frucht einfiel. Es muss, das wissen wir, einen Augenblick der Inspiration gegeben haben, aber wir wissen nicht, wie wir den Weg dorthin zurückfinden könnten. Dieser Augenblick ist verloren, endgültig.

Auch einen weiteren definitiven Augenblick muss es gegeben haben, den nämlich, in dem sich irgendwer entschloss, diese Geschichte aufzuschreiben. Auch dazu haben wir keinen Zugang, niemals werden wir wissen, ob der Schreiber ein Mann war oder eine Frau; wir haben keinen eindeutigen Hinweis auf den Ort oder die Begleitumstände oder die Sprache, haben keinen präzisen, nicht einmal einen näherungsweisen Anhaltspunkt für die Zeit. Einige Gelehrte glauben, eine Version könnte schon früh entstanden sein, etwa zur Zeit des Königs Salomon (990-931 v. u. Z.), weitere Versionen könnten in schriftlicher Form in der Regierungszeit seiner Nachfolger zirkuliert sein. Weil aus diesen langen Jahrhunderten im Leben der Juden keinerlei Manuskripte, nicht einmal deren Spuren erhalten sind - alle sind zerstört, von Feuer, von Wasserfluten, vom Zahn der Zeit -, ist jede Datierung spekulativ, manche sogar wilde Spekulation. Am nächsten kommen wir einem Startpunkt, wenn wir nach dem Augenblick suchen, in dem die Erzählung schließlich Eingang fand ins Buch Genesis. Wobei auch da der präzise Zeitpunkt, die Umstände unklar bleiben, doch der Nebel um dieses Rätsel hebt sich zumindest ein wenig.

Die meisten Bibelforscher schreiben die Form, in der wir die Erzählung kennen, dem 6. Jahrhundert v. u. Z. zu; sie gehen davon aus, dass der Pentateuch - die griechische Bezeichnung für die fünf Bücher Mose - wohl im 5. Jahrhundert v. u. Z. zusammengestellt wurde, was etwa der Zeit der Propheten Esra und Nehemia entspräche. Doch selbst hier bewegen wir uns auf unsicherem Grund. Um jeden Zentimeter Textgeschichte wurde gerungen, zumindest seit dem 18. Jahrhundert; darum wird alles, was ich sage, wie auch das, was andere sagen, die sich besser auskennen in diesen Fragen, von dritten bestritten werden, manchmal durchaus heftig. Ganz unabhängig von ihren fernen Anfängen, wurde die Erzählung von Adam und Eva irgendwann Teil eines heiligen Dokuments, der Tora, deren Autor Moses gewesen sein soll. Immerhin hat man damit einen Autor benannt und es gab jemanden von allerhöchstem Ansehen, der die Wahrheit des Berichts verbürgen konnte. Nun gab es Menschen, die sich durchaus zu Recht fragten, wie denn Moses habe wissen können, was im Garten Eden vor sich ging, so lange vor seiner Zeit. Er habe, so antworteten die Verfechter der strikten Wahrheit des Berichts, die Einzelheiten erfahren können, insofern diese weitergetragen wurden alle Generationen hindurch, bis zu Noah und noch weiter zurück in die Zeit vor der Sintflut, bis zu Seth, Adams

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